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Erfolge hatte Friedrich auch im mittleren Ostabschnitt. Er belohnte die Reichstreue des Böhmenherzogs und machte ihn zum König. Polen musste die schlesischen Herzogtümer Breslau und Ratibor an kaisergenehme Magnaten abtreten. So blieb Schlesien zwar bei Polen, wurde aber der deutschen Besiedelung geöffnet.


In Italien war seit langem kein Kaiser mehr gewesen. Mit dem Zurückweichen der Kaiser im Investiturstreit war auch die Macht der lombardischen Bischöfe geschwunden, die Städte hatten sich deren Grafenrechte angeeignet und sich zu Herren des Landes gemacht. Die großen waren dabei, die kleinen zu fressen. Rom ließ den Papst nicht auf seinen Stuhl, so dass auch er Hilfe beim deutschen König suchte. Der wollte auch jenseits der Alpen des Reiches Macht wiederherstellen, wie er es verstand. Da Barbarossa sein Herzogtum an seinen Vetter abgetreten hatte, blieb ihm nur der persönliche Besitz. Der war für die Regie, die das Kaisertum erforderte, aber nicht ausreichend. “Der Garten des Reiches” - so Dante über Oberitalien - hatte dagegen Früchte genug.


Im Herbst 1154 zog er los, hielt Reichstag und Heerschau auf den ronkalischen Feldern  in der Lombardei, verkündete die Erneuerung alter Gesetze und ließ sich huldigen. Weiter ging es nach Rom zur Krönung. Auch diese “italienische Reise” endete fatal. Friedrich, nun Kaiser, teilt die übriggebliebenen 1.800 Mann in drei Heerhaufen, die sich getrennt heimwärts durchschlagen sollen. Die lombardischen Städter fühlten sich als Sieger - trotz Feindschaft untereinander schon fast als Italiener. Verona öffnete dem Kaiser gar nicht mehr die Tore. Man sperrte die Veroneser Klause, den wichtigsten Weg nach Deutschland über den Brenner. Erst nach Übergabe eines hohen Lösegeldes, der Rösser, Rüstungen und Waffen will man die Kaiserlichen durchziehen lassen. Otto von Wittelsbach rettete mit einigen Mutigen die Ehre und das Vermögen der deutschen Ritter - denn Ross und Waffen waren der größte Vermögensposten eines Ritters -, indem er mit seinen Männern die Felsenfeste erklomm und die Wegelagerer in die schäumende Etsch hinunterwerfen ließ.


Eisen war nämlich noch immer kostbar; ein Pferd mit Hufeisen - seit Ende des 9. Jahrhunderts in Gebrauch - kostete das Doppelte wie ohne. Der Ritter hielt sich - vereinzelt seit dem 8. Jahrhundert - in Steigbügeln, er trug ein Kettenhemd, ein Produkt einer seit dem 10. Jahrhundert verbreiteten Schmiedetechnik. Er hat zwar einen Eisenhelm, aber noch keinen Gesichtsschutz. Sein Schild hat nur ornamentalen Schmuck, die Wappenbemalung ist noch nicht üblich. Ross und Rüstung waren im 10. Jahrhundert einen Bauernhof wert gewesen, sie dürften jetzt nicht billiger gewesen sein.


Fast geschlagen zog man heimwärts, ohne das rebellische Rom gezüchtigt zu haben. Der Krach mit dem Papst wäre für den Kaiser wohl nicht so folgenschwer geworden, hätte er nicht einen Kanzler gehabt, der ghibellinischer war als sein Herr: Rainald von Dassel, sächsischer Grafensohn, studiert in Paris, gebildet, hochmütig und hitzig. Auf dem Reichstag von Besancon übersetzt er in einem päpstlichen Sendschreiben, in dem die Kaiserkrone als “benificium” bezeichnet wird, dieses Wort nicht mit “Wohltat”, sondern mit “Lehen”. Als die Deutschen deshalb murren, brüllt der Legat Roland Bandinelli in den Saal: “Von wem hat denn der Kaiser das Kaisertum, wenn nicht vom Papst?” Nur die kaiserliche Autorität rettete den Kardinal davor, in Stücke gehackt zu werden. Durch die Einfärbung dieses einen Wortes hatte Rainald gewaltige Emotionen freigesetzt. Das Reich wird im gleichen Jahr von der kaiserlichen Kanzlei “sacrum imperium”, “Heiliges Reich” genannt.

Die Frage des Legaten in Besancon lässt den Knüppel aus dem Sack: Das Papsttum hat das Kaisertum von den Griechen auf die Deutschen übertragen. Der Papst kann es aber auch auf andere übertragen. Diese Translationstheorie wird die Staufer bis an ihr Ende schrecken. Der Kampf beginnt sofort, denn Bandinelli wird als Alexander III. der nächste Papst.

Der zweite Italienzug des Rotbarts sollte die Reichsgewalt in Oberitalien wiederherstellen. Jede Stadt kämpfte eifersüchtig um ihre Rechte. Um diese Rechte, die Reichsrechte gewesen waren, fing nun der große Kampf an. Der Salierkaiser Heinrich IV. hatte den Städten vor mehr als sechzig Jahren die Selbstverwaltung gegeben, als er sie nach dem Abfall seines Sohnes Konrad auf seine Seite bringen wollte. Jetzt erinnerte sie Friedrich daran, dass ihm die Herrschaft und damit ein Großteil des Geldes zustand, das sie vereinnahmten. Es war etwa das Vierfache des deutschen Steueraufkommens; der Geldwert von mehr als 10.000 Kilogramm Silber. Doch als er mit einem Gutachten der Universität Bologna die Städte an seine Ansprüche erinnerte, ließ ihm eine sagen, dass sich niemand mehr daran erinnere.

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