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Über seinen Vetter Heinrich von Sachsen und Bayern hatte sich der Kaiser viele Klagen anhören müssen. Der hatte unterdessen kolonisiert, Städte gegründet und Macht und Reichtum gemehrt. Wie er es tat, dafür ist die Gründung Münchens ein Beispiel: Der Bischof von Freising erhob an der Isarbrücke bei Oberföhring Zoll. Über diese Brücke gingen auch die wertvollen Salzfuhren von Reichenhall und Berchtesgaden über Rosenheim und von hier nach Ingolstadt und nach Schwaben. Heinrich baute eine Stunde flussabwärts - wo heute die Ludwigsbrücke über die Isar führt - “bei den Munichen” seine Brücke. Das Klösterchen stand da, wo heute der alte Peter steht. Damit die Salzkarawanen auch ja nicht seine Brücke verfehlten, ließ er die des Bischofs niederbrennen. Seine neue Straße lief da, wo sie jetzt noch verläuft: Durch das Isartor über den Marienplatz Richtung Stachus. Bischof Otto beschwerte sich zwar bei seinem Neffen, dem Kaiser, doch der ließ dem Löwen um des Friedens willen seinen Raub. Er hatte nur ein Drittel des Brückenzolls nach Freising abzuführen. Diese Missetat, mit der sich Heinrich an Bischof Otto für dessen Wahlhilfe zugunsten Barbarossas rächte und die München zur Metropole, Freising aber zum Provinzstädtchen machte, sühnte München bis 1866 mit blanker Münze.


Da sich der Herzog - einige eilige Durchzüge abgezogen - nur dreimal einige Wochen in Bayern aufhielt, kann man sich vorstellen, was er in Sachsen machte, wo er meist war. Unter anderem ging es auch dort um den Wirtschaftsfaktor Salz. Mit dem “weißen Gold”, dem damals einzigen Konservierungsmittel, wurden Fleisch und Fisch in großen Mengen haltbar gemacht. Der Löwe konnte sein Salz nur nach Westen verhandeln. Nach Norden verschiffen konnte er es nicht. Der einzige Ostseehafen - Lübeck - gehörte Adolf von Holstein. Heinrich zwang ihn, ihm Stadt und Hafen je zur Hälfte zu überlassen. Auch sonst ließ er sich keinen Vorteil und keine Machtprobe entgehen: Mit den Dänen kriegte er und mit den Erzbischöfen von Magdeburg, Bremen und Köln und dem Markgrafen von Brandenburg schlug er sich herum. Bald war der mächtigste auch der gehassteste Mann im Reich. Wie Barbarossa in Italien, errang auch Heinrich im wendischen Osten nur halbe Siege. Pommern musste er dem Polenherzog als Lehen überlassen und in Mecklenburg musste er gar den Obotritenfürsten Pribislaw wieder einsetzen. Dessen Nachfahren regierten dann bis 1918.


Nach dem Frieden mit Papst und Lombarden lud der Kaiser seinen anmaßenden Vetter vor Gericht. Lange hatte er ihn gedeckt. Ohne die kaiserliche Rückendeckung wäre dem Löwen seine Machtausweitung nicht möglich gewesen. Nun war er durch seine Übermacht eine Reichsgefahr geworden.

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