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Zum Entsetzen des Papstes setzt der welfische Kaiser die staufische Politik fort. Unter Bruch aller Eide -”er spuckte auf den Vertrag” - marschierte er nach Italien. Selbst der päpstliche Bann hielt ihn nicht ab, es bis zur Stiefelspitze zu erobern. Als er sich sogar zur Eroberung Siziliens aufmachte, entschloss sich Innozenz dem Stauferspross Friedrich  von Sizilien-Apulien zur deutschen Krone zu verhelfen. Staufische Parteigänger wählen ihn, um dem Welfen einen Rivalen entgegenzustellen.


Dass für den „Sizilianer”, wie ihn die fürstlichen Wähler nennen, das Land seiner Väter nur ein vager Begriff ist, ist ihnen recht. Noch besser ist, dass Sizilien sehr weit weg ist. Der kaiserliche Knabe ist kein Deutscher. Er wuchs in der griechisch-islamisch-normannisch-italienischen Mischkultur Siziliens auf, ein Waisenkind, “das illusionslos früh reift”, weil es nur von Höflingen und Intriganten umgeben ist. Religiös “aufgeklärt”, ein ideen- und trickreicher Rationalist, auch ein hochfahrend-grausamer Tyrann, der alles dem absoluten Staat unterordnet. Fast göttliche Verehrung war ihm entgegenzubringen, Fußfall und Fußkuss eingeschlossen. Massenumsiedlungen und Völkermord gehörten zu seinem System. Er muss ein Magier der Macht gewesen sein. Als seine Mutter seine Geburt erwartete, ließ sie auf dem Marktplatz von Jesi in der Mark Ancona ein Zelt errichten, in das jede Frau hineindurfte, um zu sehen, dass ihr Kind der rechtmäßige Erbe sei. Die ältliche Konstanze hatte nämlich lange vergeblich auf Kinder gewartet. Umsonst: Seine Feinde behaupteten, Friedrich sei der Sohn des Metzgers von Jesi.


Friedrich nahm gegen den Widerstand der sizilischen Großen die Kaiserwahl an, musste aber seinen einjährigen Sohn zum König von Sizilien krönen lassen. Sein Rivale Otto brach daher seine Zelte in Kalabrien ab, um sich Deutschland zu sichern. Der sechzehnjährige Friedrich schlich sich mit nur wenigen Begleitern zum Papst, denn ganz Italien war in Ottos Hand. Zu Schiff kam er nach Genua. In Verona erfuhr er, dass er nicht über den Brenner könne. Wie er von Trient über den Septimerpass kam, weiß niemand. Erst in Chur bekommt er vom Bischof ein kleines Gefolge. Vor Konstanz entscheidet sich dann sein Unternehmen. Sein Gegner Otto will gerade von Überlingen übersetzen, um sich die Stadt zu sichern und ihn zu fangen. Doch der Erzbischof von Palermo, der Friedrich begleitete, verlas schnell die Bannbulle des Papstes gegen Kaiser Otto. Der Bischof von Konstanz, der dies auch erst jetzt erfuhr, ließ darauf die Rheinbrücke sperren, so dass der Welfenkaiser nicht in die Stadt konnte. Er zieht über den Schwarzwald nach Breisach: “Er hatte aber leichtfertige Ritter ... bei sich, die ... mit den Frauen, Töchtern und Mägden ihrer Wirte intimen Verkehr pflegten ..., gleich, ob jene freiwillig oder gezwungen mittaten.” Die Breisacher waren dieser Art Gruppensex abgeneigt. Sie erschlugen die Lüstlinge. Der Kaiser floh in der Nacht über den Rhein.

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