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Mit Brutalität und Geschick hatte Friedrich II. das Erbe seines Vaters wiedervereinigt. Der Papst war erneut im territorialen Schwitzkasten. Friedrich sah den Schwerpunkt seines Reiches in seinem Sizilien. Das “männerreiche Germanien” war für ihn nur die Fußbank zur Erlangung der Kaiserkrone, die das deutsche Königtum überhöhte. Deshalb schickte er seinen Sohn Heinrich nach Deutschland, das zu einem Nebenland des Imperiums abgesunken war. Da der Vater die Fürsten mit dem Landesherren-Privileg bestochen hatte, wird er zum König gewählt. Er ist in unseren Geschichtsbüchern nicht Heinrich VII., sondern nur Heinrich (VII.) ; die Klammern setzte der Macht-Vorbehalt des Vaters. Der Sohn stützte sich auf die fortschrittlichen Ministerialen, er erkannte die Bedeutung der aufstrebenden Städte mit ihrem Bürgertum. Von den Mächtigen wurde der junge König gerüffelt, er muss Rechte aufgeben, die Städter dürfen sich nicht organisieren, weder in ihrer Stadt, noch in Städtebünden. Sie dürfen auch keine Untertanen von Fürsten als “Pfahlbürger”  aufnehmen, denn die Untertanen waren das Kapital der Landesherrn. Der Kaiser will deshalb nach Deutschland kommen. Das treibt den Sohn in die Rebellion. Er versucht ein Bündnis mit den Lombarden, die der Vater gerade wieder bekriegt. Damit begeht er Hochverrat.


Ohne Heer zog Friedrich über die Steiermark und Bayern an den Rhein. Den deutschen Hinterwäldlern imponierte er mit Elefanten, Kamelen, Papageien, Affen und Raubtieren, die von Mohren an der Kette geführt werden. Der Gauklertrick lässt alle das Knie beugen, auch Sohn Heinrich, der in Wimpfen um Gnade bittet. Als er nach sieben Jahren Haft in eine andere Burg verlegt wurde, stürzte er sich in eine Schlucht.


Die Zeit Friedrichs II. war Vollendung und zugleich Abenddämmerung des “ritterlichen Mittelalters”. Aufgewachsen in der süditalienisch-arabischen Mischkultur, waren ihm die geistig-religiösen Strömungen Mitteleuropas fremd. Die Amtskirche und ihre Prälaten sahen sich von der unmittelbaren Gotteserfahrung bedroht, die zur urchristlichen Armut und Demut zurück wollte, wie sie die Bettelmönchorden vorlebten. Die “kleinen Brüder”  des Franziskus von Assisi erschreckten die hofhaltenden Kirchenfürsten. Der Papst schuf sich mit dem Dominikanerorden eine Polizeitruppe, um gegen mystische und sozialrevolutionäre “Ketzer”  durchzugreifen. Mit der Inquisition hatte er eine Waffe gegen innerkirchliche Abweichungstendenzen, die in ganz Europa die Scheiterhaufen lodern lassen wird. Besonders beunruhigte die hohe Geistlichkeit, dass der neue Glaubensenthusiasmus auch von Frauen getragen wurde durch neue Nonnenorden und auch durch das religiös-tätige Engagement adeliger Damen, wie der heiligen Elisabeth von Thüringen .


Der geistige Umbruch zeigte sich auch im Wirken des großen Albert von Bollstädt und seines Schülers Thomas von Aquin, sowie im neuen Kirchenbaustil. Er kam aus Frankreich. Die Ursachen waren zunächst mechanische. Die Zunahme der Gläubigen verlangte mehr Platz. Der neue Spitzbogen erlaubte höhere Kirchen und höhere Kirchtürme, die die Ehre Gottes sichtbar erhöhten, er erlaubte auch die Erhellung des Chores durch mehr und hohe Fenster, die das, was dort geschah, beleuchteten. Die dort in Gottesnähe versammelte Geistlichkeit grenzte sich vom Kirchenvolk durch den Lettner  ab, wie sich auch die Mönche durch die jeweils andere Mönchskutte von einander abgrenzten. Und während bisher dem unwissenden Volk außer der Predigt das Heilsgeschehen nur durch Wandmalereien verklart worden war, kam man jetzt zu figürlichen Darstellungen. Von Lettnern, Säulen, Portalen und Türmen schauten Apostel, Heilige und Stifter herab, höllisches Wurmzeug mit Füßen tretend. Wasserspeier wurden zu Dämonen und Teufelsfratzen ausgeformt. Die Mittelmeervölker sollen darin nordische Barbarei erblickt haben, die sie schaudern ließ. Für sie war dieser Stil daher “gotisch”, barbarisch. Die erste Kirche dieses Stils ist die über dem Grab der „franziskanischen“ Dienerin, der heiligen Elisabeth, in Marburg.


Darüber hinaus prägt die Gotik das ganze Leben. "Sie hat einen neuen Menschen, eine neue Welt geschaffen. Sie hat vom Katholizismus bis zum Staatsgedanken der deutschen Kaiser, vom ritterlichen Turnier bis zum Bilde der eben entstehenden Städte, vom Dom bis zur Bauernstube, vom Bau der Sprache bis zum Brautschmuck der Dorfmädchen, vom Ölgemälde bis zum Spielmannslied allem und jedem die Sprache einer einheitlichen Symbolik aufgeprägt."

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