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Von Norddeutschland waren wichtige Aktivitäten ausgegangen: Wie damals viele andere Städte war Lübeck 1226 reichsunmittelbar geworden. Im Jahr darauf wurde der Dänenkönig bei Bornhöved besiegt. Der Aufstieg Dänemarks zur Ostseemacht wurde damit verhindert. In diese Rolle wuchs der Deutsche (Ritter-)Orden hinein, der vom Herzog von Masowien zur Schwertmission ins Land der heidnischen Pruzzen gerufen worden war. Die wilden Preußen hatten das “Kulmer Land”, die Weichselebene von Thorn bis Danzig, erobert. Der Herzog hatte zu befürchten, dass sie von hier, dem Westen seines Herzogtums, sein Land bedrohen würden. Also verzichtete er auf die sowieso verlorene Provinz zugunsten der frommen Ritter.


Sie waren zuerst nur Krankenpfleger gewesen. Die französischen Templer und die Johanniter hatten damals vor Akkon nur mitleidig auf sie hinuntergeschaut. Als Hermann von Salza Hochmeister des Ordens wurde, wollte er ein Auge dafür geben, wenn der Orden noch zu seinen Lebzeiten zehn Brüder ausrüsten könne. Bei seinem Tod sollen es zweitausend gewesen sein. Die Ordensbrüder - Ritter und Mönch in einem - waren adelig. Sie gelobten Keuschheit, Gehorsam und Mittellosigkeit, viermal bei Tag und viermal bei Nacht war Chorgebet. Doch während den Mönchen das Waffenhandwerk verboten war, die Klöster deshalb einen Vogt zu ihrem Schutz brauchten, waren die Ordensritter wehrhaft. Während der Kreuzzüge saßen die Ritterorden in Palästina. Dem Deutschen Orden war dann vom ungarischen König an seiner Ostgrenze Land überlassen worden. Der Orden sollte es vor wilden Balkan- und Steppenvölkern schützen. Er baute deshalb sieben Burgen - daher der Landesname Siebenbürgen - und rief deutsche Siedler ins Land.

Außerdem sollte der Orden dem König gegen seine Stände helfen. Beides gab Ärger. Der Kaiser betraute deshalb den Orden 1226 mit der “Unterwerfung und Bekehrung” der Pruzzen.


Der Orden unterwirft die slawischen Pruzzen, sein Staat wird als Preußen deutsche Vormacht werden. Dieser Staat, der unter dem Kreuzfahrerkreuz zu existieren beginnt, endet unter dem davon kopierten Eisernen Kreuz. Der Werkstoff war Symbol; er war immer ein kriegerischer Staat. Er wurde schließlich zum Vorkämpfer des Protestantismus und auch zum Ärgernis Deutschlands.


Der Orden machte das Land urbar und ließ deutsche Siedler kommen. Wo Widerstand kam, brach man ihn. Das Ausleben eines archaischen Ritter-Ideals geriet streckenweise grausam, weil sich der Stolz des Ritters, der ohne weibliche Wärme in den weltfernen Einöden wohl ein Sensibilitätsdefizit erlitt, mit mönchischer Entwurzelung und intellektueller Überheblichkeit addierte. Die Heiden “haben sich dem Glauben und den Brüdern zu unterwerfen.” Der Papst schickte Strafgefangene und eine Bulle, die jedem Rechtsbrecher Straffreiheit zusicherte - eine frühe Fremdenlegion. Zweimal im Jahr lud der Orden zur “Litauer Reise” ein. Dort konnte jeder, der tüchtig dreinschlagen wollte, sein Kreuzzugsgelübde erfüllen. Der prominenteste “Preußenfahrer” war Ottokar von Böhmen. An der Pregelmündung ließ er eine Burg bauen. Er schenkte sie dem Orden, der sie zum Dank nach dem König Königsberg nannte. Heute heißt die westlichste Stadt Russlands Kaliningrad.


Die Slawen waren durch solchen Christeneifer wieder zu Sklaven geworden, denn diese “Heerfahrten” waren zum Kriegssport und zum Treibjagdvergnügen entartet. Wenn “Gott uns Christen das Glück schenkte, dass wir auf Heiden stießen, so jagten wir ritterlich, machten Gefangene, stachen und stießen zu. Es war eine lustige Zeit.”
Dabei ließen sich auch gute Geschäfte machen, die “Herren von Preußen” wurden die größten Geldverleiher in Mitteleuropa. Der Reichtum des Ordens beruhte nicht nur auf der “ehrbaren Kaufmannschaft” und landwirtschaftlichen und gewerblichen Erträgen, sondern auch auf dem Sklavenhandel mit den Gefangenen, selbst mit Kindern. Der Erzbergbau im Martelltal im südtiroler Vintschgau wurde beispielsweise mit diesen Ärmsten betrieben. Sie kosteten wenig, konnten in enge Stollen, brauchten fast nichts zum Leben. Was machte es, wenn sie der Berg behielt.


Durch Einbürgerung von Deutschen wird das Kulmer Land zwischen Weichsel und Memel zum Herzogtum Preußen. Und im hohen Norden zwischen Düna und finnischem Meer wartet das Land der Letten und Esten auf Bekehrung. Anfangs des 14. Jahrhunderts ist so ein zweites Ordensland entstanden. Der Orden kann dem Kaiser berichten, dass “diese Lande durch den Orden mit großen Opfern an Leib und Gut und Blutvergießen zu unserem Glauben und in unsere deutsche Sprache gebracht” wurden, “so dass es in etlichen Historien ‘Nova Germania’ genannt wurde, das ist: Neu Deutschland.” Zu Beginn des 15. Jahrhunderts hatte der Deutsche Ritterorden den Höhepunkt seiner Macht erreicht. Sein Staat reichte von der Oder bis an den Finnischen Meerbusen und den Peipussee. Damals waren es 3.162 Ritterbrüder mit 6.200 Dienstknechten und Hofgesinde. Ihrem Hochmeister unterstanden 28 Komture, 81 Spitalherren, 35 Kellermeister, 39 Fisch- und 93 Mühlmeister und 25 Pfarrherren. In diesem Staat gab es 55 Städte, 48 Schlösser und 18.368 Dörfer sowie 4 Bistümer. Die bedeutendste Stadt war Danzig.


In Schlesien riefen die polnischen Herzöge – wie auch der König von Böhmen – die Deutschen als Entwicklungshelfer. Die Starthilfe, die man ihnen in Form von Siedelland und größeren Rechten gab, verzinste sich beispiellos.

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