1273 - 1431

postheadericon Die Hausmachtkaiser

oder: Habsburger, Luxemburger, Wittelsbacher


Der Papst erkannte die Gefahr, die das Interregnum in Deutschland und das dadurch entstandene Machtvakuum auch für ihn bringen konnte: Karl von Anjou-Neapel wollte seinen Neffen, den König von Frankreich, zum Kaiser wählen lassen. Für den Papst wäre das noch schlimmer gewesen als die staufische Bedrohung. Er forderte daher die deutschen Kurfürsten auf, wieder einen König zu wählen.


Nach dem Vorbild des Kardinalskollegiums traten sie 1273 erstmals als alleinige Wähler auf. Der Mainzer Erzbischof war Kurfürst als Kanzler für Deutschland, der Kölner als Kanzler für Italien, der Trierer als Kanzler für Gallien-Burgund, der Pfalzgraf bei Rhein als früher oberster Richter am Königshof. Die Wahl hatte im mittelrheinischen Tribur und später in Frankfurt am Main stattzufinden, der Mainzer Erzbischof hatte die letzte und damit entscheidende Stimme, er hatte das Wahlergebnis den anwesenden Fürsten und Grafen zu verkünden, der Gewählte hatte im Aachener Münster gekrönt zu werden. Dieser Anspruch der rheinischen Kurfürsten kam noch aus der karolingischen Reichstradition. Er beruhte auf ihrer Territorialmacht. Die tatsächliche Macht hatten dagegen die weltlichen Kurfürsten, deren Länder das mittel- und ostdeutsche Neusiedelland ausmachten; der Markgraf von Brandenburg, der Herzog von Sachsen und der König von Böhmen, der Kurfürst war, “sofern er von deutschem Stamme ist.”


Das war Ottokar II. aus der Familie der Přemysliden. Für ihre Treue war dieser Familie von den Kaisern das Königtum erst persönlich, 1198 dann erblich verliehen worden. Er selbst fühlte sich dem Volkstum seiner deutschen Mutter zugehörig, er war ein Enkel Philipps von Schwaben. Seine Vorfahren und er hatten mit deutschen Kolonisten ihre Macht gegenüber dem Landadel verstärkt und ihren Einfluss auf die Kirche vergrößert. Deutsche Bauern und Bürger machten die Randgebirge Böhmens und Mährens urbar, deutsche Bergleute erschlossen die Silberlager Böhmens. Im Gegensatz zu den Tschechen waren sie freie Untertanen: “Wer aber vielleicht unsere Begnadigung zu verletzen wagt und besagte Deutsche in ihren hier bewilligten Rechten angreifen sollte, der soll des Verbrechens der Beleidigung der königlichen Majestät schuldig erkannt und bestraft werden und der Fluch des allmächtigen Gottes soll ihn treffen.” Anders als östlich der Elbe und in Schlesien vermischten sich Deutsche und Tschechen kaum. Přemysl Ottokar - bis heute wird in den Ländern der ehemaligen Donaumonarchie der Vorname hinter den Familiennamen gesetzt - war der ranghöchste und auch mächtigste Reichsfürst. Er hatte Schlesien und Polen an sich bringen wollen - deshalb seine Ostland-”Reisen” und die Gründung von Königsberg. Bei den babenbergischen Ländern (Nieder)Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain gelang es ihm. Der Twen heiratete die doppelt so alte Erbin. So reichte sein Einfluss fast von der Ostsee bis zur Adria, durch den Einfluss auf die geistlichen Fürstentümer Passau und Salzburg erstreckte er sich westwärts bis in den bayerischen Raum.


Auch die Kurfürsten wollten ihre Macht vergrößern. Bezeichnend dafür ist ihr Gesetz, das die Rückgabe aller seit 1245 in fremde Hände gekommenen Reichsbesitze bestimmte - mit Ausnahme ihrer eigenen Beute.

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