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Deshalb wurde nur “ein armer, kleiner Graf” - wie “der goldene König” Ottokar spottete - zum deutschen König gewählt; groß genug, um den weiteren Verfall des Königtums aufzuhalten, aber auch unbedeutend genug, um die Herrschaft der Fürsten nicht behindern zu können und um auf sie angewiesen zu bleiben: Rudolf von Habsburg . Er war nicht ganz so arm, wie ihn Ottokars Propaganda machte, immerhin Landgraf im oberen Elsass, Graf im Frickgau, im Aargau und im nördlichen Zürichgau, somit der bedeutendste Dynast im Herzogtum Schwaben. Für ihren Lehensherrn, den Herzog und Kaiser war die Familie, die sich nach ihrer Aargauer Hab(icht)sburg nannte, ein wichtiger Parteigänger gewesen. Von Straßburg bis in die Alpen konnte sie Geleitschutz geben. Deshalb war Kaiser Friedrich II. auch zur Patenschaft für Klein-Rudolf bereit gewesen. Rudolf war mindestens zweimal nach Italien “gereist”. Er war bei jenem Fürstentag in Verona gewesen, als der Staufer die Erhebungsurkunde für das Königreich Österreich ausarbeiten ließ, und er ritt mit Konradin, um den Landräuber Anjou zu verjagen. Dafür hatte er sich die Stadt Rheinfelden und die Vogtei über das Kloster St. Blasien im Schwarzwald versprechen lassen. Auch sonst war er bemüht, seine Besitzungen “abzurunden”, sich also Stücke aus Reichsbesitz und staufischem Hausgut anzueignen. Darum kämpfte er auch mit den Grafen von Savoyen und mit dem Bischof von Basel. Nun sitzt er im Feldlager vor Basel, wie er im Speyerer Dom sitzt: lang, schlaksig, im faltigen, schon etwas müden Gesicht kluge, humorig blickende Augen und eine Mords-Hakennase. Dorthin bringt ihm der Burggraf von Nürnberg die Nominierung zum deutschen König ins regennasse Zelt. Rudolf schickt ihn gleich weiter zum Bischof, um Frieden zu schließen.


Der schon 55-Jährige brachte für seine schwierige Aufgabe solide Voraussetzungen mit. Er war zäh, zuverlässig, nach schwäbischer Unternehmersitte eher knauserig, doch wenn es den Einsatz lohnte, war auch Geld da. Das Geld verdankte er seiner guten Verwaltung. Weil er Handel und Wandel förderte, war er für seine Standesgenossen ein „Krämerkönig“. Der Baseler Bischof kannte ihn. Als er die Nachricht von Rudolfs Wahl erhielt, soll er gerufen haben: „Sitz fest, Herre Gott, oder Rudolf wird auch nach Deinem Thron langen.“ Vorerst tat sich Rudolf mit ausgreifenden Unternehmungen schwer. Dazu reichte sein Besitz nicht aus. Die Wiedergewinnung von Reichsgut und staufischem Hausgut war daher nur mäßig erfolgreich. Sie scheiterte schon am nächstmächtigsten Rivalen, am Grafen von Württemberg.


Přemysl Ottokar verweigerte Rudolf zunächst sogar die Huldigung. Der neue König woltte dem Böhmen die nach seiner Meinung ungesetzlich angeeigneten Reichslehen des Südostens abnehmen. Dabei ignorierte er, dass König Richard von Cornwall ihn rechtmäßig mit den Herzogtümern Österreich und Steiermark belehnt hatte. Ottokar kam deshalb in die Reichsacht und Rudolf mit Heeresmacht, sie zu vollstrecken. Die Wiener öffneten ihm die Tore. Auch diplomatisch trickste Rudolf den Gegner aus. Doch war damit nichts entschieden. Ottokar rüstete auf. Rudolf war jetzt ohne Reichsheer, weil er den Fürsten schon zu mächtig war. Außer dem Herzog von Bayern, dem Grafen von Görz-Tirol, dem Erzbischof von Salzburg und den Bischöfen von Regensburg und Passau hatte er nur den Ungarnkönig als Verbündeten. Noch rechtzeitig gelang die Vereinigung mit dessen Heer auf dem Marchfeld nordöstlich von Wien. Seit Alexander dem Großen war Rudolf der erste, der sein Heer auf einer Schiffsbrücke über den Fluss brachte. Das ermöglichte ihm einen überraschenden Angriff. Ottokar war zahlenmäßig überlegen. Mit ihm kämpften Sachsen und Brandenburg, Schlesien und Polen. Erst der Angriff einer Reserve in die Flanke Ottokars entschied die Schlacht. Ottokar wurde auf der Flucht erschlagen. Für viele war es ein Gottesurteil, weil er seinen Lehenseid gebrochen hatte. Wäre er Kaiser geworden, hätte er vielleicht die Macht der Fürsten gebrochen. Hätte er die Marchfeldschlacht gewonnen, wäre Böhmen eingedeutscht worden wie Schlesien, Mecklenburg, Pommern und Preußen.

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