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Den Papst hatte Albrecht inzwischen beruhigt, doch Mitteldeutschland war aufständisch, und auf Böhmen erhebt der Herzog von Kärnten Anspruch. Albrecht geht in die Schweiz, um für den anstehenden Krieg Truppen auszuheben. Dort wird er von seinem Neffen Johann “Parricida” - Vatermörder, wie den dort Herumirrenden die Italiener nannten - ermordet. Hätte Albrecht lange genug gelebt, wäre das Habsburgerreich vielleicht zum Kern eines deutschen Zentralstaates geworden wie Frankreich, das nun bereits einen hundertjährigen Vorsprung hat. Auch die Erbmonarchie erreichte er nicht. Sie hätte dem Reich Stabilität gegeben. So dagegen mussten die Habsburger für eineinhalb Jahrhunderte die ersten Plätze räumen.


Bald nämlich hatten die Königsmacher den nächsten kleinen Grafen gefunden. Es war Heinrich von Luxemburg. Zuerst hatte der französische König seinen Bruder vorgeschlagen. Von seinen Beratern war Philipp “dem Schönen” nämlich geraten worden, das Kaisertum in seiner Familie erblich zu machen. Obwohl das die Kurfürsten nicht wollten, nahmen sie von Frankreich “Handsalben”. Aber auch der Papst wollte nicht. Er war vom Franzosenkönig nach Avignon in die “babylonische Gefangenschaft” gebracht worden. In totaler Machtüberschätzung hatte nämlich Bonifaz VIII. dekretiert, Christus habe dem Papst zwei Schwerter verliehen, eines für die Kirche, das zweite für die weltliche Obrigkeit, die es jedoch nur in Abhängigkeit vom Papst gebrauchen dürfe. Als der selbstherrliche Papst zudem noch in die französische Innenpolitik hineinregierte, antwortete ihm der Franzosenkönig in einer seit Friedrich II. nicht mehr gehörten Sprache: "Philipp, König in Frankreich, wünscht dem Bonifazius, der sich für einen Papst hält, wenig oder nichts Gutes. Deine große Narrheit soll wissen, dass wir in weltlicher Regierung niemanden über uns erkennen, etliche erledigte Kirchen und Pfründen nach königlichem Recht verleihen und Menschen, die anderes glauben, für witz- und vernunftlos erklären." Zornbebend bannte der Papst den König und beauftragte König Albrecht, die vom Eid gelösten Franzosen in Huldigung und Pflicht zu nehmen, bevor er achtzigjährig starb. Dante wies ihm als ewige Wohnung die Hölle zu. Sein Nachfolger beeilte sich zwar, den Bann und alle Ansprüche auf die Hoheitsrechte des Königs von Frankreich zu widerrufen, aber Bonifaz hatte den Bogen überspannt. Nach dem nur einjährigen Pontifikat Benedikts XI. ergriff Frankreich die Gelegenheit, die nächste Papstwahl für sich zu entscheiden. Die ausschlaggebenden Absprachen fanden auf der Latrine statt. Durch große Bestechungssummen wurden italienische Kardinäle gewonnen. Das Geld kam aus Frankreich, die Wahl fiel 1305 auf den Erzbischof von Bordeaux, der sich Clemens V. nannte. Die Italiener hatten wohl geglaubt, dass der neue Papst ihre Kreatur sei. Tatsächlich bestimmte aber jetzt der König von Frankreich die päpstliche Politik. Der neue Papst kam gar nicht erst nach Rom, im Gegenteil: er forderte die Kardinäle auf, zu seiner Krönung in Bordeaux zu erscheinen. Der König von Frankreich wies ihm Avignon als Residenzort zu. Hier hatten dann bis 1378 sieben Päpste ihren Sitz, "allesamt Franzosen, die unter Aufsicht des französischen Königs gewählt worden waren. Bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts blieb Avignon der Sitz der Päpste im 'Großen abendländischen Schisma'". Erst das Konstanzer Konzil wird Rom wieder zum Sitz der Päpste machen.


Clemens V. verschaffte dem französischen König einen enormen Machtzuwachs, indem er ihm den Orden der Templer zur Vernichtung preisgab und dessen sagenhafte Reichtümer an den König gelangen ließ. Die Pariser Ordenszentrale war um 1300 das Zentrum des europäischen Geldverkehrs. Hier sammelten sich die Gelder, die der Papst nördlich der Alpen von seinen Kirchen einziehen ließ. Es sollen 800.000 Pfund im Jahr gewesen sein, eine Summe, die dreimal so hoch war wie der Etat des französischen Königs. Die Templer waren zu seinen Geldgebern geworden. Nun brachte sie diese ihre Finanzmacht auf den Scheiterhaufen. Nach durch Folter erzwungenen Geständnissen endeten sie als götzendienerischer und ketzerischer Geheimbund. Die Nachfolger von Clemens begannen, den päpstlischen Hof in Avignon durch Ämter- und Pfründenvergabe in ganz Europa und durch Ablässe zu finanzieren. Sie zogen die Einsetzung von Bischöfen und Äbten an sich und verlangten dafür hohe Gebüren. Selbst nach der Rückkehr nach Rom blieb der Papst abhängig, jetzt vom König von Neapel. Das Papsttum hatte sich selbst durch Schisma und Korruption weitgehend handlungsunfähig gemacht.


Erwartungsgemäß ging von Avignon - wohl auch im Einvernehmen mit dem französischen König - Druck auf das deutsche Königtum aus: Der Papst verband mit seinem Recht auf die Krönung des Kaisers den Anspruch, bei der Wahl des Königs, der ja zum Kandidaten der Kaiserkrönung wurde, mitzuentscheiden. Daraus leitete das Papsttum das Recht ab, den König auch absetzen zu können. Die Kurfürsten sahen sich dadurch in ihren Rechten geschmälert. Daher erklärten sie, dass der von ihnen gewählte König ohne päpstliche Bestätigung regieren könne. Ihr Spruch vollzog die Trennung von deutscher Königswahl und päpstlicher Kaiserkrönung.
In Avignon wünschte sich der Papst jedoch bald einen deutschen König, der ihm den Rückweg nach Rom freimachen würde. Deshalb konspirierte er mit zwei hochkarätigen Taktikern: mit Peter von Aspelt, dem Mainzer Erzbischof, und mit Balduin von Luxemburg, Erzbischof von Trier.


Die Luxemburger Grafen waren ziemlich direkte Nachkommen der Karolinger. Sie waren nicht nur Vasallen der deutschen, sondern auch der französischen Krone. Da die Strahlkraft der französischen Metropole und deren Universität stark war, wurden die Söhne in Paris erzogen. Auch Balduin hatte dort studiert. Jetzt offerierte er seinen Bruder Heinrich als Kronkandidaten.


Heinrich VII. war ein makelloser Ritter. Von Italien aus wollte er die Kaiserherrlichkeit wieder herstellen. Doch zuvor sicherte er seiner Familie noch die unentbehrliche Hausmacht. Er verheiratete seinen 14-jährigen Sohn Johann mit der Erbin von Böhmen und Mähren. Damit hatten sich die Luxemburger saniert - für mehr als hundert Jahre.


Nach eineinhalb Regierungsjahren in Deutschland machte sich Heinrich auf den Weg nach Italien, nur von Dante  bejubelt und nur von seinem Bruder Balduin und dem österreichischen Herzog begleitet. Das Heerhäuflein von 2.000 “Reisigen” bestand überwiegend aus Franzosen. Was aber wollte Heinrich in Italien? Er wollte die Kaiserkrönung, er wollte auch das Ansehen des Kaisertums wieder herstellen. Er käme nicht als Herr und Gebieter, sondern als von Gott eingesetzter Schiedsrichter. Den hätte Italien bitter nötig gehabt. Die Kriege der rivalisierenden Städte hörten nie auf. Die Parteiungen gingen meist durch sie hindurch. Die Familien, die etwas zu sagen hatten, hausten in Geschlechtertürmen und ließen jeden aus der Feindsippe erschlagen, der sich ohne Schutz aus seinem Turm herauswagte. In Kämpfen zwischen den sozialen Gruppen dezimierte man sich zusätzlich.


Je weiter König Heinrich in dieses Italien vordrang, umso größer wurden die Widerstände. Der Papst, der ihn hatte krönen sollen, kam nicht. So wurde Heinrich  nur von zwei Kardinälen gekrönt. Im dafür vorgesehenen Vatikan saß bereits der Feind: Robert von Anjou, der Beherrscher Unteritaliens. Heinrich nimmt den Kampf gegen den König von Neapel auf. Schon ist er nicht mehr Schiedsrichter, nur noch Partei. Er treibt direkt auf den tödlichen Strudel zu, da stirbt er, wahrscheinlich vergiftet. Er wird im Dom von Pisa begraben. In Italien hinterließ er, ein kaiserlicher Don Quijote, nur noch mehr Zerrissenheit, in Deutschland außer der luxemburgischen Hausmacht Böhmen nichts Wichtiges.


Leider hatte Heinrich VII. die Franzosen so provoziert, dass sie vom Papst die Übertragung der kaiserlichen Rechte auf die französische Krone forderten. Der Papst - selbst Franzose, machte sich zum Vollstrecker der königlich-französischen Machtpolitik: Er machte Robert von Neapel zum Generalvikar über Italien.

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