1273 - 1431 1328

postheadericon 1328

Marsilius von Padua war es wohl auch, der Ludwig zum Romzug drängte. Nicht nur die Kaiserkrönung war das Ziel, man wollte auch die Machtbasis des Widersachers kaiserlich machen. Von Trient reitet man los, in Mailand erfolgt die Krönung zum König von Italien, über Pisa geht es nach Rom. Während Vorgänger Heinrich beim Krönungsmahl mit Pfeilen beschossen worden war, wird Ludwig mit Jubel empfangen. Nach feierlichem Einzug in Sankt Peter wird er zum Kaiser gekrönt, wenn auch nicht vom Papst, sondern namens des römischen Volkes. Daher betrachteten Viele diese Krönung nur als Hanswurstiade.


Durch das Kaisertum gestärkt, setzt Ludwig den Papst ab. Der verflucht ihn. Als es Sommer wird, schmilzt Ludwigs Heer durch eine Seuche dahin, und als dann noch die Römer wegen der ihnen aufgebrummten Steuer aufsässig werden, muss der Kaiser abziehen. Ursprünglich wollte er von Rom aus Neapel erobern. Auf dem Rückweg gelingt ihm nicht einmal mehr die Unterwerfung der Toskana, und auch in der Lombardei kann er sich nur kurze Zeit halten. Ludwigs Versuch, die Kaiserherrschaft in Italien wieder aufleben zu lassen, war gescheitert. Auch zum Sturz des Papstes hatte seine Kraft nicht gereicht. Für die Kirche war er kein Kaiser mehr, vielmehr ein Ketzer, nur noch Ludovicus Bavarus, Ludwig "der Bayer". Dieser Name blieb ihm.


In Deutschland ging es leidlich. Zwar lehnte sich König Johann von Böhmen an Frankreich an, doch mit den Habsburgern hat Ludwig keine Schwierigkeiten mehr, nachdem er sie mit Kärnten abgefunden hatte. Am wichtigsten war für ihn die Zurückweisung des Papstes durch die Kurfürsten: Der von ihnen erwählte deutsche König sei souverän, er bedürfe nicht der päpstlichen Bestätigung. Der König habe auch als Kaiser der Römer zu gelten.


Überraschend bot sich Ludwig die Gelegenheit, Tirol an sein Haus zu bringen. Die Gelegenheit hieß Margarete Maultasch . Dieser Name hat sie zur “häßlichen Herzogin” gemacht. Ein Zeitgenosse beschreibt sie dagegen als “pulchra nimis” - als ausnehmend schön. Den verächtlichen Namen soll ihr ihr gefühlsroher Mann, der Luxemburger Johann Heinrich, nach ihrer Lieblingsburg über Terlan nahe Bozen gegeben haben. Nun wurde dieser Mann zum Angelpunkt des Pokers um das “Land im Gepirg”.


Margarete war mit dreizehn Jahren mit dem zehnjährigen Böhmenprinzen verheiratet worden. Schon bei der Hochzeit waren die Landesfürsten verpflichtet worden, Schlüsselstellen nicht mit Ausländern zu besetzen und dem Land die alten Rechte zu belassen. König Johann wurde beschieden, dass die Tiroler nur dem Fürsten gehorchen würden, der Schloss Tirol rechtens besäße. Seinem Schwur zum Trotz hatte der Böhme jedoch seine Kumpane in fette Pfründen eingesetzt. Als der Prinzgemahl eines Mittags von der Jagd zurückkam, wurde ihm das Tor von Burg Tirol nicht mehr geöffnet und vor versammeltem Landtag zieh Frau Margarete ihren kretinösen Gemahl der Impotenz.


Sogleich machte sich eine Tiroler Abordnung auf den Weg nach München. Sie trug dem Kaiser die Hand der Landesfürstin für seinen Sohn Ludwig, Kurfürst von Brandenburg, an. Wieder wurde den Tirolern versprochen, dass “usman” - Ausländer - keine einflussreichen Posten bekommen würden und “das Gemahl” nicht außer Landes gebracht werden würde. Kein Geringerer als der franziskanische Theologe und Philosoph Wilhelm von Ockham, der aus Oxford geflohen war, gutachtete für Ludwig, dass er kraft kaiserlicher Würde die bisherige Ehe der Landesherrin scheiden könne. Der Fall erinnert an den des Landgrafen von Hessen, dem Luther auf ähnliche Weise eine zweite Ehe ermöglichen wird.


Gegen die neue Ehe kämpften nicht nur die aus Tirol hinausgeworfenen Luxemburger, sondern auch der mit dem Kaiser verfeindete Papst. Er verhängte über das Tiroler Fürstenpaar den Bann und über das Land das Interdikt . Und wie zum Zeichen der göttlichen Verdammnis öffnete der Himmel seine Schleusen so weit, dass Kalterer See und Etsch zusammengeflossen sein sollen. Er schickte Wanderheuschrecken und die Schwarze Pest, die in manchen Tälern nur wenige Einwohner überleben ließ.

zurück weiter