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Für die Kurfürsten war so viel Macht in kaiserlicher Hand zu viel. Auf Drängen des Papstes besannen sie sich darauf, dass der Kaiser im Bann und somit gar nicht mehr Kaiser sei. Also wurde ein neuer gewählt. Man traf sich deshalb in Rhens am Rhein. Dem Trierer Kurfürsten gehörte die nahe Burg Stolzenfels, die Marksburg Kurpfalz, Lahnstein und Lahneck waren in Mainzer Hand, und Rhens besaß der Kölner. “Wenn man in die Trompete stieße, hat jeder der vier rheinischen Kurfürsten es auf seinem Schloss hören können.“ Hier wählten sie den Luxemburger Karl, Markgraf von Mähren.


KarI IV. hatte dem Papst versprochen, in Italien nicht vor der päpstlichen Bestätigung zu erscheinen und sich zur Kaiserkrönung in Rom nur vom Morgen bis zum Abend eines Tages aufzuhalten. Dafür beschimpfte ihn die Ludwig-Partei als Mietling des Klerus von Avignon. Papst Clemens VI., der an der Pariser Universität Karls Lehrer gewesen war, ersetzte den feindlichen Mainzer Kurfürsten durch einen genehmen. Da er die böhmische und die trierische Kurstimme seines Vaters und seines Großonkels bekam und Köln und Sachsen gekauft werden konnten, war Karl Gegenkönig geworden.


Eine der erfolgreichsten Reichsregierungen des ausgehenden Mittelalters begann. Das kleine, unmajestätische Männchen mit dem krummen Rücken und dem gelben Gesicht war ein glänzender Diplomat, nach anderer Auffassung ein “trickreicher Kompromissler”. Auch die Kurfürsten, die manchem seiner Vorgänger getrotzt hatten, fanden in ihm ihren Meister. Er wusste, ”was sich in der Welt ausrichten lässt und was nicht.” Von Kriegen hielt er nichts. Statt Geld für Soldaten auszugeben, kaufte er den Gegnern ihre Gegnerschaft ab.
Seine Jugend stand unter dem Unstern seines Vaters. Dieser großspurige Verschwender war überall, wo es prominent zuging. In seinem Böhmen nannte man ihn “König Fremdling”. Er kam nur, um sich den Beutel zu füllen. Das Land hatte es: Böhmen lieferte ein Drittel des europäischen Silbers. Damit der aufrührerische Adel  weder seiner Frau noch seinem Söhnchen die Regentschaft übertragen konnte, ließ König Johann den sechs Monate alten Kronprinzen auf Burg Pürglitz festsetzen. Der Heranwachsende kam dann mit seiner Tante, die dem französischen König angetraut wurde, an den Pariser Hof. Paris war die bedeutendste Stadt Europas, nach Petrarca  trotz der “Lügen seiner Bevölkerung ... ohne Zweifel eine großartige Stadt. Wahrhaftig, ich habe außer Avignon nie einen schmutzigeren Ort gesehen. Gleichzeitig besitzt es die gelehrtesten Männer ...” Zur Festigung des Bündnisses heiratet Karl die Cousine des französischen Königs. Hier wird der auf den Namen des böhmischen Landesheiligen Wenzel Getaufte in Karl - in Verehrung Karls des Großen, des ersten Kaisers dieses Namens  - umgetauft. Hier erhält er auch seine Bildung. Mit fünfzehn wird er in die Lombardei befohlen, um den dort von seinem Vater zusammengerafften Besitz zu sichern. Nach zwei Jahren kommt er nach Böhmen zurück und legt hier mit seiner Landespolitik das Fundament für seine Reichspolitik.
Er hatte viel Glück. Im Sommer 1346, in dem Karl gewählt worden war, waren die Engländer in der Normandie gelandet. Ihr König Eduard III. wollte auf den französischen Thron.

König Johann und Karl kamen dem Franzosenkönig mit einer böhmischen Truppe zu Hilfe. Bei Crécy an der Somme lieferten sich die Heere eine folgenschwere Schlacht. Die englischen Bogenschützen spickten die französischen Ritter mit ihren Pfeilen. Vater Johann, schon seit sechs Jahren „der Blinde“, ließ sein Ross zwischen zwei Ritter ketten und sich ins Getümmel führen – Groteske des Rittertums. Am nächsten Tag pflückte Englands König die Straußenfedern vom Helm des toten Böhmenkönigs. Die fremden Federn und sein Wahlspruch „ich dien“ wurden ins Wappen der englischen Thronfolger aufgenommen. Berühmt wurde diese Schlacht auch, weil ein kleines modernes Heer gegen ein dreifach überlegenes Ritterheer gesiegt hatte.

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