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Karl hat die Königswahl, die 1314 zur Doppelwahl geführt hatte, durch das Reichsgesetz der - nach dem goldenen kaiserlichen Siegel so genannten - “Goldenen Bulle” geregelt. Damit erhöhte er die Kurfürsten und überließ ihnen auch die letzten Rechte des Königs in ihren Gebieten: die Zoll- und Münzrechte, Gerichtshoheit und Nutzung der Bodenschätze. Die weltlichen Kurfürstentümer wurden unteilbar. Die Königswahl musste nach Stimmenmehrheit erfolgen. Die goldene Bulle war die erste Reichsverfassung. Mit diesem Gesetz hatte sich Karl als Kurfürst mit den anderen Bevorrechtigten ein Stockwerk höher gehoben. Die Bevorzugung allein dieser Fürsten, den deutschen König zu wählen, hatte sich schon vor hundert Jahren ausgebildet. Jetzt wurde ihnen dieser zur Tradition gewordene Vorzug als Recht verliehen. Alle anderen wurden damit davon ausgeschlossen, auch der Papst, der für sich das Recht der Bestätigung des Gewählten reklamiert hatte. Er hatte den gewählten König in aller Regel zum Kaiser zu krönen. Dem Kaiser war damit eine sakrale Würde verliehen, welche die der Könige überhöhte.


Die Söhne Kaiser Ludwigs ließ Karl um ihre Mark Brandenburg zittern. Dort tauchte ein Kreuzzugspilger auf, der behauptete, er sei der letzte Askanier. Da die Bayern ihre Kolonie recht derb verwalteten und große Randgebiete den Nachbarn überlassen hatten, hatte der scheinbar rechtmäßige Markgraf alle Sympathien für sich. Erst als Karl fest im Sattel saß, ließ er den Schwindler fallen. Später hat Karl die Mark Brandenburg den Wittelsbachern für 500.000 Gulden abgekauft.


Anders verhielt es sich mit den Habsburgern. In Wien regierte Herzog Rudolf IV. von Österreich , Steiermark und Kärnten, “der Stifter”. Der begabte junge Mann ist von brennendem Ehrgeiz besessen. Er will sein Haus unsterblich machen. Dabei nimmt er sich seinen Schwiegervater Karl zum Vorbild. Wie er, gründet Rudolf 1365 in seinem Wien eine Universität und den Stephansdom. Er stiftet zudem 1358 den Mythos des “Erzhauses” Österreich. Da er sich und seine Familie durch die Goldene Bulle aus dem Kurfürstenkolleg ausgesperrt sieht, versucht er mit einer gefälschten, bis auf seinen vorgeblichen “Ahnen” Cäsar zurückgehenden Urkunde zu beweisen, dass die Habsburger seit Urzeiten “Erz”-Herzöge gewesen seien und somit sogar über den Kurfürsten stünden. Sie hätten auch gegenüber dem Reich keine Pflichten, wohl aber das Reich ihnen gegenüber. Schon Petrarca erkannte die Fälschung, da Cäsar von sich nie im Pluralis majestatis gesprochen habe. “Das wusste dieser Ochs nicht. Wenn er es gewusst hätte, hätte er vorsichtiger geblökt.” Aber: “Was in der wissenschaftlichen Perspektive ‘Fälschung’... ist, kann in einem andersartigen Geschichtsverständnis die naive Übereinstimmung zwischen Geschehen und der ‘rechten Ordnung’ sein”, sagt uns ein Historiker. “Mittelalterliche Verfasser ... fanden nichts dabei, die Texte in einem ihnen passender erscheinenden Sinne abzuändern.”

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