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In der Schlacht bei Tannenberg im späteren Ostpreußen ging der Deutsche Orden, ein “Haupt” der Hanse, unter. Damit verlor sie die wichtigste territoriale Basis. Gleichzeitig nahm die holländische und englische Konkurrenz zu. Die Könige der aufsteigenden Nationalstaaten ärgerte das Hineinwirken in ihre Rechte. Zar Iwan „der Schreckliche“ schloss die Filiale in Nowgorod, in England verlor die Hanse ihre Rechte und Dänenkönig Christian IV. empfand es als anmaßend, dass “Krämer und Krauthöker Kriege führen und Staaten regieren wollten.”


Auch in Süddeutschland gab es mit der “Großen Ravensburger Handelsgesellschaft” eine kaufmännisch-städtische Vereinigung. Sie trieb zwischen Ulm, Bodensee und Oberitalien, auch weiter bis Südfrankreich und Südspanien Handel. Mitglieder waren nur zehn Städte, doch man hatte Kontore in Wien, Venedig, Mailand, Genua, Brügge, Lyon, Avignon, Antwerpen, Barcelona, Saragossa und Valencia. Mit 130.000 rheinischen Gulden Kapital und einem Jahresumsatz von 260.000 Gulden war sie die reichste spätmittelalterliche Handelsgesellschaft.


Anders als die Italiener verschmähten die Hanseaten und ihre schwäbischen Genossen das Kreditgeben. Nur dabei verdiente man so viel, dass man sich dauerhaft in die erste Reihe des Welttheaters setzen konnte. Es gibt keine deutschen Medici , nur Buddenbrooks . Nur in Augsburg gedieh eine Kreuzung von beiden: die Fugger. Nur sie wurden schließlich Fürsten.


Das Wort vom “königlichen Kaufmann“ ist also kaum maßstabgerecht. Weil der Fernhandel abenteuerlich war, hat man ihn maßlos überschätzt. Ein Wirtschaftshistoriker schwächte Anfang des 20. Jahrhunderts ab: "Die 'großen' Kaufherren Venedigs und der Hansa waren um 1300 den angeseheneren Handwerksmeistern kaum ebenbürtig. Die Umsätze selbst der Medici und Fugger entsprachen um 1400 etwa denen eines Ladengeschäftes in einer heutigen Kleinstadt. Die größten Handelsschiffe, an denen in der Regel eine Gruppe von Kaufleuten beteiligt war, standen hinter den Flusskähnen der Gegenwart weit zurück und machten jährlich vielleicht eine größere Fahrt. Die berühmte englische Wollausfuhr, ein Hauptgegenstand des hansischen Handels, umfasste um 1270 jährlich kaum die Ladung von zwei heutigen Güterzügen." Hierzu ist anzumerken, dass die damaligen Güterzüge und Flusskähne wesentlich kleiner waren als die heutigen. - Auch die Ansicht, die Hanse hätte die Ostseeküste bis hinauf nach Riga und Reval deutsch gemacht, ist übertrieben. Auch nationalstolze Sprüche wie: “Wo die Hanse ihre Kontore baute, ..., da galt ihre Sprache, ihre Münze, ihr Recht” hatten wohl für die paar Tage ihre Richtigkeit, die die Hansekoggen  zum Be- und Entladen brauchten. Seine Richtigkeit hatte es freilich mit dem Recht. Magdeburger Recht etwa galt bis tief nach Polen hinein und Lübecker Recht bis weit nach Skandinavien hinauf.


Weil die Städte Politik meist passiv erlebten, kompensierten viele Städter mit Patrizierstolz. Goethe etwa flunkerte: “Wir Frankfurter Patrizier hielten uns immer dem Adel gleich, und als ich das (Adels-) Diplom in Händen hielt, hatte ich ... nichts weiter als was ich längst besessen.” In Wirklichkeit war sein Großvater Damenschneider gewesen und sein Vater hatte sich den Titel “Röm. Kayserl. Majestät würcklicher Rath” nur gekauft. Anders die tatsächlichen Patrizier, etwa die Nürnberger Tucher, Imhof und Haller, die Holzschuher, Kreß, Stromer und Welser. Sie waren schon generationenlang in ihrer Stadt und weit darüber hinaus bedeutend gewesen. So war ihre Nobilitierung  fast zwangsläufig.
Karl IV. hatte den Lübecker Rat mit “Ihr Herren” angesprochen. Man hat darin eine soziologische Wendemarke gesehen. Es ist jedoch zu wiederholen: Er wollte etwas von ihnen. Außerdem waren sie nach dem Sieg über Dänemark – 1370 - wirklich mächtig. Karl sprach aber auch mit kleinen Leuten. Er hatte sogar Sprechstunden für sie. Das war nicht eigentlich “sozial”. Auch seine Arbeitsbeschaffungsprogramme und auch sein Beitrag zur Einrichtung eines Fürsorgezentrums waren es nicht. Das war nur fürstliche Fürsorge.

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