1273 - 1431 1376

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Karl hatte nur mit wenigen Städten ein wirklich herzliches Verhältnis. Neben Prag war das Nürnberg, danach Breslau. Außer Karlsbad, dem späteren Weltbad und heute tschechischem Karlovy Vary, hat er keine Stadt von Bedeutung gegründet. Bereits in der goldenen Bulle hatte er Bündnisse zwischen Städten verboten. Jetzt verdunkelte ihm der schwäbische Städtebund unter Ulms Führung seine letzten Tage. Ursache war die Nachfolge. Noch zu seinen Lebzeiten war sein Sohn Wenzel deutscher König geworden. Der Vater hatte bei den Kurfürsten kräftig nachhelfen müssen. Zugunsten des Kölner Erzbischofs wurden dessen Stadt Köln - der damals größten deutschen Stadt - wichtige Rechte entzogen, sie kam sogar in die Reichsacht. Der Pfälzer Kurfürst bekam 50.000 Gulden für “künftige Dienste”. Da Karl aber noch mehr Geld brauchte, wollte er einige Reichsstädte “verpfänden”. Diese zeitweilige Vergabe an einen anderen Herrn bedeutete meist, dass der sein Pfand auspresste. Meist behielt er es sogar, weil den Kaisern das Geld fehlte, um es auszulösen.


Der Kaiser konnte das nur mit kleinen Städten machen. Doch die meist schwäbischen Reichsstädte waren klein. Ulm mit 12.000, Heilbronn mit 5.500, Esslingen mit 5.000, Reutlingen mit 4.000 Einwohnern gehörten schon zu den großen. Stuttgart, die spätere Hauptstadt der Grafen von Württemberg, hatte damals erst 1.000 Einwohner. Zur Verpfändung wollten es achtzehn Städte gar nicht kommen lassen. Sie verbündeten sich. Karl erklärte darauf gegen sie den Reichskrieg. Aber der Kaiser musste beigeben. Er musste den Rebellen sogar ihre Unverpfändbarkeit und ihr Widerstandsrecht gegen unrechte Gewalt bestätigen. Aus diesem Selbstwertgefühl heraus bauten die Ulmer ab 1377 ihr Münster. Bürgerstolz wollte sich mit dem imperatorischen Mäzenatentum Karls messen, das Prag noch heute ausstrahlt. Dorthin kam der Gichtgeplagte zurück. “Da ward er siech und starb und ward begraben in dem Dom zu Prag. Da liegt er noch.”


Von Karls Plänen hatte sich wenig erfüllt. Sein Sohn Sigmund, der Polen hätte erben sollen, zog dort den kürzeren. Immerhin gewann er nach schweren Kämpfen Ungarn. Als nämlich Ludwig  “der Große” von Polen und Ungarn gestorben war, zwang der polnische Adel seine Tochter, den heidnischen Großfürsten Jagiello von Litauen zu heiraten. Der erhielt, wie der Hochmeister des Deutschen Ordens spottete, für ein paar Tropfen Taufwasser außer einer schönen Frau auch noch ein Königreich. Jetzt ging Polen daran, den Ordensstaat zu erobern. 1410 kam für ihn in der Schlacht von Tannenberg die Katastrophe. Aber noch konnte Polen den Ordensstaat nicht liquidieren. Das schafften die “Herren von Preußen” selber. Nach wie vor behandelten sie ihre Städte nur wie Untertanen, wo sie Partner gebraucht hätten. 1466 riefen daher die Städte die Polen ins Land. Den Rittern blieb nur noch das Kulmer Land, das spätere Ostpreußen. Die viel größeren Gebiete des Nordostens und die zwischen Oder und Weichsel nahm sich Polen.


Im Westen verlor das Reich die in höchster Wirtschaftsblüte stehenden “niederen Lande”. Die Herzöge von Burgund, eine Nebenlinie des französischen Königshauses, hatten diese Gebiete erheiratet und zusammengekauft. Ein neues Machtzentrum war entstanden.

Der achtzehnjährige Wenzel, den die Geschichte “den Faulen” nennen wird, war deutscher König. Doch er wollte nicht den ganzen Tag König sein, sondern sein Vergnügen haben. Für seinen gewaltigen Durst machte der wahrscheinlich Impotente eine Vergiftung verantwortlich. Immer weniger Zeit verbrachte er mit seinen Räten, immer mehr mit lauten Halbstarken. Der Erzbischof rief das labile Bürschchen zur Ordnung. Im Jähzorn ließ darauf Wenzel den erzbischöflichen Rat Johann Wölflin aus Pomuk in der Moldau ertränken. Da Johann Beichtvater der Königin war, brachten die Jesuiten später die Legende auf, der eifersüchtige König habe die Beichtgeheimnisse seiner Frau wissen wollen. Johanns Standhaftigkeit machte ihn zum Volksheiligen: Als Sankt Nepomuk  triumphiert seither der Brückenheilige über das nasse Element. In Wahrheit ging es um Politik: Wenzel wollte das Erzbistum verkleinern, um den Erzbischof zu schwächen. Nepomuk war ihm dabei im Wege.

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