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Die Kurfürsten setzten den “unnützen” König in Oberlahnstein rechtswidrig ab. Er war, hat man gesagt, ein guter Trinker, aber ein schlechter Regent. Der offizielle Grund war die Erhebung des Visconti zum Herzog von Mailand für 100.000 Gulden. Die Fürsten warfen ihm deshalb “Entgliederung” des Reiches vor, denn noch gehörte Oberitalien zum Reich. Von da an wandte er sich umso mehr seinem - dem böhmischen - “Volk” zu. Das waren - im Gegensatz zu den deutschen Besitzbürgern – zumeist Tschechen. Deshalb fand ihn „der  Mann auf der Straße“ sympathisch. Doch das konnte nicht gutgehen, wenn man, wie Gerüchte wussten, als Täufling ins Weihwasser uriniert und auch noch den Altar verkotet hatte.


Während Wenzel seine Räusche ausschlief, war die Habsburger Gegenpartei erfolgreich tätig. Dem jüngeren Bruder Rudolfs des Stifters war bei der Erbteilung das schwäbisch-elsässische “Vorderösterreich” zugefallen, zu dem nun auch Tirol gehörte. Dieser Herzog Leopold III. galt als “Blume der Ritterschaft”. Doch außer zum Turnieren hatte er auch das Zeug zum Regieren - und das Geld. Er hatte nämlich eine Visconti geheiratet. Mit Mailänder Geld kaufte er die Herrschaft Hohenberg auf der schwäbischen Alb und die Grafschaften Vorarlberg und Freiburg im Breisgau. Noch heute heißt die Freiburger Hauptstraße nach einem Habsburger. Triest, dessen Besitz Österreich später zu Seehandel und einer gewissen Seemacht brachte, schloss sich ihm an; es fürchtete Venedigs Eroberungsdrang. Zürich und Bern, Zug und Glarus hatten sich dagegen der Schweizer Eidgenossenschaft angeschlossen, auch Luzern, die wertvolle Zollstätte an der Gotthardstraße. Herzog Leopold wollte aber keine weiteren Einbußen hinnehmen. Er zog mit einem glänzenden Ritterheer aus schwäbisch-elsässischem Adel gegen Luzern. Bei Sempach trafen die Ritter 1386 auf die wohl nur zweitausend Melker und Hirten. Das Fiasko war noch blutiger als das von Morgarten vor siebzig Jahren. Der Herzog und seine Ritter wurden niedergemacht. Auf eidgenössischer Seite fiel jener Winkelried, dem die Legende andichtet, er habe sich einige Lanzen gebündelt in die Brust gedrückt, um “der Freiheit eine Gasse” zu bahnen. Die Selbständigkeit - und nur um die ging es - führte zur Trennung vom Reich. “Den Kaiser will man zum Herrn, um keinen Herrn zu haben”, verdeutlichte Schiller.

Schon einen Tag nach der Absetzung Wenzels war Kurfürst Ruprecht von der Pfalz zum König gewählt worden. Nord- und Ostdeutschland blieben Wenzel treu. Er selbst nahm seine Absetzung nicht zur Kenntnis. Weil man Wenzel die Unterlassung des Romzuges vorgeworfen hatte, raffte sich Ruprecht dazu auf. Er kam nur bis Brescia. “Während der zehn Jahre seiner Regierung” hat er “nur noch den Königstitel spazierengeführt.” Immerhin hatte er 1386 in seinem Residenzstädtchen die Universität Heidelberg gegründet.

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