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Nach ihm werden Wenzels Bruder Sigmund, König von Ungarn, und sein Vetter Jobst, Markgraf von Mähren, zu Königen gewählt. Mit Wenzel, der noch immer nicht aufgegeben hat, gibt es nun drei Könige - alle aus der gleichen Familie. Gleichzeitig gab es auch drei Päpste. Das Schisma, die Teilung der Kirchenspitze - ein Papst in Rom, ein zweiter in Avignon - gab es ja schon seit 1378. Jetzt kam noch einer in Mailand dazu.


Sigmund setzte sich bald als König durch, weil er seinen Bruder einsperren ließ und sein Vetter starb. Er war um die fünfzig, er galt als gebildet. Nach zeitgenössischen Beschreibungen und nach seinem Bild im Wiener kunsthistorischen Museum war er ein schöner charmanter Mann mit bestrickender Redebegabung. Seine Mit-Kurfürsten hat er damit überzeugt: "Es gibt keinen Fürsten im Reich, den ich besser kenne als mich selber. Auch übertrifft mich niemand an Macht und durch vielfaches Glück und Missgeschick teuer genug bezahlte Erfahrung in der Kunst des Regiments. Demnach gebe ich als Kurfürst zu Brandenburg dem König Sigmund in Ungarn die Stimme und will mich selber hiermit zum römischen Kaiser erwählt haben."


Für den König stand an erster Stelle die Reform der Kirche. Überall verlangte man ein “allgemeines Conzil”. Ein Theologenkongress sollte klären, wer eigentlich Papst ist und dann die drängenden Probleme der Kirche regeln. Das Konzil konnte aber nur zustandekommen, wenn eine weltliche Autorität die Schutzherrschaft übernahm.



Sigmund übernahm sie. Er hatte sich auch schon als Christ qualifiziert, weil er als ungarischer König den neuen Feind der Christenheit, die Türken, abzuwehren versucht hatte: Unter dem Eindruck der schweren Niederlage der Serben auf dem Amselfeld kam ein Kreuzzug zustande. Die Kreuzfahrer belagerten das strategisch wichtige Nikopol an der Donau im heutigen Bulgarien. Als Sultan Bajasid zur Befreiung der Festung heranzog, griff ihn der taktisch unerfahrene, aber bis zum Wahnwitz ruhmsüchtige Burgunder-Herzog Johann „Ohnefurcht“ eigenmächtig an, noch bevor das Kreuzfahrerheer – vielleicht 7.500 gegen 11.000 bis 12.000 Osmanen – kampfbereit war. Sigmund konnte der Katastrophe nur knapp auf einem venezianischen Boot entkommen. An die Türken erinnerte ihn ständig der gelbe Reichsadler an der Decke des Kaisersaales seiner Nürnberger Burg. Wie es hieß, würde er erst schwarz werden, wenn der letzte Ungläubige bekehrt sei. Noch immer drohen wir deshalb bei nicht vorstellbaren Wartezeiten: “ ... bis Du schwarz wirst!”

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