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Doch Hus bestand darauf, sich vor dem Kirchenforum zu verteidigen. Noch beim Verhör, das ein Pariser Magister führte, baute man ihm goldene Brücken. Hus beharrte: Nicht er, sondern die Kirche und ihr Konzil ständen im Widerspruch zum göttlichen Recht. Das wurde als Gotteslästerung empfunden. Noch in der Klosterhaft, ja noch auf dem Scheiterhaufen, gab man ihm Gelegenheit, seine Verbrennung zu Klosterinternierung zu mildern, wenn er nur seine Übereinstimmung mit der Kirchenlehre bekenne. Hus tat es nicht. Nach geltendem Recht - den Ketzergesetzen des Staufers Friedrichs II. - musste er verbrannt werden. Die Exekution hatte die weltliche Gewalt vorzunehmen. Selbst die Henker meinten es gut mit dem Ketzer: Sie schichteten auf den Scheiterhaufen feuchtes Stroh so hoch auf, dass er bald erstickte. Das hatte nicht länger gedauert “als ... zwei oder drei Vaterunser.”


Die Tschechen haben seither die Verurteilung ihres Nationalisten als deutschen Willkürakt und als Wortbruch des deutschen Kaisers dargestellt. Sie wollten nicht sehen, dass ihr Mann zum wenigsten von deutschen Richtern verhört wurde und dass er sich den Scheiterhaufen selbst baute. So war ein Märtyrer gemacht worden, der die Deutschen noch viel Blut kosten sollte.


Für das Konzil hatte die Papstfrage Priorität. Der Einberufer, Johannes XXIII., solle zurücktreten, verlangte einer der Gegenpäpste. Johannes tat dies, als jener Gregor ihm “Schandtaten beispielloser Art" vorwarf. Er habe seinen Vorgänger, Alexander V., vergiftet, seines Bruders Frau beschlafen, an die 300 Nonnen verführt und geschworen, dass es keine Unsterblichkeit gebe. Der Angeschuldigte verzichtete auf die Tiara, wurde aber trotzdem in das Dominikanerkloster gesperrt, in dem Hus auf die Urteilsvollstreckung wartete.

Doch der gewesene Papst floh und erklärte aus dem nahen Radolfzell das Konzil für aufgelöst. Beinahe hätte er das geschafft, aber der König bat jeden, zu bleiben. Das Konzil tagte noch drei Jahre. Mit der Wahl eines neuen Papstes glaubte man die Einheit der Kirche und die Belange des Glaubens geordnet und gesichert zu haben. Jetzt wollten alle nach Hause.

Papst Martin V. ließ sich schnell das “ehrwürdige Recht” des Papsttums bestätigen. Darunter verstand er die Papstherrschaft nach bewährtem Muster. Aus der beschlossenen Demokratisierung der Kirche wurde nichts.

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