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Die burgundische Bedrohung hatte alle bisherigen Gegner geeint. Im Elsass hatte ein Aufstand die Fremdherrschaft hinweggefegt, der verhasste Landvogt war in Breisach geköpft worden. Die Schweizer fielen in die Freigrafschaft ein und vernichteten ein burgundisches Heer. Vor Nancy verlor Karl schließlich Schlacht und Leben. Sein Erfolg hätte den Verlust des linken Rheinufers und des Niederrheins bedeutet.


Großherzog Karl hatte schließlich seine Tochter dem Kaisersohn ohne Gegenleistung versprochen. Doch der Tod des Vaters brachte die junge Herzogin in ein dramatisches Ränkespiel. Ludwig XI. von Frankreich wollte die reiche Braut für seinen Sohn. Die Angst, den erst neun Jahre alten, kränkelnden Dauphin heiraten zu müssen, verlieh der Neunzehnjährigen ungekannte Zielstrebigkeit. Maximilian, “ihn und keinen anderen will sie”, berichtete die Kurie. Doch Gent war weit und in der Wiener Staatskasse kein Geld für die Brautfahrt. Während Ludwig von Frankreich den Bewohnern einer Stadt drohte, er werde sie in “ein primitives und unzivilisiertes Land” deportieren, wenn ihre Herzogin den Habsburger heirate, kratzte Vater Friedrich das Reisegeld zusammen. Bereits in Köln hatte es der Hochzeiter verbraucht. Hätte nicht die Schwiegermutter 100.000 Dukaten und ein starkes Begleitkommando burgundischer Ritter geschickt, wäre Prinz Max nicht so schnell weitergekommen. Auch so dauerte die Reise wegen der katastrophalen Straßen, der unumgänglichen Empfänge, Huldigungen und Bankette in jeder Stadt drei Monate. Hinzu kam, dass der Herzog von Kleve, dessen Sohn die burgundische Braut ebenfalls heiraten wollte, dem Brautzug zweimal den Weg verlegte. Endlich ritt der achtzehnjährige Prinz an der Spitze eines ständig wachsenden Gefolges in Gent ein “wie ein Erzengel”.


Ludwig XI. fühlte sich geprellt. Er setzte seinen schmutzigen Wirtschaftskrieg fort. Doch Flanderns Städte sind “Hafen, Messe und Markt von ganz Europa”. Antwerpen ist bereits ein Konkurrent Venedigs, Brügge ist Mittelpunkt des Bankgeschäftes in Nordeuropa. Aus den Webereien kommen die kostbarsten Stoffe. Hier entsteht das erste Industriegebiet der Welt; Brügge, Gent und Ypern sind “die Manchester des Mittelalters”. Der Reichtum häufte sich am Hof. Der Großherzog bekam jeden Tag einen neuen Anzug. Die Verfeinerung der Küche war exzessiv. Man hielt 4.000 Jagdhunde und 3.000 Falken.


Auf einer Falkenjagd stürzte die Landesherrin zu Tode. Die  selbstbewussten Flamen ließen Maximilian nur die Vormundschaft über seine Kinder. Das stolze Brügge setzte ihn sogar gefangen, sodass ihn sein Vater gegen ein hohes Lösegeld freikaufen musste. Der französische König Karl VIII. unterstützte die Aufständischen. Maximilian wäre diesen Schwierigkeiten wohl erlegen, hätte ihm nicht sein Vater zur Verteidigung der burgundischen Reichslande ein Reichsheer geschickt. Noch bedrohlicher ist die Lage in den kaiserlichen Stammlanden. Der Ungarnkönig hat ganz Niederösterreich und Wien erobert. Die halb verhungerten Wiener prägen die stolze Devise AEIOU ihres Kaisers um: “Aller Erst Ist Östreich Verlorn.”

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