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Noch folgenreicher war die Machtausweitung nach Osten. Schon mit König Matthias Corvinus gab es ein Abkommen, das den Übergang Ungarns an Österreich vorsah. Diese Übertragung wurde erneuert für den Fall, dass der nächste Ungarnkönig ohne Sohn bliebe. Dessen erstes Kind war ein Mädchen. Als die zweite Schwangerschaft der ungarischen Königin bekannt wurde, verlobte Maximilian seine Enkelin Maria, die noch in der Wiege in Mecheln schlummerte, mit dem noch ungeborenen Erben von Ungarn. Glücklicherweise passte dann das Geschlecht. Dieser Prinz Ludwig überlebte nur im Urmodell des heutigen Brutkastens; in frischgeschlachteten Tierleibern. So konnte ein Doppel-Ehevertrag gemacht werden wie mit Spanien. 1515 findet die formale Doppelhochzeit im Wiener Stephansdom statt: Der neunjährige König Ludwig von Ungarn und Böhmen heiratet Maximilians ebenso alte Enkelin Maria. Maximilian heiratet die zwölfjährige Anna von Ungarn. Diese Ehe wird ungültig, wenn sich nicht binnen eines Jahres Maximilians Enkel Ferdinand mit Anna verbinden kann, sonst muss der siebenundfünfzigjährige Max die Ehe vollziehen. Die wirklichen Eheschließungen finden dann doch erst 1521 statt, als Maximilian schon tot ist.


Die Verbindung Habsburgs mit Ungarn und Böhmen hätte nicht eingefädelt werden können, hätte nicht das Augsburger Finanzhaus Fugger die nötigen Kredite gegeben. Jakob Fugger “der Reiche” hatte nicht nur seit jeher Maximilians Kapitalbedarf gedeckt, er hatte sogar, so wurde gemunkelt, Maximilians Onkel, Sigmund “den Münzreichen”, Herzog von Tirol und Vorderösterreich, durch seine Manipulationen entmündigen lassen. Seit damals hatte Max die Macht über alle habsburgischen Länder. Jakob Fugger behielt für so wichtige Dienste nicht nur die ihm von Sigmund verpfändeten Silber- und Bleibergwerke Tirols, in denen 50.000 Arbeiter schufteten, er bekam von Maximilian praktisch die ganzen Bodenschätze Tirols zur Ausbeutung überlassen. In den “oberungarischen”, den slowakischen, Karpathen hatten die Fugger außerdem ergiebige Kupferbergwerke. Dieser wertvolle Montanbesitz machte den “Regierer” geneigt, für die ungarische Hochzeit ein Darlehen von 54.000 Gulden zu geben. Zur Sicherung seiner Besitzungen in der Slowakei und in Kärnten dürfte dem reichen Jakob die Zusammenfassung Südosteuropas unter einer Dynastie am gewinnbringendsten erschienen sein.

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