1338 - 1556 1519

postheadericon 1519

Der neunzehnjährige Karl V., das “edle junge Blut aus altem deutschen Stamme”, wurde also deutscher König. Er erfuhr davon in Barcelona. Karl hatte nur wenig “deutsches Blut” in sich. 14 spanischen und portugiesischen, 3 französischen, 2 englischen, je einem niederländischen, italienischen, polnischen, litauischen stand nur ein deutscher Vorfahr gegenüber. Französisch war seine erste, Spanisch seine zweite Muttersprache. Er soll gesagt haben, dass er Französisch mit seinen Botschaftern, italienisch mit seinen Frauen, Deutsch mit den Stallknechten, Spanisch aber mit Gott spreche.


Karl war in Frankfurt am Main zum König und Kaiser gewählt worden, ohne dass zwischen der Verleihung der beiden Titel der Papst um seine Bestätigung ersucht worden wäre. Seitdem war der von den Kurfürsten gewählte König auch Römischer Kaiser.


Deutschland wird Karl unter Druck halten und ihn schließlich zum Aufgeben bringen. Der englische Gesandte hatte bei Karls Wahl schon richtig geurteilt: “... ist diese Nation in solcher Zwietracht und Unordnung, dass selbst alle Fürsten der Christenheit nicht imstande wären, sie zur Ordnung zurückzurufen.” Als Karl freiwillig abdankt, wird er erklären: “Ich habe die Kaiserkrone gesucht, ... um für das Wohl Deutschlands und meiner anderen Reiche zu sorgen, der Christenheit Frieden und Eintracht zu schaffen und zu erhalten und ihre Kräfte gegen die Türken zu wenden. Meine Verträge wurden durch friedlose Menschen gebrochen. Darum habe ich um Krieges und Friedens willen neunmal nach Deutschland, sechsmal nach Spanien, siebenmal nach Italien, zehnmal in die Niederlande, viermal nach Frankreich, zweimal nach England und Afrika ziehen müssen.” Noch steht er am Anfang seiner achtunddreißigjährigen Regierungszeit, von der er fast ein Viertel auf Reisen sein muss, acht Jahre davon in Deutschland.


Im Spätherbst 1520 kommt Karl erstmals nach Deutschland, um in Aachen gekrönt zu werden. Das Volk war entzückt, es wurden reichlich Goldstücke verteilt. Karl beschwor feierlich die rituellen Fragen des Kölner Kurfürsten: “Willst Du den heiligen Glauben ... halten und ... hüten?” “Willst Du den Kirchen und den Dienern der Kirche ein treuer Hüter und Verteidiger sein?” “Willst Du die Rechte des Königreiches und die Besitztümer des Reiches, die ihm ungerechterweise entwendet wurden, erhalten und zurückgewinnen?” Während seiner ganzen Regierungszeit hat er für die drei “volo”, ich will, mit unglaublicher Zähigkeit gekämpft.


Schon im Frühjahr wird er in Worms einen Mönch vor sich haben, der in Deutschland gleich drei Aufstände - den der Bauern, den der Ritter und den der Fürsten - auslösen wird, weil er diesen Glauben nicht als den rechten anerkennen kann. Immer möchte Karl mit den Dienern der Kirche einvernehmlich handeln. Doch das geht nicht, weil der Papst ein italienischer Fürst ist und mit seinem Feind, dem Franzosenkönig, paktiert. Dieser König von Frankreich hat ihm das ererbte Burgund genommen, das für Karl mehr als nur Erbteil ist: Er fühlt sich als Burgunder. Er hat diese drei Kämpfe achtunddreißig Jahre gekämpft, doch er konnte die drei Ziele nicht erreichen. Spätestens am Vorabend der Krönung müssen ihm die Schwierigkeiten aufgegangen sein, als ihm die Kurfürsten seine “Wahlkapitulation” abforderten. Alle seine Regierungshandlungen sollten ihrer Zustimmung unterworfen sein: Nur Deutsche dürften Hofämter haben, kein fremdes Kriegsvolk dürfe ohne Genehmigung nach Deutschland, kein Reichsangehöriger sollte unangehört geächtet werden dürfen.

zurück weiter