1338 - 1556 1529

postheadericon 1529

Dem auf dem ungarischen Thron folgenden Bruder Kaiser Karls, Ferdinand, hatte der Sultan gedroht, er “werde ihn bei Mohacs treffen.” “Und wenn er dort nicht ist, werde ich zu ihm nach Wien kommen.” Er kam tatsächlich, nachdem er seine Macht in Persien konsolidiert hatte. Beim Abmarsch von Konstantinopel zählte sein Heer 200.000 Mann. Das Rückgrat dieses Heeres waren die Janitscharen. Sie waren der Tribut der unterworfenen Länder. Die Knaben wurden in islamischen Erziehungsanstalten zu Kämpfern für den Propheten gemacht. Ihr höchstes Ziel war, im Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen zu fallen. Nun wollten sie Wien erobern und im nächsten Frühjahr weiter westwärts vordringen.


Angst haben mussten zunächst die österreichischen Länder, denn die Aufstellung eines Heeres zur Abwehr dauerte lange und der unausgebildete Haufen war ohne taktischen Wert. Der von Ferdinand gebetene Reichstag, der sich in Speyer wieder mit Luther und seinem Anhang beschäftigte, beschloss, 12.000 Infanteristen und 2.000 Reiter zu schicken. Sie sollten aber erst in Marsch gesetzt werden, wenn sich eine Deputation vergewissert hätte, dass das Gerücht von der türkischen Riesenarmee wahr sei. Der Reichstag übertrug das Kommando dem siebzigjährigen Grafen von Salm-Reifferscheidt. Die Stadtmauer war noch aus der Zeit Rudolfs von Habsburg. Aus der Umgebung wurde alles Essbare in die Stadt gebracht, Kinder, Frauen und Greise evakuiert. In fieberhafter Eile wurden Erdwälle aufgeworfen und davor alles niedergerissen, um dem Feind jede Deckung zu nehmen. Am 26. September schickte der Sultan eine Botschaft: Er gedenke, in drei Tagen in der Stadt zu frühstücken. Seine Belagerungsarmee zählte 150.000 Mann.

Salm hatte 22.000 Infanteristen, 2.000 Reiter und 72 alte Kanonen. Nach drei Tagen schrieb der Stadtkommandant per hinübergeschossenem Pfeil dem Sultan, dass sein Frühstück kalt werde.


Zwei Glücksfälle retteten die Verteidiger: Suleiman hatte seine zweihundert schweren Geschütze auf den im regnerischen Sommer grundlos gewordenen Straßen des Balkans zurücklassen müssen. Doch er war sicher, dass seine Mineure genügend Breschen in die Stadtmauer sprengen würden. Sein Plan wäre wohl aufgegangen und wir treue Kinder Allahs, wäre nicht ein Türke gefangengenommen worden, der verriet, dass bald das Kärntner Tor in die Luft fliegen würde. Man stellte nun überall Trommeln auf, auf die man trockene Erbsen schüttete. Diese Ur-Seismographen machten die türkischen Stollengrabungen zur Vorbereitung der Sprengungen hörbar. Der Sultan versprach dem, der als erster in der Stadt wäre, dreißigtausend Piaster  und den Generalsrang. Trotzdem mussten am nächsten Morgen die Janitscharen von ihren Offizieren zum Angriff geprügelt werden. Umsonst. Wien hatte das Abendland gerettet, zudem hatte sein Widerstand die Moral der Angreifer geschwächt. Doch der “goldene Apfel”, der Reichsapfel auf dem Turm des Stefansdoms, galt den Türken auch in den  kommenden eineinhalb Jahrhunderten als Eroberungsziel.


Dann endlich der “Damenfriede von Cambrai”, geschlossen von Karls Tante Margarete, der niederländischen Statthalterin, und der Königinmutter von Frankreich. Er war die Frucht der Bekanntschaft der beiden. Der Friede überlässt dem Kaiser Oberitalien und Neapel-Sizilien. Dafür erobern seine “Knechte” das Florenz des Papstes, das - abscheulich - Republik geworden war.


Für Karl mag die Kaiserkrönung eine Befriedigung gewesen sein. Es war die letzte in Italien, nicht in Rom, sondern in Bologna. Von hier reiste er nach Augsburg zum Reichstag. Obwohl die Einladung sehr versöhnlich formuliert war, “auf dass wir   alle in einer Gemeinschaft, Kirche und Einigkeit leben”, bestand dazu keine Hoffnung mehr. Als der Reichstag mit der Fronleichnamsprozession eröffnet wurde, machten die protestantischen Stände nicht mit. “Derlei gottlose Bräuche seien auszurotten.”


Erst jetzt scheint es dem mit Türken, Papst, Frankreich, England, Spanien und den Neuerwerbungen in der neuen Welt beschäftigten Kaiser klar geworden zu sein, dass seine Ausgleichsbereitschaft gar nicht mehr gefragt war. Das von den Protestanten vorgelegte “Augsburger Bekenntnis” wurde zur dauerhaften Basis des Protestantismus. Luther beobachtete von Coburg den Reichstag. Er schrieb an seine Freunde: “Ich koche vor Zorn, brecht ab, kehrt heim!” Die Protestanten taten das auch. Der Kaiser war erbittert.

Seine Antwort war: Erneuerung des Wormser Edikts, Reichsacht und Reichskammergerichtsprozess jedem Fürsten, der sich nicht den Geboten des alten Glaubens füge. Diesen “rauhen (Reichstags-)Abschied” nahmen die protestantischen Fürsten und Städte zum Anlass, sich im thüringischen Schmalkalden zu verbünden. Die “Bundesverfassung” sah ein “Bundesheer” von 2.000 Reitern und 10.000 Fußsoldaten unter zwei Hauptleuten - Hessen und Sachsen - vor. Der “Bund” verhandelte mit Frankreich, England und dem Papst.

zurück weiter