1338 - 1556 1532

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Von Augsburg war Karl zur Krönung seines Bruders Ferdinand aufgebrochen. Ihn hatte er mit dem österreichisch-deutschen Teil des Habsburgerbesitzes abgefunden. Karl behielt die spanischen Reiche mit ihren Italien- und Überseebesitzungen und das burgundische Erbe, die Niederlande. Ferdinand bekam die “Herrschaft zu Österreich” vom Rhein bis nach Ungarn, Tirol, Friaul und Görz. Während die viel größere Hälfte Karls ihm erst die kaiserlich-kontinentale Politik ermöglichte, reichte die kleinere Ferdinands wenigstens für die deutsche und den Erwerb Ungarns und Böhmens.


Jetzt reiste der Kaiser nach der Wahlstadt Frankfurt. Dort konnte die Wahl wegen der Pest nicht stattfinden. Main- und rheinab ging es weiter bis Geisenheim, wo man den Strom wegen der Strudel des Binger Lochs verließ. Schultheiß und Gericht bewirteten den Kaiser mit 14 Begleitern, dann ging es weiter nach Aachen.


Die dortige Wahl des Kaiserbruders zum deutschen König war für die protestantischen Fürsten der Vorwand für den Schmalkaldischen Bund gewesen. Nun musste sich Karl ihre Unterstützung gegen die Türken erkaufen. Er musste ihnen bis zum nächsten Reichstag ihren Religionsstand zusichern, alle Prozesse über Kirchengüter waren einzustellen. Erst daraufhin ermöglichte die protestantische Minorität dem Kaiser, ein Reichsheer nach Österreich zu schicken, um die Türken aus der Steiermark und Krain zu vertreiben. Karl selbst entriss den Muslimen Tunis. Das mittlere und westliche Mittelmeer war vorübergehend von muslimischen Seeräubern befreit. Die Bedeutung dieses Schlages erkennt man erst durch das Faktum, dass zwischen 1530 und 1780 fast 1,25 Millionen weiße Christen auf den Sklavenmärkten Nordafrikas landeten - kahl geschoren und in Eisen geschmiedet.* Der französische König vermisste damals diese Entlastungsfront. Er verbündete sich deshalb  mit dem Sultan.


Die Reformation gewann weiter an Boden: 1527 war Schweden protestantisch geworden. 1531 hatte Karl seinem Bruder verbieten müssen, die katholischen Kantone der Schweiz gegen Zwingli zu unterstützen. Nur so hätte Ferdinand die Eidgenossenschaft sprengen und die oberdeutsche Stellung Habsburgs aufrechterhalten können. 1534 verlor er dort seine stärkste Stütze: Der Schwäbische Bund löste sich auf. Die Folge war, dass Habsburg das erst kürzlich erworbene Württemberg aufgeben musste und der vertriebene Herzog Ulrich zurückkam. Württemberg wurde die protestantische Bastion Südwestdeutschlands. 1536 wurde die Reformation in Dänemark-Norwegen und den damit verbundenen Herzogtümern Schleswig und Holstein eingeführt. Auch viele Stände der österreichischen Länder übernahmen den neuen Glauben. In Böhmen fanden viele Hussiten das Luthertum fortschrittlicher und in Siebenbürgen brachte der Reformator Honterus den “Sachsen” den Lutherglauben. Weniger wegen des Glaubens, als wegen der von der Kurie verweigerten Scheidung von seiner Frau, der Tante des Kaisers, gründete Heinrich VIII. von England seine eigene Nationalkirche.


Von den dreiundzwanzig zwischen Rom und Wittenberg strittigen Punkten blieb auf dem Regensburger Reichstag von 1541 nur noch einer übrig: Luthers Lehre von der Rechtfertigung allein durch den Glauben. Der zuletzt gefundenen Verständigungsformel stimmte selbst der päpstliche Legat zu. Aber Luther und der Papst lehnten sie ab.
Frankreich hatte Karl angegriffen und im Herzog von Jülich, Kleve und Berg einen Verbündeten gefunden. Weil der Niederrheiner sich das zu Burgund gehörige Geldern angeeignet hatte, griff Karl ihn an. Nach seinem Sieg über ihn warf er sich auf die Franzosen. Er zwang sie, Frieden zu schließen und seine Forderung nach einem Konzil zu unterstützen. Der Wunsch des Kaisers erfüllt sich endlich.

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