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Weil Bruder Ferdinand und Herzog Moritz um Hilfe riefen, zieht der Kaiser im Frühjahr nach Kursachsen. Der Kurfürst hatte die beiden in Schwierigkeiten gebracht. Jetzt glaubte er sich sicher, als man die Kaiserlichen auf dem anderen Ufer der dreihundert Schritt breiten Elbe sah. Ein Bauer zeigte den Kaiserlichen eine Furt - sieben Pferde breit - sodass sie den überrumpelten Sachsen in die Flanke stoßen konnten. Die Schlacht bei Mühlberg war einer der Triumphe des Kaisers. “Ich kam, sah, und Gott siegte”, soll er gesagt haben. Und als ob er ahnte, dass der Triumph nicht lange halten würde, wütete er gegen die Protestanten: Der Kurfürst von Sachsen wurde zum Tode verurteilt. Weil er auf die Kurwürde verzichtete, milderte Karl das Urteil zu lebenslanger Haft. Auch den jahrzehntelangen Führer des Protestantismus, Landgraf Philipp von Hessen, ließ Karl einige Jahre einsperren.


Der Sieg war keine Entscheidung. Immerhin: Karl hatte verhindert, dass der Schmalkaldische Bund zum Staat im Staate wurde. Das wäre die Teilung Deutschlands gewesen. Deutschland war konfessionell nicht mehr zu verändern. Durch den Sieg bei Mühlberg war der Kaiser allen zu groß geworden: dem Papst, Frankreich, natürlich auch den deutschen Fürsten. Überall Opposition und Subversion. Hinzu kam, dass Karl seinen Sohn Philipp zu seinem Nachfolger als Kaiser machen wollte. Bruder Ferdinand fühlte sich zurückgesetzt. Karl gab nach; das Kaisertum kam an die deutsche Habsburger-Linie.


Spanien war den Deutschen unheimlich. Nur wenige waren über die riesigen Ländererwerbungen in nicht vorstellbaren Fernen orientiert. Dabei waren beispielsweise Schiffe der Welser unter den ersten, die den neuen Welten entgegensegelten. Die Welser bekommen 1528 ganz Venezuela bis zum Stillen Ozean mit dem Recht, Sklaven zu fangen und zu verkaufen. Ganz Chile wurde 1531 den Fuggern zugesprochen. Bereits 1493 hatte Papst Alexander VI. "die Welt geteilt wie eine Orange": alle Neuentdeckungen westlich der Azoren hatte er Spanien, die östlich davon Portugal zugeteilt. Ein Jahr später wurde "die Weltteilungslinie weiter nach Westen verschoben, so dass Portugal sich auch auf dem südamerikanischen Kontinent bedienen konnte." Nun wird der Kaiser gehofft haben, dass die Schwaben Gold und Silber in seine Kassen fließen lassen würden, um seine europäischen Unternehmungen zu finanzieren. Doch neben der Korruption und den Fährnissen der Schifffahrt ließen maurische und französische Piraten den erwarteten Edelmetallstrom zusammenschmelzen. Während man gegen die ersten beiden Widrigkeiten machtlos blieb, erfand man gegen den maritimen Feind die Geleitzugtaktik . Eine Zeitlang segelte mehr als ein Sechstel des Schiffsverkehrs zwischen Europa und Amerika unter Augsburger Flagge. Aber die Spanier duldeten in ihren Kolonien bald weder Italiener, noch Franzosen, noch Deutsche - nicht einmal als Missionare.


Der Sieg des Kaisers bei Mühlberg hatte nur eine vorübergehende Schwächung der Fürstenmacht zur Folge gehabt. Jetzt warnte ihn seine Schwester Maria, die Statthalterin der Niederlande, vor Herzog Moritz von Sachsen . Heimlich hatte er dem Franzosenkönig die wichtigen Reichsstädte und Grenzfestungen Metz, Toul, Verdun und Cambrai  vertraglich überlassen. Er tat einfach so, als ob er das Recht hätte, dies zu tun. Die vier Bistümer gehörten seit je zum Reich. Auf Grund der französischen Sprache stünden diese Gebiete Frankreich zu, argumentierte der Franzosenkönig. Erstmalig orientierte sich ein Vertrag an der nationalen Zugehörigkeit. Damit wurde bewusst ein Gegensatz aufgerichtet zur Nationalittätengemeinschaft, die das Reich des Kaisers war.

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