1338 - 1556 1551

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Noch saß Karl, von der Gicht zusammengekrümmt, in Innsbruck, um sowohl Deutschland wie dem Konzil in Trient nahe zu sein. Unterdessen hatten die Fürsten von Sachsen, Hessen und Brandenburg-Kulmbach mit französischem Geld ein Heer geworben, mit dem sie nun plötzlich über Augsburg nach Tirol vordrangen. Karl blieb nur noch ein Vorsprung von einem Tag. Während das Kriegsvolk die Hofburg plünderte, wurde der fast Bewegungsunfähige, der keinerlei Truppen bei sich hatte, in einer Sänfte über den Brenner getragen. Erst in Villach war der Kaiser in Sicherheit.

Zur gleichen Zeit ließ Heinrich II. von Frankreich seine Truppen in die vier überschriebenen Reichsstädte und ihre Bistumsgebiete einmarschieren. Der Verlust dieses Gebietes bedeutete auch den Verlust des Verbindungsweges von Spanien nach den spanischen Niederlanden. Dieser Weg führte  von den spanischen Häfen per Schiff nach Genua, durch Oberitalien und das Veltlin  über die Alpen und durch das Elsass nach Norden. War er gesperrt, waren die Niederlande fast verloren. Metz konnte von den epidemiegeschwächten Belagerern nicht wiedererobert werden. Auch sonst waren es schlechte Zeiten für Habsburg: Eine türkische Flotte plünderte mit französischen Galeeren die spanischen Küsten, und auch der Landkrieg gegen die andrängenden Türken verlief erfolglos.


Als Schirmherr des Katholizismus wollte Kaiser Karl nicht, “dass der Diebstahl von Kirchengut, durch den skrupellose Fürsten sich unter dem Vorwand einer Bekehrung zum neuen Glauben bereichert hatten, sanktioniert” werden sollte. Der aus Not kompromissbereitere Ferdinand, der die Protestanten für die Türkenhilfe brauchte, musste auf dem Augsburger Reichstag nachgeben: Die Duldung beider Konfessionen wurde Gesetz. Jetzt konnte jeder Landesherr die Religion seiner Untertanen bestimmen. Damit war ihm das Recht gegeben, das Gewissen jedes Andersgläubigen zu vergewaltigen. Die von Luther verheißene "Freiheit eines Christenmenschen" wurde auf die Freiheit der Fürsten beschränkt, ihre eigene Konfession zu wählen.


Im Ergebnis des Augsburger Reichstages von 1555 kann man den Endpunkt des Mittelalters sehen: Die Reformation hatte die Kirche nicht reformiert, sondern sie gespalten. Die Einheit im Geiste war dahin. Die lutherischen Ketzer waren zur gleichberechtigten Partei geworden. Die zum Protestantismus übergegangenen Fürsten haben die Reformation zu ihrer Besitz- und Machtvermehrung benutzt. Sie werden in ihren Ländern zu “Päpsten”: Jeder kann den “rechten Glauben” selbst bestimmen, kann damit außer politischer auch geistige Macht ausüben über seine Untertanen.

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