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Deshalb trat Karl ab. Im Herbst 1556 übertrug er die Kaiserwürde auf seinen Bruder Ferdinand. Eine große Persönlichkeit war von den “deutschen Händeln” zerrieben worden. Seine Resignation hatte er seinem Diplomaten und Truppenführer Lazarus von Schwendi anvertraut: “Ich habe es gut mit Deutschland gemeint, aber bei keinem Teil Dank verdient. Bei den Katholiken nicht ..., bei den Lutherischen auch nicht. Darum will ich sie Gott befehlen.“


In seinem Landhaus im spanischen San Yuste waren ihm nur mehr zwei Jahre vergönnt. Um ihn zwar ein kleiner Hofstaat von etwa fünfzig Personen, als einziger Verwandter aber nur der blonde elfjährige Jeronimo, der "unelegante" Sohn des Kaisers und der Regensburgerin Barbara Blomberg, der spätere Don Juan d'Austria. Karl war kein typischer Renaissance-Fürst, kein blendender Potentat, sondern ein Pflichtmensch. Neben Karl dem Großen hat von allen Kaisern nur er bei den Franzosen einen Eigennamen: Charles-Quint.


Auch um ihn eine Fülle farbiger, gelegentlich schillernder, auch bizarrer Gestalten, wie sie in dieser Dichte kaum ein anderes Halbjahrhundert aufweist. Schon die Fürsten: Die glanzvollen Lüstlinge Franz I. und Heinrich VIII. auf Frankreichs und Englands Thronen, als deutsches Kleinformat Hessens Philipp und als Schurke von Format Sachsens Moritz. Selbst auf Bischofsstühlen so weltliche Figuren wie die Greiffenclau und Waldburg. Gegen sie und für sich selbst die Sickingen, die Frundsberg, die Schwendi und Burtenbach, die für oder gegen diesen Kaiser Krieg führen oder verhandeln, auch ein Hutten, der kämpft, tobt, Propaganda macht und an der Lustseuche qualvoll eingeht, wie so viele seiner Zeit, denn “schir iderman  hat sy”, schrieb Dürer. Nicht zu vergessen die großen Künstler: Dürer reicht noch in die Zeit und Altdorfer, der in Regensburg Lokalpolitik macht, Riemenschneider, der das in Würzburg tut, sich für die Bauern einsetzt und dafür vom Bischof gefoltert wird, Veit Stoß, dem die Nürnberger die Backen durchbrennen, die Augsburger Holbein, deren jüngerer Hofmaler des Ladykillers Heinrich VIII. war, die Cranachs, deren älterer dem Wittenberger Magistrat das “Rollwäglein” für Luther abgehandelt hatte, auf dem der nach Worms fuhr.

Tizian natürlich, der außer seiner Malerei noch einen schwunghaften Handel mit dem Holz seines Dolomiten-Tales Cadore betrieb. Schließlich Jakob Fugger, der Großkapitalist und Zechenherr, an dessen goldenen Fäden die Größten hingen und sich oft so bewegten, wie er es wollte.

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