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In Münster hatten sie sogar bei der Ratswahl gesiegt. Nun verkündeten sie eine Republik der Heiligen und das tausendjährige Reich Gottes. Aus den Niederlanden erhielten sie Zuzug. Unter den von dort Geflüchteten war Jan Bockelson, Schneider und Kneipenwirt. Er machte sich zum König dieses neuen Jerusalem. In den Kirchen wurde alles “papistische Blendwerk” zerschlagen, Zins und Luxus wurde abgeschafft, Wertsachen mussten abgeliefert werden.


König Jan sprach auch der Sinnenlust Heiligkeit zu und führte die alttestamentarische Vielweiberei ein. Auf fast alles stand die Todesstrafe. Der “Prophet” Knipperdolling richtete bald täglich, einmal zweiundfünfzigmal! Der Bischof hatte die Stadt mit Truppen des Landgrafen von Hessen eingeschlossen. Als die Landsknechte schließlich stürmten, türmten sich die Haufen Verhungerter. Haufen Erschlagener kamen dazu. Bischof Franz von Waldeck konnte erst zwei Tage später einreiten, als die Leichen verscharrt waren. Der Wiedertäuferkönig Bockelson aber wurde mit seinen “Propheten” Knipperdolling und Krechling auf dem Prinzipalmarkt mit glühenden Zangen zu Tode gezwickt. Ihre Leichen wurden an Sankt Lamberti in eisernen Käfigen aufgehängt. Dort hängen die Käfige noch heute und auch die Wiedertäufer gibt es noch: Nach dem Pfarrer Menno Simons nannten sie sich Mennoniten und suchten später im fernen Amerika ihren Frieden. In Deutschland hatte man sie ausgetilgt. Luther hatte empfohlen: “die widderteuffer nur gekopfft; denn sie sind aufrurisch.” In Württemberg war jeder ermächtigt, die “Täufer” hinzurichten. In Bayern regelte ein Erlass nur die Todesart: Wer widerrief wurde geköpft, wer nicht widerrief wurde verbrannt. Frauen wurden ertränkt.

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