1533 - 1648 1535

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Ein fanatisches Stadtregiment hatte in Genf Jean Calvin  eingeführt. Das Leben hatte Düsternis und Zerknirschung zu sein. Deshalb waren die Kleider dunkel, Spiel und Tanz undenkbar, Feste und Schmuck verboten, Wirtshäuser und Räusche Gotteslästerung. Auch in Calvins Gottesstaat wurde fleißig hingerichtet: durchschnittlich alle vierzehn Tage. Calvin predigte, dass das Schicksal des Menschen von Gott vorbestimmt sei. Von den Kanzeln wurde diese Lehre schroff verkündet. Anscheinend war das Bedürfnis nach law and order bei den Neugläubigen so groß, dass ihnen die Unerbittlichkeit des französischen Gottsuchers zur Verheißung wurde. Während nämlich in Norddeutschland das Luthertum schon zerbröckelte, gewann der  Glaube Calvins rasch die Niederlande und fast den ganzen Westen des Reiches.


Die alte Kirche holte recht schnell das nach, was das Ziel ihres einstigen Mönches gewesen war: Die Erneuerung, die Abkehr von der Weltlichkeit und den Missständen der Vergangenheit. Die Zeiten, in denen Paul III. drei seiner Enkel im Alter zwischen vierzehn und sechzehn Jahren zu Kardinälen machte, hatten ein Ende. Sein Nachfolger Paul IV. wollte die “Reinheit der Kirche” und die “Reinheit der Heiligen Lehre” auch durch Einsatz der Inquisition erzwingen. Damit war der Katholizismus auf das Gleis geschoben, das ihn zum Dogmatismus und zur unumschränkten Autorität des Papsttums brachte. Die gleichen Entwicklungen waren es aber auch, die von den neun Zehnteln Protestanten, die es nach Luther in Deutschland gab, die Hälfte wieder zum alten Glauben zurückbrachte.


Dies wird allerdings erst die Spätfolge des Trienter Konzils sein, das 1562/63 zu Ende geht. Von den Deutschen ist es für die Verfestigung der Glaubensspaltung in ihren Ländern verantwortlich gemacht worden. Tatsächlich waren die Protestanten aber gar nicht mehr am Konzil interessiert, seit sie in Augsburg die Religionsfreiheit bekommen hatten.
Ohne Rücksicht auf den schwachen Katholizismus in Deutschland war vom Konzil im Gegensatz zur Lehre Luthers von der Prädestination verkündet worden, dass die guten Werke des Menschen zu seiner Rechtfertigung vor Gott beitragen würden. Damit hatte der Katholizismus seinen Anhängern das “Prinzip Hoffnung” angeboten. Der Kaiser hatte einige Forderungen durchzusetzen versucht, wie etwa die Aufhebung des Zölibats für Priester. Viele lutherische Pastoren waren nämlich bereit, mit Frau und Kindern wieder in eine reformierte katholische Kirche zurückzukehren. In der letzten Konzilsperiode sind keine deutschen Bischöfe mehr dabei. Unter Nichtachtung deutscher politischer Notwendigkeiten baute das Konzil unter jesuitischer Führung das Lehr- und Dogmengebäude der Kirche, in dem in den nächsten vierhundert Jahren kein Stein wackeln wird. Allein der Priester ist zur Auslegung der Bibel befugt, allein er ist der Mittler zwischen Gott und Mensch. Die Lehren von Heiligen- und Reliquienverehrung, von Fegefeuer und Ablass bleiben unverändert. Nur der Papst hat das Recht, Dogmen zu deuten und zu verkünden. Er ist die höchste Autorität der Christenheit.


Die alte Kirche ging gestärkt aus diesem Konzil hervor. Die Protestanten etikettierten diese katholische Reform als "Gegenreformation". Für Rom dagegen war das Luthertum zwar ein deutsches Ärgernis, aber kein Grund, darauf reagieren zu müssen. In Deutschland bewirkte die religiöse Polarisierung leider eine noch schroffere Ausführung der Konzilsbeschlüsse. Zur deutschen Perfektionssucht kam noch spanische Reconquista-Intoleranz von seiten der Jesuiten.


Die “Gesellschaft Jesu” war ein neuer Orden, den der baskische Edelmann Ignatius von Loyola  gegründet hatte. Er war in einem der Kriege Karls zum Krüppel und danach vom Saulus zum Paulus geworden. Mit Gleichgesinnten gründete er eine mönchische Gemeinschaft mit militärischer Struktur. Bedingung war absolute Unterwerfung unter den päpstlichen Willen und strengster Gehorsam. Aufnahme fanden nur Bestgeeignete, ihr Einsatz erfolgte erst nach gründlicher Ausbildung. Die Jesuiten wurden bald zur Elite unter den Mönchsorden, nicht überall geduldet, vielfach gefürchtet, aber fast immer erfolgreich.


Dort, wo die Gegenreformation später am konsequentesten war, hatte sie es anfangs am schwersten: in Österreich. Kein Wunder, denn die in ständiger Türkengefahr lebenden Länder mussten auch durch religiöse Zugeständnisse verteidigungsbereit gehalten werden. Es lag auch an den Landesherren. Der päpstliche Ultra Paul IV. hatte Kaiser Ferdinand nicht nur wegen des Augsburger Religionsfriedens schwere Vorwürfe gemacht, sondern auch wegen der “ketzerischen Erziehung” seines Sohnes Maximilian. Der hatte nicht nur einen lutherischen Erzieher, sondern auch einen verheirateten Beichtvater. Er erkundigte sich schon bei den protestantischen Fürsten, ob sie ihn im Falle seines Glaubenswechsels aufnehmen würden. Doch nur der calvinistische Pfälzer antwortete. Diese zu unduldsame Religionsrichtung lehnte aber Maximilian ab.

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