1533 - 1648 1562

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Kaiser Maximilian II. war auch mit Rücksicht auf sein hohes Amt Katholik geblieben. Er ist empört, dass der Papst keinen Heller für die Türkenabwehr, aber sehr viel für die Ausrottung der Ketzer ausgibt. Empört ist er auch über die spanische Grausamkeit, mit der die Niederländer zum alten Glauben zurückgezwungen werden sollen. Seinen Vetter, den spanischen König Philipp II., hatte er beschworen, “das Verderben der schönen und guten Lande“ zu verhüten - umsonst. Resigniert stellte er fest, dass es ihn schmerze, eine solche “Mordgesellschaft” zu Verwandten zu haben.


Der spanische Vetter, den die Feindpropaganda zum Bösewicht gemacht hat, sieht das anders. Wie sein Vater ist er überzeugter Katholik. Er fühlt sich für das Wohl und das Seelenheil von zwanzig Nationen verantwortlich. Er wollte die Verhältnisse in seinen Reichen bestmöglich ordnen. Die Verantwortung machte ihn hart. Aus Sorge um das Seelenheil seiner abirrenden Niederländer fühlte er sich zur bewaffneten Rettungsaktion genötigt. Diese Härte richtet er aber auch gegen sich: Ob sein Sohn Don Carlos starb oder hingerichtet wurde, bleibt unklar. Philipp, der Musik und Malerei geliebt, die erste Akademie der Wissenschaften gegründet und für Arbeiter in Amerika den Acht-Stunden-Tag angeordnet hat, konnte den Protestantismus im Reich seines Vetters, der auch sein Schwager ist und nun auch sein Schwiegervater wird, nur als Unglück ansehen. Er glaubt, dass Kaiser Maximilian seinen verführten Untertanen zu wenig Fürsorge entgegenbringt. Er meint, der Vetter müsse, wie er in den Niederlanden, diese Untertanen mit der Waffe vor der Hölle schützen. In fast 80 Jahren Krieg hat Spanien versucht, die Niederlande bei Spanien zu halten – wenn auch nicht nur der Religion wegen.


Die Niederlande waren nämlich reich, Spanien seit 1557 bankrott. Die über 200 niederländischen Städte brachten siebenmal so viel Steuern ein als das Gold und Silber aus den amerikanischen Kolonien. In Rotterdam und Antwerpen wurden etwa 50 Prozent der Welthandelsgüter umgeschlagen. An der Antwerpener Börse wurde "in einem Monat mehr als zu Venedig in zwei Jahren verhandelt." Zur Finanzierung der vielen Kriege hatte sich die spanische Krone bei deutschen und genuesischen Banken hoch verschuldet. Die meisten Gold- und Silbertransporte aus der „Neuen Welt“ wurden daher sofort nach ihrer Landung von den Kreditgebern beschlagnahmt. „So geschah es, dass ungeheure Kapitalien den spanischen Boden berührten, ohne dass sie ... irgendeine Spur von Reichtum ... zurückgelassen hätten.“

Venedig hatte die Beherrschung des östlichen Mittelmeeres an die Türken verloren. Damit waren auch die Handelswege nach Ägypten und Asien für die Europäer verloren. Fast gleichzeitig hatte der Handel mit der neuen Welt sprunghaft zugenommen. Infolgedessen hatten sich die Wirtschaftsschwerpunkte von Oberitalien und Oberdeutschland an den nordwestlichen Atlantikrand verlagert. Dazu kam der rasch wachsende Seeverkehr durch den dänischen Sund aus Polen und dem Baltikum. Die west-östlichen Warenströme liefen in Antwerpen zusammen. Mit der Drehung der europäischen Hauptverkehrsachse von Süd-Nord auf Ost-West sank nicht nur die Wirtschaftsmacht Venedigs. Auch Nürnberg, Augsburg, Ulm und Straßburg sanken ab. Hinzu kam, dass nicht nur die Silberimporte aus Amerika den deutschen Bergbau ruiniert hatten, sondern auch die meisten Silbergruben erschöpft waren. Oberdeutschland hatte seine wirtschaftliche Vorherrschaft verloren, es versuchte über Frankfurt, Köln und Aachen den Anschluss an die Zentren an der neuen Verkehrsachse. Aber Ende der 1560er Jahre beginnt Spanien den Krieg gegen die blühenden und nach Unabhängigkeit strebenden niederländischen Provinzen. Die Auswanderung niederländischer Protestanten nach Frankfurt, Hamburg, Bremen und ins Rheinland stärkt nun vor allem das nördliche Deutschland. Neue Wirtschaftszentren aber werden Amsterdam und dann London.


Um sich gegenseitig zu stützen, schickten die österreichischen Habsburger ihre Söhne für einige Jahre zu den spanischen Verwandten nach Madrid und verheirateten ihre Töchter mit spanischen Kronprinzen. Im Austausch verheiratete man die spanischen Cousinen an die künftigen Kaiser.

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