1533 - 1648 1576

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Deutscher Kaiser in Böhmens Hauptstadt Prag war inzwischen Rudolf II. Er ist ein großer Kunstkenner und Kunstsammler. In jeder bedeutenden Stadt Europas sitzen seine Agenten, die Auserlesenes kaufen und herbeischaffen müssen. Künstler und Wissenschaftler stehen unter seinem Schutz. Er beruft Tycho de Brahe und Johann Kepler als Hofastronomen.

Aber dieser Antiquitätensammler hat Angst vor den Menschen - bis zu zwanzigmal ruft er in der Nacht seinen Kammerdiener. So zieht er sich in sich selbst zurück, ist für Berater und Abordnungen kaum zu sprechen. Oft flüchtet er sich in die Ställe zu seinen weißen Pferden, um mit ihnen zu sprechen, weil er mit den Menschen nicht sprechen kann. Besondere Angst hat er vor der Ehe und allem Weiblichen. Als Jüngling hatte er sich nämlich in Spanien die Syphilis zugezogen. Ihre Spätfolgen prägen nun sein rätselhaftes Wesen.


Deutschlands Nachbarn bleiben entweder katholisch oder sie werden protestantisch-calvinistisch. Das aber jeweils ganz. Anders als Deutschland bleiben diese Nationen stark oder sie werden es nun, dank des geraubten Kirchenvermögens. England etwa: König Heinrich VIII., vormals “Verteidiger des (katholischen, H.D.) Glaubens”, baut sich eine romfreie Kirche. Schlagartig wird er zum Herrn des gesamten Kirchenvermögens. Der gewaltige Zuwachs an Reichtum festigt seine Macht.


Frankreichs Adel ist calvinistisch durchsetzt. Die Calvinisten fühlen sich als “Eidgenossen” - Huguenots - und werden deshalb Hugenotten genannt. Da die Schwester des Königs dem protestantischen Bourbonen Heinrich von Navarra verlobt ist, scheint für sie die Macht greifbar. Am Bartholomäustag 1572 soll Hochzeit sein. Sie wird zur “Bluthochzeit”, weil dreitausend zur Hochzeit angereiste Hugenotten, ein Großteil des Adels, abgeschlachtet werden. Heinrich von Navarra, König ab 1589, wird Katholik, Paris war ihm “eine Messe wert”. Dieser erste Bourbone beseitigte die religiösen Gegensätze und brachte das verwüstete Land nach dem Bürgerkrieg hinter sich. Gerade als er gegen Deutschland in den Krieg ziehen will, wird er 1610 ermordet. Seinem Sohn Ludwig XIII. vererbt er ein so starkes Frankreich, dass Europa in den nächsten zweihundert Jahren nach dessen Pfeife tanzen wird.
Wie die Niederlande von Spanien, trennt sich Schweden von Dänemark. Gustav Wasa wird von den Lübeckern als Werkzeug benutzt, die dänische Konkurrenz auszuschalten. Er soll ein schwedisches Königtum von Dänemark abspalten. Mit Lübecker Geld besticht er den schwedischen Adel und stürzt die Dänenherrschaft. Die Schweden wählen ihren Befreier zum König. Jetzt wollen die Hanseaten ihr Geld zurück. Sie empfehlen ihm die englische Art: Übertritt zum Luthertum, Beschlagnahme des Kirchenbesitzes. Der Wasa befolgt ihren Rat, die Hansen aber prellt er. Er hält zwar die Dänen fern, öffnet aber den bisher von diesen ferngehaltenen Niederländern und Engländern die schwedischen Häfen und Märkte. Schweden wird nordische Macht, Lübeck und die Hanse verlieren sie.

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