1533 - 1648 1608-1609

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Die protestantischen Fürsten schlossen vielmehr ein Schutz- und Trutzbündnis unter Führung des pfälzischen Kurfürsten. Es war auf zehn Jahre befristet. Diese “Union” war die Neuauflage des Schmalkaldischen Bundes. Der Minister des Pfälzer Kurfürsten wird als Gesandter in Paris mit allen Ehren empfangen. Nur weil ein irrer Lehrer den Franzosenkönig meuchelt, kann der nicht mehr gegen den Kaiser in den Krieg ziehen. Ein Jahr später gründet Maximilian von Bayern die “Liga”. In ihr verbünden sich die katholischen Reichsfürsten und Bischöfe. Der katholische Kaiser muss wenigstens so tun, als stände er über den Parteien, er kann nicht Mitglied der Liga sein. Doch das habsburgische Spanien sichert ihr Rückhalt zu.

Im März 1609 starb der Herzog von Jülich, Kleve und Berg kinderlos. Seine Lande waren wegen ihrer Wirtschaftspotenz und ihrer strategischen Lage wichtig genug, “um ein Königreich zu bilden”. Deshalb verknäuelten sich die Erbansprüche Brandenburgs und Pfalz-Neuburgs mit den Machtansprüchen des Kaisers, der mit dem reichen Lehen seine Macht im nördlichen Deutschland begründen wollte. Das wollte Frankreich verhindern. Hinter dem Kaiser stand Spanien, das von dort aus die Niederlande zurückerobern wollte. Die Spanier besetzten Jülich, die Niederländer Kleve. Die erbfolgegeilen Fürsten brauchten nur noch die richtige Religion, um die reiche Erbschaft einzusacken. Der Kurfürst von Brandenburg trat deshalb vom Luthertum zum Calvinismus über und sicherte sich damit den Rückhalt durch die Niederländer und Engländer. Er gewann mit dieser Rückendeckung die Hälfte dieser Gebiete und damit den Eckpfeiler seiner Machtstellung am Niederrhein. Die andere Hälfte erbte der Pfalz-Neuburger, weil er vom Luthertum zum Katholizismus überwechselte.

In Prag hatte der Hofastronom Johannes Kepler die ersten beiden der nach ihm benannten Gesetze gefunden. Pate gestanden für ihre Entdeckung hatte seine Ehrfurcht, mit welcher ihm ihre Gesetzmäßigkeit "als eine unmittelbare Offenbarung Gottes erschienen; er wagte bekanntlich nicht an ihrer kreisförmigen Gestalt zu zweifeln, weil jede andere ihm ein Symbol von zu geringer Würde darzustellen schien." Die Mondoberfläche beschrieb er so zutreffend, dass ihn das Mondlandeunternehmen von 1969 in vielem bestätigte. Und da er “alle Menschen von Schulbänken minderen Ranges, den gemeinen Pöbel, Garamanten und Inder” von seinen Erkenntnissen unterrichten wollte, wurde er zum Erfinder der science fiction. Er hat allerdings nicht gewagt, seinen “Traum von der Reise zum Mond” zu veröffentlichen. Es fiel ihm schon schwer genug, sechs Jahre um seine Mutter zu kämpfen, die als Hexe verbrannt werden sollte.


1618 ereignete sich in Prag das, was zum Anlass der blutigsten Katastrophe der Deutschen wurde. Die Brüder Rudolfs II. hatten bereits vor Jahren festgestellt, dass die “Römische Majestät an einer zu unterschiedlichen Zeiten sich zeigenden Gemütsblödigkeit leidet.” Bruder Matthias wollte ihn vom Thron stoßen. Der Kaiser suchte Hilfe bei den Ständen Böhmens. Die Herren stellten zwei Forderungen: Die Bestätigung alter Privilegien und Religionsfreiheit. Rudolf unterschrieb. Danach versöhnte er sich mit seinem Bruder wieder. Nun eilte es ihm mit dem Einlösen seiner Zusagen nicht mehr. Die böhmischen Herren mobilisierten darauf ihr Landesaufgebot und präsentierten ihm ein zweites Papier - wieder die Forderung der Religionsfreiheit. Nach vergeblichem Sträuben musste der Kaiser diesen “Majestätsbrief” unterschreiben.

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