1533 - 1648 1619

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Die Lage wird ernst, als wenige Wochen nach der “defenestratio Pragensis” der Kurfürst von der Pfalz die Wahl zum böhmischen König annimmt. Nach dem Tod von Kaiser Matthias will Ferdinand Kaiser werden. Doch wenn er vom gerade eröffneten Generallandtag als König von Böhmen zugunsten des Pfälzers abgesetzt wird, verliert er seine Kurstimme. Die braucht er aber, um sich selbst wählen zu können. Friedrich von der Pfalz weiß das natürlich. Er will die Kaiserwahl aufschieben, bis er König ist. Das war selbst für die protestantischen Fürsten eine Sünde gegen das Gottesgnadentum. Alle Kurfürsten, auch die protestantischen, wählten den Katholiken zum deutschen König, obwohl Ferdinand II. doch eine so “einfältige verjesuitete” Seele war. Vom sächsischen weiß man, dass er betrunken war, als er seinem Gesandten befahl, für Ferdinand zu stimmen, denn kaisertreu war er immer. Für seine Hilfe gegen den Usurpator Böhmens bekommt er später die böhmischen Lausitzen.


Kurfürst Friedrich von der Pfalz  wurde König von Böhmen. Die neue Würde genügte ihm, “ganz absorbiert von seinem glücklichen Eheleben, dem er den Zauber beständiger Flitterwochen zu verleihen wusste.“ Sein Königtum dauerte nicht länger als der Winter 1619/20, deshalb sein Spottname “Winterkönig”. Dann kam vom Kaiser die Aufforderung an ihn, das Reich binnen Monatsfrist zu verlassen.


Das Heer der protestantisch-böhmischen Rebellen war bis vor die Wälle Wiens gekommen. Eines Tages drangen Deputierte der protestantischen österreichischen Stände bei Ferdinand ein. Sie gaben ihr Bündnis mit den Böhmen bekannt und forderten von ihm die Bestätigung ihrer Religionsfreiheit. Als der Kaiser nicht unterschreiben wollte, riss ihn ein Starhemberg  am Wams und schrie: “(Ferdi)Nandl, gib Dich, unterschreib, oder Du musst hie!” Als sich ein “Jessas Maria” seiner degenspitzenbedrohten Brust entringt, rasseln kaiserliche Kürassiere, die die Belagerung durchbrochen hatten, in den Burghof. Auch der gleichzeitige Feldzug der Ungarn war vor Schwechat zum Stehen gekommen. Es war wieder eines der Wunder des Hauses Österreich.

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