1533 - 1648 1620

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Jetzt zog ein Heer des Kaisers und der Liga gegen Prag. Anfang November 1620 schlug es die böhmischen Truppen in einer halben Stunde am Weißen Berg westlich von Prag. Friedrich, der “Winterkönig”, konnte mit knapper Not fliehen. Seine Kurwürde und die Oberpfalz bekam sein Wittelsbacher Vetter in München.


Von seinen Anhängern wurden siebenundzwanzig auf dem Altstädter Ring in Prag standesgemäß geköpft. Ihre Besitzungen und die der Rebellen, die fliehen konnten, wurden eingezogen. Dreißigtausend Familien, davon hundertfünfundachtzig adelige, hatten das Land verlassen. Verarmt vagabundierten sie durch Europa. Diese Bohème war es, die viel später dem leichten Pariser Künstlervolk und noch später der Oper ihren Namen gab. In Böhmen wurden drei Viertel des Landes enteignet, in Mähren hundertfünfundachtzig Güter.

Liechtenstein, der baldige Statthalter und Wallenstein, der künftige Feldherr, werden viel davon erwerben. Vor der Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten in unserem Jahrhundert war diese Besitzumschichtung die größte in Mitteleuropa. Aus den Einheimischen, die rechtzeitig zum Kaiser umgeschwenkt waren und aus kaisertreuen Italienern, Flamen, Kroaten und Deutschen entstand eine neue adelige Oberschicht.


Mit der Niederlage des böhmischen Aufstandes hätte der Krieg zu Ende sein können. Friedrich war geächtet worden. Das war zwar nicht rechtens, aber der Kaiser brauchte die Pfalz, um seinen Mitstreiter Maximilian von Bayern abzufinden. Deshalb schickt er dessen Feldherrn Tilly nach der Einnahme der Oberpfalz in die Rheinpfalz. Nicht weniger wichtig war die Pfalz für des Kaisers spanischen Vetter. 1621 lief nämlich sein Waffenstillstand mit den Niederländern ab. Für den wieder aufflammenden Krieg brauchen die Spanier die linksrheinische Pfalz in Verlängerung der habsburgischen Besitze im Elsass, die ihnen Ferdinand geöffnet hatte, als Nachschubstraße nach Norden.


Protestantische Fürsten und Heerführer führen den Krieg aus Besitzgier und Abenteuerlust weiter. Neben dem badischen Markgrafen ist der Graf Ernst von Mansfeld der typische Söldnerführer: stur, kaltblütig, verwegen. Nur aus verletzter Eitelkeit ist er Parteigänger des Winterkönigs; der Kaiser hatte ihn nicht in seine Dienste genommen. Jetzt sieht er eine Chance, sich im Unterelsass ein eigenes Fürstentum zusammenzurauben.


Von Norddeutschland zieht der „tolle Christian“, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel, heran. Er ist Administrator  des Bistums Halberstadt, der eine Zeit lang den Handschuh der Frau des Winterkönigs am Hut trägt. Er nennt sich „Gottes Freund – der Pfaffen Feind“. Eben hat er die Bistümer Münster und Paderborn ausgeplündert. Jetzt will er sich mit dem Mansfelder Heer vereinigen.


Die Rückeroberung der Pfalz ist nun aussichtslos. Mansfeld, der ein eigenes Land haben will, verhandelt darüber mit Frankreich, mit Spanien, auch mit den Niederländern. Bei denen kommt er an. So schlägt er sich mit Christian durch Lothringen in die Niederlande durch. Dort befreien sie den Oberscheldehafen Bergen op Zoom. Für die Holländer ist es ein Erfolg, für Deutschland tragisch, denn aus dem pfälzischen Krieg ist nun der niederländische geworden: deutsche protestantische Heere kämpfen für die Holländer gegen die Spanier.

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