1533 - 1648 1624

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In Paris kommt jetzt ein Mann an die Macht, der Frankreich groß und die beiden Habsburgs klein machen will: Kardinal Richelieu . Papst Urban VIII., der die Habsburger-Dynastien ebenfalls für eine Bedrohung hält, unterstützt ihn dabei. Frankreich und die Niederlande hatten sich verbündet. England schließt sich an. Wenig später einigen sich Schweden und Dänemark. Gleichzeitig beschließen Frankreich, Savoyen und Venedig ein Einschreiten im Veltlin gegen Spanien. Brandenburg verbündet sich mit den Niederlanden. Durch die Besetzung des Veltlin und die englische Überwachung des Ärmelkanals wird es Spanien unmöglich, Truppen und Geld nach Flandern zu schicken.

In die Hiobsbotschaften schlägt die scheinbar alles rettende Nachricht: Albrecht von Wallenstein erbietet sich, dem Kaiser auf eigene Kosten eine Armee von 20.000 Mann aufzustellen. Schiller sagt über ihn: “Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte.” Er ist der größte Magnat Böhmens, Herr eines nordböhmischen Besitzes um Friedland, Reichenberg und Jitschin, insgesamt 9.000 Quadratkilometer. Er war “stolz wie Lucifer“. Den kaiserlichen Räten gab er höchstens widerwillig Auskunft. Er war verschlossen, unnahbar, er ordnete nur an und befahl. Ein Fürst seiner Zeit, war er prachtliebend. Sein Prager Palais gehört bis heute zu den Sehenswürdigkeiten. Sein Hofstaat hat 899 Personen und 1.072 Pferde. Er ist ein fürsorglicher Landesherr. Die Strenge in seinem Heer kann man nur positiv werten, wenn man hört, wie es die Soldateska - egal welche - trieb. Die Klageschrift “von des Tillyschen Kriegsvolcks verübungen” schildert, wie dessen Soldaten die Landbevölkerung “feindselig urplötzlich  ... überfallen ... in ihren Häusern, auf den Wegen, in Holz und Feld mit Weib und Kind erbärmlich niedergehaut und zermetscht, darunter der Kindbetterinnen und kleinen Kinder nicht verschont, deren etliche den Müttern an den Brüsten getötet; den Priestern ... unsäglichen Schimpf und Marter angetan, teils totgeschlagen, darunter auch armer, alter, lahmer Krüppel ... nicht geschont, ..., anderen die Zunge gespalten, ..., ehrbare Frauen und Jungfrauen genotzüchtigt, ..., ja auf den toten Körpern ihre Schande getrieben.” Wo diese Truppen durchzogen, sei das Land auf einer Länge von mehr als achtzig Meilen “ganz und dermaßen ruiniert, dass es ... sich nicht wieder wird erholen können.”


Wallenstein wusste, dass das Plündern auch aus der Not der Söldner kam, deshalb zahlte er gut. Und weil disziplinlose Söldner, wenn es ihnen nicht passte, wieder “von der Fahne gingen” und deshalb solche Truppen kaum Kampfwert hatten, versuchte er ein dauerhaftes Heer zu schaffen. Wallenstein ist unabhängig von der Liga und steht über deren Feldherrn Tilly. Dieser alte Troupier meint, dass eine Armee mit mehr als 40.000 Mann nicht „im Felde“ zu halten sei. Wallenstein wird 150.000 Mann kommandieren.


Als die norddeutschen Fürsten den Sohn des Dänenkönigs zum Verwalter des Bistums Halberstadt machen wollen, bekommen die katholischen Heere Marschbefehl nach Norden. Die protestantischen Bistumsverweser werden vertrieben, ebenso die Herzöge von Mecklenburg. Wallenstein, der Herzog von Friedland, wird jetzt auch Herzog von Mecklenburg und damit Reichsfürst, dazu noch “General des ozeanischen und baltischen Meeres”, für ihn kein leerer Titel, wie seine Flottenpläne und der Baubeginn eines Ostsee-Nordsee-Kanals beweisen. Doch obwohl er bis nach Jütland vorstößt, scheitert sein Plan, die Hansestädte für den Krieg Österreich-Spaniens gegen die Niederländer zu gewinnen.


Um diese Zeit landet Peter Minewit - holländisch Minuit - aus Wesel als Generaldirektor der niederländischen Besitzungen in Nordamerika. Für Glitzerkram kauft er den Indianern Manhatten, “New Amsterdam”, später “New York”, für schätzungsweise vierundzwanzig Dollar ab.


Kaiser Ferdinand II. stand auf einer Machthöhe, die ihn selbst überrascht haben muss. Ihm ist zu allererst an der Wiederherstellung des rechtmäßigen Glaubens - wie er es sieht - und an der Stärkung seiner Dynastie gelegen. „Der Friedländer“ ist dagegen in Religionsfragen lau.


Der Kaiser konnte wählen: Entweder Reichsreform zur Stärkung des Kaisertums bei Duldung anderer Religionen, um so die deutschen Länder zu einer funktionsfähigen Föderation zusammenzufassen, oder Rekatholisierung, deren Preis feststand: Noch stärkere Verfeindung der beiden religiösen Lager und Krieg bis zum Ausbluten. Dazu ist von der britischen Historikerin Wedgwood gesagt worden, dass den Deutschen des Dreißigjährigen Krieges etwas mehr Despotismus nicht geschadet hätte, ihnen vielmehr wohl die Hälfte des Krieges erspart und ihnen einen von der Etsch bis an den Belt reichenden Nationalstaat beschert hätte. Ferdinand verdiene “von den heutigen Deutschen mehr Anerkennung als ihm gezollt wird”, weil er der letzte Kaiser gewesen sei, “der die Einigung Zentraleuropas versucht habe.” Hat er das?


Weil Ferdinand II. die zweite Alternative wählte, programmierte er damit nicht allein die Fortsetzung dieses ruinösen Krieges. Richelieu, der sein Frankreich brutal zentralisierte und die Hugenotten vernichtete, führte dagegen seine Nation zur Hegemonie über Deutschland bis 1870.


Trotz der missglückten Belagerung des wichtigen Ostseehafens Stralsund war Wallenstein die stärkste Macht. Den Fürsten war er zu stark. Jetzt erließ Ferdinand ein Edikt, das die Rückführung aller Gebiete vorsah, die seit dem Augsburger Religionsfrieden anno 1555 protestantisch geworden waren. Das waren die Erzbistümer Bremen und Magdeburg, 12 norddeutsche Bistümer und ein halbes Tausend Klöster und Abteien. Millionen hätten katholisch werden müssen. Zu den religiösen Beweggründen kamen dynastische. Der zwölfjährige Erzherzog Leopold sollte die Bistümer Magdeburg, Halberstadt und Bremen erhalten. Damit hatte der Kaiser den Bogen überspannt. Zudem ließ er sich in den spanisch-päpstlich-französischen Gegensatz verstricken.

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