1533 - 1648 1630

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Als Wallenstein entlassen wurde, war den auf dem Reichstag versammelten Fürsten bereits bekannt, dass Gustav Adolf mit 14.000 Mann in Pommern gelandet war. Sie schrieben ihm, sie sähen keine Veranlassung für sein “feindtätliches Vorgehen wider das Reich”. Für den Kaiser war das Anlanden dieses Königs “eines vereisten Landes an den Grenzen der Zivilisation” eher belustigend: “Da ham mer halt ä Feindl mehr”, soll er gesagt haben. Zunächst konfiszierte Gustav Adolf das Herzogtum Pommern. Der brandenburgische Anspruch auf das Land sollte später geregelt werden, wenn Brandenburg die Kriegskosten an Schweden zurückgezahlt habe. Nun wurden die Protestanten zurückhaltender. Nur Magdeburg verbündete sich mit ihm. Deshalb zog Tilly’s Heer vor die Stadt. Die Hamburger Konkurrenten verdienten gut an seiner Versorgung.


Noch immer wäre es möglich gewesen, Frieden zu machen. Als dann Magdeburg brennt, wirkt das wie ein Fanal. Die Protestanten behaupten, Tilly habe die Stadt anzünden lassen. Kaum wahrscheinlich. Die reiche Beute und die guten Quartiere hätten seine Soldaten für ihre Entbehrungen entschädigt. Höchstwahrscheinlich ließ der schwedische Kommandant, ein "feuriger Protestant", Feuer legen. Die Bevölkerung war ihm wurscht, und den Feind betrog er um den Erfolg. Der Papst feierte die Vernichtung Magdeburgs als “ein ewiges Wahrzeichen der göttlichen Milde”. Für Gustav Adolf war der Trümmerhaufen nun wertlos. Deshalb fiel er jetzt in Brandenburg ein und ließ sich die Hauptfestung Spandau ausliefern.

Darauf rückte Tilly in Sachsen ein. Das trieb dessen Kurfürsten ins Bündnis mit Schweden. Gustav Adolf marschierte gegen Tilly. In der Leipziger Ebene, bei Breitenfeld, schlug er ihn.

Jetzt steht den Schweden auch der Süden und der Westen Deutschlands offen. Gustav Adolf zieht südwärts. Nachdem er Tilly nochmals geschlagen hat, gibt es niemanden mehr, der den “Nordstern” stören könnte. Der “restituiert” jetzt das Eigentum anderer an seine Generäle und Helfer.


Angst beschleicht Maximilian von Bayern, der von der antihabsburgischen päpstlich-französischen Seite wieder ins kaiserliche Lager zurückkommt. Er drängt Ferdinand, ein neues Heer aufzubieten. Doch niemand kann das bezahlen. Wallenstein hatte es durch Kontributionen erhalten, die er den Städten und Gebieten auferlegte. Das war zwar auch Erpressung, aber Totschlag, Folterungen, Brandstiftung wurden vermieden, die Basis für Handel und Wandel blieb erhalten. Nur so konnte auch die Armada erhalten werden, denn die Kriegskosten waren horrend. Die 27.000 Mann des Liga-Heeres kosteten 4,5 Millionen Gulden. Demgegenüber hatte 1615 die ganze Habsburgermonarchie ein Steueraufkommen von 3,4 Millionen. Diese Verhältnisse bewirkten Gustav Adolfs Auf- und des Kaisers Abstieg. Als sein Heer nichts mehr bekam, war es gezwungen, sich einen anderen Nährvater zu suchen. So hatte der Schwedenkönig bald 40.000 und, nachdem er Tilly geschlagen hatte, gar 80.000 Mann.


Jetzt will der Schwedenkönig “Satisfaktion”. Darunter versteht er die Annektierung der ganzen Ostseeküste. Er will die Protestanten zusammenzwingen. Vielleicht will er mit ihrer Hilfe Kaiser werden. Er marschiert gegen Bayern. Am Lech vernichtet er Tilly. Nach der politischen Fehlentscheidung, dem Restitutionsedikt, und der militärischen, Wallensteins Entlassung, war guter Rat teuer. Jetzt hatten die Fürsten wirklich Ursache, ihre “teutsche Libertät” bedroht zu sehen.

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