1533 - 1648 1632

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Der Ausgang der Schlacht sei durch “Gottes Willen und der Reiterei Blödigkeit” bestimmt worden. Die Schweden hatten aber den Motor ihrer Kriegspolitik - ihren König - verloren. Der kurzsichtige, höchstens 1,62 kleine Zwei-Zentner-Mann hatte an diesem nebligen Novembertag Orientierungsprobleme. Nach einem Ellenbogendurchschuss konnte er seinen ebenfalls angeschossenen Schimmel nicht mehr halten, er ging durch, mitten hinein in kaiserliche Kürassiere.


Wohlweislich unterließ es der Reichsrat, zum Leichenbegängnis Gustav Adolfs ausländische Gesandte einzuladen. Niemand sollte die Armut Schwedens sehen. Er hätte daraus folgern können, dass der Einfall des Toten in Deutschland diese Armut wenigstens etwas lindern sollte. Durch seinen Tod war die Lage erst recht kompliziert geworden. Richelieu hatte jetzt die Hände frei. Erleichtert waren auch die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg, die sich diesem “Befreier” hatten beugen müssen.  Doch die schwedischen Heere blieben nach wie vor in Deutschland.


Der schwedische Kanzler Oxenstierna übernahm die Regentschaft für die elfjährige Königin Christine. Mit den vier oberdeutschen Reichskreisen, dem kurrheinischen, dem oberrheinischen, dem schwäbischen und dem fränkischen, schloss er den “Heilbronner Bund” zum Kampf für die Wiederherstellung des Protestantismus, freilich auch für die Entschädigung Schwedens. Seine Aktionskraft war gelähmt. Bernhard von Sachsen-Weimar, der sich von Schweden etwas versprach, wollte sich nicht dem Oberbefehl des Marschalls Horn unterstellen. Auch er ein Glücksritter. Er verlangte Franken. Und prompt machte ihn Oxenstierna zum Herzog von Franken.


Wallenstein nahm seine Armee in böhmische Winterquartiere zurück. Der Wiener Hof nahm das übel, denn die Soldaten sollten doch die Länder der Feinde leerfressen, nicht die eigenen. Der Feldherr verfiel zusehends. Seine Horoskopgläubigkeit und sein Astrologe, der ihn bespitzelte, beherrschen ihn.


Maximilian von Bayern, aber auch der Sohn des Kaisers und dessen Klicke bedrängten den alten Ferdinand, den unberechenbaren und befehlsverweigernden Generalissimus abzusetzen. Sohn Ferdinand gierte nach dem Oberbefehl, und einige Generäle, die sich die kaiserliche Gunst verdienen wollten, schwenkten auf die neue Linie ein. Ottavio Piccolomini, dem Wallenstein am meisten vertraute, denunzierte ihn am schlimmsten: „In summa Friedlandus exerzier allbereit das Amt eines Königs in Böheim“, schrieb er nach Wien. Diese Beschuldigung war sein Todesurteil, denn sie bedeutete nichts weniger, als dass der Feldherr seinem Dienstherrn, dem Kaiser, sein Königreich Böhmen nehmen wolle.

Der Kaiser setzte ihn daher ab und verhängte heimlich wegen Hochverrats und „notorischer reichsrebellio“ die Reichsacht über ihn. Den Geächteten durfte nun jeder „tot oder lebendig“ gefangen nehmen. Dabei dürfte  der Wunsch „lieber tot als lebendig“ die Vollstrecker geleitet haben. In seiner Isolation blieb dem Generalissimus die Beschleunigung seiner Katastrophe lange verborgen. Er zog sich mit nur noch wenigen Truppen nach Eger, dem heute tschechischen Cheb, zurück. Dort  wurde der “Napoleon Habsburgs” in der ehemaligen Kaiserpfalz im Nachthemd von eigenen Offizieren ermordet.


Sie und wir kannten und kennen freilich nur das Zerrbild des Mannes, der von der Syphilis verderbt worden war und erst als deren Folge “von der Parteien Gunst und Hass verwirrt” erscheint. Sie hat Körper und Geist so ruiniert, dass er schon bei Lützen aufs Pferd gehoben werden musste, dass seine Hand kaum mehr unterschreiben konnte, dass Hundegebell und Hahnenschrei ihn folterten, dass schließlich Verfolgungs- und Größenwahn und Verlust des Realitätssinns ihn dem gewaltsamen Ende zutrieben.

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