1533 - 1648 1644

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Der Regensburger Reichstag hatte sich 1641 auf die Entsendung von Bevollmächtigten geeinigt, die mit den Aufständischen und den eingefallenen Feinden Friedensbedingungen erörtern sollten. Drei Botschaftern des Kaisers gelang es jedoch nicht, die Franzosen und Schweden zu Gesprächen zu gewinnen. Darauf bot Ferdinand III. seinen deutschen Feinden einen Reichsdeputationstag und den fremden Mächten einen Friedenskongress in Münster an. Aber die Reichsstände bestanden darauf, auch die innerdeutschen Streitigkeiten auf den internationalen Kongress zu tragen. Ferdinand musste sich fügen. Erst 1644 wurde der Kongress in Münster eröffnet.


Das Morden und Brennen ging weiter. Die Franzosen prahlten gar, sie würden aushalten, bis sie ihre Ziele durchgesetzt hätten. In der sehr ländlichen Kleinstadt litten sie spürbar am Mangel delikater Zerstreuungen. Einer bezeichnete die noch sehr ländliche Stadt als “la ville aux cochons” und der kaiserliche Delegationsleiter schickte seinen ersten Bericht aus “Münster hinter dem Saustall”.


Es dauerte ein halbes Jahr, bis man sich über die Sitzordnung und den Vorrang der Gesandten einigte: “Die Deputierten von Brandenburg und Mainz sprachen sich gegenseitig den Vorrang ab, ebenso der venezianische Vermittler und der Bischof von Osnabrück. Der führende französische Gesandte wollte nicht erscheinen, wenn ihm nicht der Titel 'Hoheit' gegeben würde, und konnte niemals mit den spanischen Abgesandten zusammentreffen, da man sich über die Formalitäten nicht einigen konnte. Der päpstliche Nuntius ließ sich in der Hauptkirche einen Baldachin errichten, und die Franzosen bestanden darauf, dass er ihn wieder abtragen ließ. Die Spanier plünderten das Haus des portugiesischen Delegierten, die Holländer verlangten den Rang einer Monarchie. ... Wie jemand bemerkte, würde das Kind, mit dem die Gemahlin des französischen Gesandten schwanger ging, vor Ende des Kongresses erwachsen, gestorben und begraben sein.”


Der Kongress fand in zwei Gruppen statt: Schweden und die deutschen Protestanten in Osnabrück und Frankreich und die deutschen Katholiken in Münster. Daran hingen zwei Bleigewichte: Der Friede zwischen Frankreich und Spanien und der Friede zwischen Spanien und den Niederlanden. Frankreich und Spanien saßen damit immer am Tisch. Frankreich redete in die Verhandlungen der Holländer als dessen Verbündeter ebenso hinein wie Spanien als Verbündeter des Kaisers in die zwischen dem Reich, Frankreich und Schweden. So agierten neben- und durcheinander hundertachtundvierzig Gesandte - fast jeder empfänglich für “Realdankbarkeit”, was Bestechung auf Barock hieß - davon siebenunddreißig ausländische. Kaiserlicher Chefunterhändler war Graf Trautmannsdorf. Die Ankunft des zum Fürchten hässlichen Riesen erfolgte bei Nacht. So bekam niemand Gelegenheit, sich über zu viel oder zu wenig Prachtentfaltung zu entrüsten.


Was in Münster und Osnabrück herauskam, trug die Unterschriften der ausländischen Feindmächte, die zu Garanten der deutschen Ordnung und zu Protektoren der deutschen Ohnmacht geworden waren. Da Schweden in Norddeutschland deutsche Gebiete bekam, wurde es deutscher Reichsstand. Und da Frankreich fast das ganze Elsass erhielt, wäre es beinahe auch im deutschen Reichstag stimmberechtigt gewesen.


Am verhängnisvollsten aber war, dass jedem Landesherrn Souveränität zugesprochen wurde. Nach Frankreich und Schweden waren sie die Gewinner. Jeder hatte nun das Recht, Bündnisse mit jedem von ihnen, aber auch mit ausländischen Staaten zu schließen, “sofern sie nicht gegen Reich und Kaiser gerichtet seien” - eine Proforma-Einschränkung, wie später Preußens großer Friedrich demonstrierte. Während bis dahin beim Paktieren mit ausländischen Feinden - theoretisch - einem deutschen Fürsten ein Hochverratsprozess drohen konnte, bekamen sie nun einen Freibrief zu schrankenlosem Dynastenegoismus. Das Reich konnte keine Außenpolitik mehr machen, auch kaum mehr Innenpolitik. Das Reich verdient diesen Namen nicht mehr, es ist nur noch eine tönerne Form.


Die ehemaligen Stützen der Kaisermacht, die drei geistlichen Kurfürstentümer, sind morsch, die Macht der Reichsstädte und freien Städte ist gebrochen, ebenso ist die Hanse am Ende. Die Mächte, die Deutschlands Zukunft bestimmen, sind die österreichischen Länder, dann Bayern, Brandenburg, allenfalls Sachsen.


Frankreich steht am Rhein. Mit rechtsrheinischen Festungen hat es den Fuß in der Tür nach Deutschland. Die einst vom “Judas von Sachsen” ausgelieferten Bischofsstädte Metz, Toul und Verdun kann es sich jetzt rechtmäßig einverleiben. Durch den Landgewinn hat es auch die „spanische Straße“, die Versorgungslinie, die von Genua in die Niederlande führte, unterbrochen. Spanien muss die nördlichen Niederlande aufgeben. Sie und die Schweiz werden aus dem Reichsverband entlassen. Schweden ist Herr über die Ostsee geworden. Es bekommt Vorpommern mit Rügen, Stettin und Wismar, sowie die Bistümer Bremen - ohne die Stadt - und Verden. Brandenburg fühlt sich geprellt, obwohl es Hinterpommern erhält und durch den Gewinn der Stifte Kammin, Halberstadt, Minden und Magdeburg der deutsche Gewinner des Krieges ist. Kursachsen erhält die böhmischen Lausitzen, Bayern die Oberpfalz und die Kurwürde des rheinischen Vetters. Der erhält die Rheinpfalz zurück, dazu eine neue, achte, Kur.


Bis zum Friedensschluss lagerte ein schwedisches Heer in Mähren. 1645 waren die Schweden an die Donau vorgedrungen. Nur die Pest in ihrem Heer hatte Wien gerettet. Und um ein Haar wäre der Kaiser in Eger gefangen worden. Buchstäblich auf der Schwelle seines Schlafzimmers lieferte der General Jan van Werth  in Unterhosen dem schwedischen Kidnapping-Kommando eine Säbelpartie. Der ungarische Rebell Rákóczy  marschierte gegen Wien. Noch 1646 lassen die Franzosen und die Schweden die Bayern alles das entgelten, was ihr Herzog büßen sollte. Ein anderes Schwedenheer unter Königsmarck will Prag nehmen. Der Handstreich misslingt zwar, aber Ferdinand muss fürchten, Böhmen zu verlieren.

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