1658 - 1715 1701

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Auch er, der 17, wollte König werden. Im Reich konnte es nach der Goldenen Bulle von 1356, die noch geltendes Reichsgesetz war, nur einen König geben: den von Böhmen, der seit langem der Kaiser war. Der Brandenburger musste also seinen Wunsch außerhalb befriedigen. Das ließ sich drehen, denn er war ja Landesherr in Preußen, wenn auch nicht von Preußen, denn die größere Hälfte davon gehörte zu Polen. So kam nur der Titel “König in Preußen” heraus. Den Kaiser hatte er trotzdem fragen müssen. Der hatte eingewilligt - für die Anerkennung seiner Erbansprüche auf Spanien, ein Bündnis mit ihm gegen Frankreich und zehntausend Soldaten. Außerdem sollen sechs Millionen Taler Bestechungsgeld nach Wien gegangen sein.


Kurfürst Friedrich III. zog also mit eintausendachthundert Kutschen und dreitausend Pferden auf die mehr als siebenhundert Kilometer lange Reise nach Königsberg, um als König Friedrich I. . zurückzukehren. Das aber erst nach den sechs Monate dauernden Krönungsfeierlichkeiten. Dieser Aufwand überstieg zwar Preußens Finanzkraft, er war aber eine glänzende Investition. Der Kaiser hatte gemeint, dass es ihm egal sein könne, ob sich der Markgraf mit “Durchlaucht” oder “Majestät” anreden ließe. Prinz Eugen dagegen soll gesagt haben, dass man die kaiserlichen Räte hängen lassen sollte, die ihm dazu rieten. Für des Königs Enkel Friedrich den Großen waren die Krönungsfeierlichkeiten nur "asiatischer Prunk".

Prachtentfaltung hatte jedoch zu dieser Zeit politische Funktion. Selbst für Montesquieu war "Prunk und Glanz, der Könige umgebe, Teil ihrer Macht." Diese Auffassung war damals so selbstverständlich "wie kein Heutiger die Notwendigkeit und Wirksamkeit des Werbefernsehens zu bestreiten wagen würde." Der selbstherrliche Enkel hat nicht einmal erkannt oder nicht wahr haben wollen, dass er ohne die gewonnene Königswürde kaum "der Große" geworden wäre. Tatsächlich war diese Rangerhöhung "ohne Frage der gewichtigste und folgenreichste Moment in der vierhundertjährigen dramatischen Geschichte des Hauses Hohenzollern." Sie war auch nur in diesem Moment möglich. Der Kaiser brauchte nämlich dringend Hilfe, denn er stand allein, als der Spanische Erbfolgekrieg, der erste weltumspannende Krieg, unabwendbar wurde. Und er musste, wollte er seine Reputation und das Ansehen des österreichischen Kaisertums als europäische Macht nicht aufs Spiel setzen, um das spanische Weltreich mit Frankreich kämpfen. Dazu brauchte er auch die 10 000 Soldaten, die ihm der Brandenburger als Gegenleistung vertraglich zusicherte.

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