1658 - 1715 1716

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Wieder ging es gegen die Türken. Prinz Eugen besiegte sie bei Peterwardein und eroberte Temesvar. Im Jahr darauf belagerte er Belgrad. Bald wurde sein Heer von einem weit stärkeren türkischen unter den Mauern der Festung eingeschlossen. Jetzt war er in der gleichen Lage wie Kara Mustafa 1683 vor Wien. Er musste die Ausbruchs-Schlacht wagen. Der nächtliche Donaunebel verschleierte zwar seine Vorbereitungen, doch er nahm den Truppen auch die Orientierung. Als die Nacht-Schlacht versehentlich zu früh begann, wird er vielleicht das Gleiche gedacht haben wie der britische Flottenchef Jellicoe 1916 in der Skagerrak-Schlacht: “Ich wollte, jemand könnte mir sagen, wer schießt und auf wen er schießt.” Als dann aber die Morgensonne den Nebel fraß, hatte Eugen seinen größten Sieg errungen. Das Lied vom “edlen Ritter” machte den Reichsmarschall volkstümlich.


Jetzt wehte der kaiserliche Doppeladler über Neapel und Palermo, Antwerpen und Brüssel, über Belgrad, Freiburg, Hermannstadt und Triest, über Mailand und Breslau. Die den Türken abgenommenen weiten Räume mussten besiedelt werden. Auf den  “Ulmer Schachteln” schwamm der Bevölkerungsüberschuss Südwestdeutschlands zu deutschen Außenposten an Donau, Theiß und Save. Zum Schutz des Landes schuf man die k.k.  Militärgrenze, eine Verteidigungszone gegen türkische Streifscharen. Denn Frieden bedeutete dort keineswegs Ruhe vor plötzlichen Überfällen, vor Verschleppungen, Plünderungen und Brandschatzungen. Die hier angesiedelten Kroaten, Rumänen, Serben und Deutschen waren eine Miliz, die ihre Äcker mit schussbereiten Waffen bestellte, die Sonderrechte und eine militärische Verfassung hatte. Gleichzeitig war die Militärgrenze ein Cordon sanitaire; Pest und Pocken kamen nun seltener nach Mitteleuropa durch.

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