1740 - 1778

postheadericon Preußen gegen Österreich

oder: Der deutsche Dualismus


Fast gleichzeitig war der Tod auch über Friedrich Wilhelm , den König in Preußen, gekommen. “Seine Majestät war gestern mein Gast. Er dinierte, soupierte und kotzte wie ein Wolf”, hatte der österreichische Gesandte über ihn geschrieben. Ein Beispiel für einen “lustigen Jugendstreich” ist ein Spaziergang des damaligen Kronprinzen über eine Kuhweide, bei dem er mit dem Säbel den Kühen die Schwänze abschnitt, um den schlafenden Hirten zu ärgern. Ähnlich “kultiviert” verliefen seine Abende im “Tabakskollegium”. Die Vergnügungen an diesem Stammtisch waren Pfeiferauchen, Biertrinken und den Präsidenten der Akademie der Wissenschaften, das Fliegengewicht Gundlingen, besoffen machen und die Späße bejohlen, mit denen man ihn schließlich in den Tod trieb. Dessen Vorgänger Leibniz war für diesen König nur ein “närrischer Kerl”, der nicht einmal zum Wachestehen tauge. Den damals berühmten Philosophen Wolf vertrieb er aus seiner Universität Halle, weil er sich weismachen ließ, dass dessen Philosophie seine Soldaten zur Desertion verleite.


Über seine Soldaten ging dem “Soldatenkönig” nämlich nichts. Das Höchste waren für ihn die „Langen Kerls“. Wo immer möglich, ließ er große Burschen kidnappen, einmal sogar einen Pfarrer vom Altar weg. Fremde Fürsten konnten viel von ihm haben, wenn sie ihm ein paar große Bauernburschen schickten. Wenn es gar nicht anders ging, bezahlte der Geizhals sogar für sie. Den Josef Groß aus Eggenthal bei Kaufbeuren kaufte er wegen seiner herausragenden zwei Meter zehn für 5.532 Gulden und 30 Kreuzer. Das wären heute etwa hunderttausend Euro.


Seine Untertanen, ja sogar seine Familie, fürchteten den zornbebenden Monarchen von 125 Kilo Lebendgewicht und 2,60 Meter Bauchumfang. Einmal riss ein Jude vor ihm aus. “Warum bist du weggerannt?” - “Weil ich mich gefürchtet habe”, antwortete der Zitternde. Da hieb der König auf ihn ein und schrie: “Lieben, lieben sollt ihr mich, nicht fürchten!” Wie aber kann man einen lieben, der sogar seinen Sohn und Kronprinzen öffentlich blutig schlägt, ihn würgt, mit dem Säbel bedroht, sich von ihm die Stiefel küssen lässt. Und das nur, weil der Sohn ein Schöngeist ist, doch für den Alten nur ein Weichling. Der Sohn übersteht seine Jugend nur durch Verstellung. Während eines Staatsbesuches will er fliehen.

Der Plan misslingt. Der König hätte den Sohn erstochen, wenn sich nicht Generäle dazwischengeworfen hätten. Der Vater verurteilt ihn zum Tode, doch der Kaiser lässt dies nicht zu.


Die eheliche Anbindung Preußens an Österreich hatte den Prinzen Eugen beschäftigt. Doch sein Geheimdienst hatte vom Staatsbesuch des Preußenkönigs und seines Kronprinzen am galanten Hof Augusts des Starken berichtet, an dem sich Preußens Fritz einen Tripper eingefangen hatte. Danach hielt man ihn für zeugungsunfähig.


In den letzten Jahren seiner Kronprinzenzeit hätte man glauben können, bei seinem Regierungsantritt werde er Preußen zu einem aufgeklärten Arkadien  machen. Aber ein guter Beobachter hatte berichtet: “Sein Charakter ist Misstrauen und Verstellung. Er … achtet auf das Geringste, was seine Nachbarn tun; somit wird er keine Gelegenheit versäumen, um aus ihren Fehlern Nutzen zu ziehen. Er ist großmütig und bestechend in Worten, höflich und huldvoll gegen die, die er nötig hat, aber hart und unerbittlich, wenn sein Interesse im Spiel ist.” Sein Vater hatte ihn durchschaut: „Du bist von Natur falsch und betrügerisch!” - Aber seine Toleranz? Sie ist, wie vieles über ihn, nur eine Lesebuchgeschichte. Ihm war Religion einfach wurscht. Aber Gleichgültigkeit ist eben keine Toleranz. Und seine Aufklärung? Sie war beschränkt auf seine Bomots an seiner Tafelrunde. Seinen Untertanen blieb sie unbekannt.

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