1789 - 1813 1804

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Das deutsche Kaisertum ist nur noch ein Überbleibsel des Mittelalters. Die Zeit ist reif für andere Kaisertümer. Bonaparte machte sich zum Kaiser der Franzosen. Alle Freiheitsfreunde befiel Ernüchterung. Die Revolution, die das Gottesgnadentum stürzen wollte, hatte es wieder inthronisiert. Beethoven zerriss die Widmung seiner Symphonie Nr. 3 an den “echt republikanischen Helden Napoleon Bonaparte”. Ihr neuer Titel hält nur noch die Erinnerung an einen Gewesenen fest: “Sinfonia eroica, composta per festiggiare il sovenire di un grand uomo” - Heroische Symphonie zur Erinnerung an einen großen Mann.


Für Napoleon ist der Vorläufer seines Kaiserreiches das Regnum Francorum Karls des Großen. Karl ist für ihn ein französischer Kaiser. Die deutschen Nachfolger Karls sind in diesem Geschichtsbild nur fremde Usurpatoren. “Vergessen Sie nicht”, schreibt er an den Papst, “dass ich Karl der Große bin und dass Rom infolgedessen zum Kaiserreich gehört.”

Deshalb wird er seinen Sohn zum “König von Rom” machen und Italien zu Frankreich schlagen. Auch deshalb wird er den Rheinbund schaffen, der Westdeutschland in seinen Machtbereich bringt und damit auch den karolingischen Großraum Frankreich-Italien-Westdeutschland wieder vereinigt.


Weil sein Kaisertum nur französisch sein will, bietet Napoleon, wie Bonaparte jetzt genannt wird, den beiden deutschen Vormächten die Erhebung zu Kaisertümern an. Der Preußenkönig lehnt irritiert ab. Kaiser Franz II., dem seine Räte das Ende des alten Reiches vor Augen stellen, entschließt sich zu diesem Ersatz-Kaisertum. Napoleon wollte ihn als Kaiser von Ungarn und Böhmen aus dem deutschen Bewusstsein hinausdrängen. Doch am 10. August 1804 wird Franz II. zum “Kaiser von Österreich” proklamiert.


Bevor sich Napoleon zum Kaiser gemacht hatte, wurde er zum Mörder eines Bourbonen-Prinzen. Dieser Herzog von Enghien war zum Halsbandaffären-Kardinal Rohan in dessen - jetzt badisches - Städtchen Ettenheim ins Exil gegangen, weil er dessen Nichte liebte. Er wurde auf badischem Gebiet gekidnappt und nach kurzem Scheinprozess erschossen. Napoleons moralischer Kredit fiel auf einen Tiefpunkt. Der Zar verweigerte ihm den Kaisertitel und verbündete sich mit den Briten. Die führten wieder Krieg, denn die Franzosen hatten das dem englischen König gehörende  Hannover besetzt, obwohl sie es im Baseler Frieden als neutral anerkannt hatten.


Napoleon hatte im Zeltlager von Boulogne eine große Armee zusammengezogen, um England zu erobern. Aber er hatte die britische Kriegsmarine zu fürchten. Dank ihrer 150 Linienschiffe und ihrer Kanonen hatte England seine Kolonien stark vermehrt. Napoleon sah ein, dass er Louisiana, das damals vom Golf von Mexiko bis an die kanadischen Seen reichte, nicht halten konnte. So verkaufte er das reiche Land an die Vereinigten Staaten. Mit den erlösten 15 Millionen Dollar wollte er seine England-Invasion finanzieren. Die mehr als 23 Tonnen Feingold verzehnfachten das Grundkapital der sogleich gegründeten Bank von Frankreich. Napoleons Verkauf verdoppelte auf einen Streich die Fläche der Vereinigten Staaten. Er legte damit den Grundstein zur US-amerikanischen Weltmacht.


Er will England ruinieren. Die Einfuhr englischer Waren ist verboten. Kein britisches Schiff darf einen kontinentalen Hafen anlaufen. In Europa werden britische Waren einschließlich der “Kolonialwaren” Mangelware. Es gibt keine englischen Metallwaren mehr und keine Tuche aus Manchester, und das Essen wird immer fader, weil man keine Gewürze mehr bekommt. Hat man auf dem schwarzen Markt geschmuggelten Kaffee oder Tee zu aberwitzigen Preisen ergattert, muss man ihn ohne Zucker trinken. Wenn auch der Chemiker Markgraf in Berlin Zucker in besonderen Rüben findet und der Physiker Achard in Schlesien die erste Zuckerfabrik baut, ist das für die notleidenden Deutschen kein Trost. Sie trifft der Wirtschaftskrieg härter als Briten und Franzosen.

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