1789 - 1813 1805

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Im Sommer 1805 wurde Napoleon gemeldet, seine Flotte könne das Übersetzen der Invasionsarmee zur Eroberung Englands nicht mehr decken. So wendet er sich gegen Englands Verbündeten Österreich. Die österreichische Donau-Armee schickt ihre Vorkommandos nach Westen, und Generalquartiermeister Baron von Mack wagt einen Vorstoß bis nach Ulm. Napoleon umgeht ihn. Dabei lässt er ein ganzes Korps durch preußisch-ansbachisches Gebiet marschieren. Die Korps Lannes, Soult, Murat, Marmont und Bernadotte setzen erst donauab bei Günzburg, Donauwörth, Neuburg und Ingolstadt über die Donau und überschwemmen Bayern. Ney treibt die Österreicher nach Ulm hinein. Mack muss mit 25.000 Mann kapitulieren.


Dies ist das Meisterstück eines frühen James Bond, den Mack zu seinem Geheimdienstchef gemacht hatte, der aber für Napoleon spioniert. Charles Schulmeister erhält für seinen Coup eine Jahresrente von 40.000 Francs, der Marschall Ney den Herzogstitel “von Elchingen“. Dem Kaiser der Franzosen ermöglicht diese “Kesselschlacht” einen schnellen Durchmarsch seiner “Grande Armée” von 200.000 Soldaten bis Wien. Etwa zwanzig Kilometer südöstlich der mährischen Hauptstadt Brünn kommt es dann zur Schlacht. Als die "Sonne von Austerlitz" den Nebel des Vorwintertages durchbricht, bescheint sie Napoleons glänzendsten Sieg. Das russisch-österreichische Heer verliert 27 000 Soldaten, 40 Prozent seines Bestandes.

Napoleon und seine Armee standen auf dem Höhepunkt ihrer Stärke. Seine Marschälle waren alle erst Mitte dreißig, Bernadotte mit 41 fast schon ein älterer Herr. Keinem war an seiner Wiege ein so kometenhafter Aufstieg gesungen worden: Lannes etwa war der Sohn eines Stallknechtes, Färbergeselle, dann Feldwebel der Revolutionsarmee. Masséna, Sohn eines kleinen Weinhändlers aus einem Dorf bei Nizza, war Schiffsjunge, bevor er Soldat wurde. Lefebvre war ein elsässischer Müllerssohn. Augereau war ein Pariser Gassenjunge, der als Lakai und Kellner in dunklen Kneipen sein Stück Brot verdiente. Michel Ney schließlich war der Sohn eines Böttchers aus dem württembergischen Wachendorf, der nach Saarlouis gezogen war. Sohn Michel wurde Kanzleidiener und Schreiber, bevor er zu den Soldaten ging. Sie waren vorher nichts, nun verdanken sie dem Kaiser, mit dem sie groß wurden, alles. Ihre Herzogs- und Fürstentitel sind die Orte seiner und ihrer Siege. Sie kennen nichts Schöneres, als mit ihm zu siegen. Sie sind und reden wie der junge General, der von Spanien nach Deutschland versetzt wird: “Ich reise über Paris, das ist der kürzeste Weg. Ich werde um fünf Uhr morgens ankommen, mir ein Paar Stiefel bestellen, meiner Frau ein Kind machen und dann nach Deutschland weiterreisen.” Es ist die Sprache von Eroberern.


Kaiser Franz schrieb dem Zaren, der mit dem Rest seiner Truppen nach Osten entwichen war, der in Preßburg geschlossene Friedensvertrag “... hat mich gezwungen, auf einen Teil meiner Provinzen zu verzichten, um die ... zu retten, die ich behalte.” Friaul, Dalmatien und Istrien mussten an das neue Königreich Italien, Tirol mit den Bistümern Trient und Brixen sowie Vorarlberg an Bayern abgetreten werden. Auch die Reichsstädte Augsburg und Nürnberg bekam Bayern. Die österreichischen Besitzungen in Oberschwaben, im Schwarzwald, im Breisgau und in der Ortenau durften sich Württemberg und Baden nehmen. Für ihr Mitmachen wurden Bayern und Württemberg Königreiche. Dafür forderte der mächtige Mann verwandtschaftliche Bindungen. Prinzessin Auguste von Bayern musste den Stiefsohn, der Erbprinz von Baden die Adoptivtochter Napoleons heiraten, Prinzessin Katharina von Württemberg seinen Bruder Jérôme. Die Ehestiftungen erfolgten echt napoleonisch. Seinem Stiefsohn schrieb er aus München: “Ich habe Ihre Heirat mit der Prinzessin Augusta schon angezeigt ... Hier  ihr Portrait auf einer Tasse. Sie ist besser als das.” Dem Vater der Braut sagte er: “Wenn Sie abgelehnt hätten, ... hätte ich sie von einem Kürassierregiment entführen lassen!”


Die Verleihung der Königskronen an Bayern und Württemberg durch den Kaiser der Franzosen zeigte jedem, dass der deutsche Kaiser in seinem Reich nichts mehr zu sagen hatte. Auch war Österreich in Süddeutschland nicht mehr präsent.


Preußen hatte sich verpflichtet, Napoleon ein unannehmbares Ultimatum zu stellen, um sich dann der Allianz gegen ihn anzuschließen. Der Gesandte hatte sich aber nicht  getraut, Napoleon nach dessen Triumph von Austerlitz das Ultimatum zu überreichen. Stattdessen trat er Ansbach, Kleve und Neuenburg an Frankreich ab. Preußen bekam dafür Hannover.


Die “Dreikaiserschlacht” von Austerlitz hatte - anders als die kurz davor ausgetragene Seeschlacht von Trafalgar , die zunächst auch von England nicht als besonders bedeutsam gewertet wurde - sofortige und größte Wirkungen. Napoleon war zum Herrn fast ganz Europas geworden. Um es zu bleiben, zerstörte er das sowieso schon irreale Reich der Deutschen vollends.

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