1789 - 1813 1809

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Bereits am 17. April haben seine Truppen die Donau von Donauwörth bis Regensburg erreicht. Sie stehen am Lech, die Österreicher aber nur mit einem Heeresteil an der Isar. Die anderen stehen in Franken, Sachsen, Polen und Italien, und auch den aufständischen Tirolern hat man Hilfe geschickt. Auf dem Hauptkriegsschauplatz aber ist man zu schwach.

Wenigstens gelingt noch das Entweichen nach Böhmen. Freilich hat das zur Folge, dass Napoleon wie 1805 einen fast freien Weg nach Wien hat. Von einem Tischchen eines Kaffeehauses, das von der noch ländlichen Mariahilfer Vorstadt einen guten Blick auf Wien bietet, leitet Napoleon den Artilleriebeschuss. Am 13. Mai kann er in Wien einreiten.


Inzwischen versammelt sich das österreichische Heer bei Korneuburg am nördlichen Donauufer. Um hinüberzukommen, besetzt Napoleon die große Insel Lobau unterhalb Wiens.

Über eine Schiffsbrücke bildet er einen Brückenkopf um die Dörfer Aspern und Eßling. Bevor er noch mehr Truppen herüberbringen kann, greift ihn Erzherzog Karl konzentrisch an. Die Schiffsbrücken werden vom Hochwasser, vor allem jedoch durch beschwerte Kähne und Brander mehrmals zerrissen. Die französische Armee, die zur Hälfte aus Rheinbündlern besteht und 44.000 Soldaten verloren hat, geht zurück. Für diesen ersten Sieg über Napoleon steht Erzherzog Karl neben Prinz Eugen in Erz auf dem Wiener Heldenplatz. Kein Denkmal bekam dagegen der Schiffsmeister Michael Fink aus Braunau am Inn, der ihm zur Unterbrechung der Schiffsbrücken geraten hatte. Er bat um Geheimhaltung, denn er wusste: Wenn nicht Napoleon, würden ihn die Bayern, denen sein Heimatstädtchen jetzt gehörte, dafür erschießen.


Die Hoffnung, dass sich ganz Deutschland erheben würde, erfüllt sich nicht. Nur der Oberst von Dörnberg putscht in Westfalen. Major Schill fällt im Straßenkampf in Stralsund, seine Offiziere werden in Wesel erschossen, die Soldaten müssen in Ketten auf die Galeeren. Der Herzog von Braunschweig, der Sohn des Valmy-Verlierers, zieht mit den Österreichern nach Sachsen, nimmt Halberstadt und Braunschweig, muss sich aber zuletzt auf englische Schiffe flüchten. Seine Truppe kämpft in Spanien weiter.


Gezündet hat der Funke der Freiheit nur in Tirol. An der Spitze des Aufstandes stand Andreas Hofer, Wirt, Wein- und Viehhändler aus dem Passeiertal oberhalb von Meran. Als Österreich den Krieg begann, rief er zu den Waffen. Wenige Tage nach Aspern wurden die bayerischen Truppen von den Tiroler Bauern am Berg Isel bei Innsbruck geschlagen. Napoleon schickte den Marschall Lefebvre mit 50.000 Mann. Doch auch seine Armee wurde am Berg Isel geschlagen, Tirol blieb ein Gefahrenherd im Rücken der Franzosen.


Der Franzosenkaiser residierte im Prunkschloss Schönbrunn. Wie die Österreicher, zog auch er seine Italienarmee an die Donau. Sechs Wochen nach Aspern kam es in der Nähe, bei Wagram, zur Schlacht. Die Österreicher waren stark unterlegen, so dass Karl die Schlacht abbrach und einen Waffenstillstand schloss. Dafür wurde er von seinem kaiserlichen Bruder “ungnädig verabschiedet”.


Kaiser Franz hätte ihm danken sollen, denn Napoleon hatte Karl die Nachfolge des Kaisers angeboten. Er hatte auch gedroht, der Dynastie Habsburg alle Kronen zu nehmen. Von allen Kronen waren dem Kaiser nur die von Ungarn und die von Böhmen geblieben. Die Russen hatten Galizien besetzt, England schickte keine Hilfe, Preußen war selbst hilflos. So musste Österreich im Oktober 1809 Frieden machen. Es musste über 110.000 Quadratkilometer abtreten, darunter das Innviertel, Salzburg und Berchtesgaden an Bayern, den Großteil von Kärnten, Krain, Görz, Gradisca, Triest, Istrien, Dalmatien und einen Teil Kroatiens an Frankreich, es musste das Heer auf 150.000 Mann abrüsten und 85 Millionen Francs an Frankreich zahlen. Der Staatsbankrott war gewaltig.


Jetzt war auch Tirol verloren. Von allen Seiten rückten Franzosen, Bayern und Rheinbundtruppen ins Land. Also griffen auch Greise und halbe Kinder zu ihren Säbeln und Stutzen. Im Paznauntal machten sogar die Frauen unter Führung der Pfarrhaushälterin mit: die “Frauenschlacht am Giggler-Tobel”. Am 4. August donnerte im Engpass von Mauls an der Brennerstraße eine Steinlawine in die sächsische Vorhut des französischen Generals Rouyer. Der Ort heißt noch heute “Sachsenklemme”. Das aufgeklärte Münchener Montgelas -System hatte die Bergbauern unnötig schikaniert. Die Bayern tauschten auch ihre Währung nur zu einem miesen Kurs um. Verschuldungen und Zwangsversteigerungen häuften sich. Obwohl sie wenig Empfindung für “Freiheit” gehabt haben dürften, hatten sie das Gefühl “von einer großen Ungerechtigkeit, einer Missproportion der Lasten und Rechte.”

Diese Gefühle drängten die Tiroler in die dritte Bergisel-Schlacht. Hofer wurde vom verschuldeten Knecht Franz Raffl für 1.500 Gulden verraten. In Mantua wurde er erschossen.


Graf Metternich, der Gesandte in Paris, hatte Stadion als Österreichs Außenminister abgelöst. Er kennt die Sorgen des Kaisers der Franzosen. Kaiserin Josephine bekommt keine Kinder. Napoleon hat sich von ihr scheiden lassen. Metternich will ihn durch Verheiratung an Österreich binden. Napoleon will eine kaiserlich-napoleonische Dynastie, damit er sicher weiterregieren kann. Dazu braucht er einen “Bauch”, wie er sagt, aber eben einen kaiserlichen. Marie Louise, eben neunzehn, fügt sich pflichtgetreu, während ihre Großmutter, die jüngste Tochter Maria Theresias und gewesene Königin von Neapel, schreit: “Alles, was mir in meinem Unglück noch gefehlt hat, war, des Teufels Großmutter zu werden!” Metternich aber schreibt seiner Frau: “Dafür werde ich das Vlies  bekommen.” Es war der angesehendste Orden, der in Europa zu vergeben war. Napoleon war nun endlich Mitglied der “Familie der Könige”.
Die Folge der Heirat war auch, dass sich die französisch-russische Allianz auflöste. Österreich konnte hoffen, dass sich die russische Bedrohung in ein Bündnis umwandeln ließe. Dann könnte die Befreiung Österreichs und Deutschlands möglich werden. Der Zar sah im Großherzogtum Warschau eine Provokation. Auch war Napoleon nicht auf seine Eroberungsgelüste im türkischen Raum eingegangen, er wollte Konstantinopel selbst. Schließlich hatte Russland von Napoleons Kontinentalsperre nur Nachteile, es machte sie nicht mehr mit.

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