1789 - 1813 1808

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Die städtische Selbstverwaltung wurde mit der Städteordnung auf den Weg gebracht. Ihre Einführung in den neuen Provinzen verzögerte Preußen aber lange: Die Westfalen und die neuen mitteldeutschen Provinzen erhielten erst 1831 eine revidierte Städteordnung, die Rheinländer durften erst 1850, ein halbes Jahrhundert nach den altpreußischen Städten, ihre Bürgermeister und Beigeordneten frei wählen. Und erst 1887 erhielt die Rheinprovinz die Selbstverwaltung. In Süddeutschland gab es ältere wie neuere Stadtrechte.- Als Stein seinen König zum Erlass einer parlamentarischen Verfassung zwingen wollte, wurde er entlassen. Tatsächlich gab der König fünf Versprechungen ab, eine Verfassung zu gewähren. Er brach alle. Weil die Junker Stein die Bauernbefreiung verübelten, spielten sie einen seiner antinapoleonischen Briefe den Franzosen zu. Napoleon ächtete ihn, Stein floh nach Prag.

Als sich auch Österreich mit Frankreich gegen Russland verbünden musste, folgte er einer Einladung des Zaren.


Auch wenn der Adel  auf dem Lande lange seine Privilegien erhielt , leiteten die Reformen Steins und seines Nachfolgers Hardenberg unter dem Druck der Niederlage gesellschaftliche Umbrüche ein: Der Bauer wird nicht nur Mensch sein dürfen, er wird Staatsbürger werden können. Er war nicht mehr an bäuerliche, der Bürger war nicht mehr an bürgerliche Tätigkeiten gebunden. Und auch der Adelige konnte nun bürgerliche Gewerbe betreiben. Tatsächlich jedoch blieb auf dem Lande "die Macht des Rittergutsbesitzers ... außerordentlich, und die Revolutionen von 1848 und 1918 haben sofort ... die Polizeigewalt der Rittergutsbesitzer für aufgehoben erklärt." Aber die Gegenrevolution stellte sie Ende 1848 wieder her und "die von der SPD geführte preußische Regierung brauchte nach 1918 volle zehn Jahre, um die Aufhebung" der Polizeigewalt der Rittergutsbesitzer "wirklich durchzuführen."


Schon spannte Napoleon seine Muskeln zum Sprung auf seinen Verbündeten, weil der seine Politik nicht mehr mitmacht. Der russische Hof hatte Alexander seinen Frieden mit dem Revolutionsungeheuer wegen der Kontinentalsperre übelgenommen, die den Getreide- und Holzhandel mit England zum Erliegen brachte. Viele warnten Napoleon: Im Falle eines Krieges würden “alle Gebiete zwischen Rhein und Oder zum Herd eines allumfassenden Aufstandes werden.” Er hielt im Mai 1812 in Dresden eine vierzehntägige Konferenz mit seinen Verbündeten, einschließlich des Kaisers von Österreich und des Königs von Preußen. Dann begab er sich nach Osten zu seinen Truppen.


Sie waren nur zur knappen Hälfte Franzosen, zur anderen sind es Polen, Holländer, Schweizer, Kroaten, Italiener, Dalmatiner, Portugiesen, Neapolitaner, auch 200.000 Deutsche, nämlich Hessen und Westfalen, Badener, Bayern und Württemberger, dazu 20.000 Preußen auf dem nördlichen Flügel, 30.000 Österreicher als “selbständiges” Hilfskorps und 40 Liechtensteiner, die ja auch zum Rheinbund gehören. Diese “Große Armee” stand östlich von Königsberg und Warschau, nach hinten gestaffelt bis Mitteldeutschland, insgesamt 680.000 Soldaten mit 200.000 Pferden und 1.146 Kanonen, die größte Armee, die jemals zu einem Feldzug aufgebrochen war. Noch auf dem Weg in die Bereitstellungsräume war sie aufgefüllt worden; vielen Dörfern Oberhessens etwa fehlte über Nacht eine ganze Generation seiner Männer.

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