1789 - 1813 1812

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Napoleons Armee fiel am 24. Juni 1812 auf drei über die Memel, dem Njemen, geschlagenen Pontonbrücken in Russland ein. Die Infanterie, nur versehen mit einer Brotration für vier Tage, marschierte sich die Sohlen durch, die Gäule der Kavallerie wurden lahm. Der nachfolgende Tross hatte nur Mehl für gerade drei Wochen. Stabschef Bertier bekam einen Weinkrampf, weil er mit seinen Fähnchen keine Feinde markieren konnte. Der französische Kaiser wartete Tag für Tag auf das Friedensangebot des Zaren. Der aber hatte sich vorgenommen, dass er bis nach Kamtschatka gehen würde, statt Frieden zu machen. Die Front hat zeitweise eine Ausdehnung von 1.100 Kilometer, die Nachschubwege sind schon zu lang. 110 Kilometer vor Moskau, beim Städtchen Borodino, will der Oberbefehlshaber Kutusow die Eindringlinge aufhalten. Die noch übriggebliebenen 134.000 “Franzosen” greifen an. Es wird ein Sieg, weil die Russen wieder zurückgehen. Am 14. September erreicht das napoleonische Restheer das fast menschenleere Moskau. Am Abend lässt der russische Statthalter die Stadt anzünden. Napoleon hat nur noch 95.000 Kampffähige.


Napoleon befiehlt am 120. Tag des Feldzuges den Rückmarsch. Er will auf einem südlichen Wege zurück, auf dem noch nichts verwüstet und ausgeplündert ist. Aber die Russen versperren ihm diesen Weg. Der Heerwurm wird immer länger, denn immer mehr Marode bleiben zurück. Am besten ist es für die, die einfach sterben, denn wer den Bauern in die Hände fällt, hat nichts Gutes zu erwarten. Das Kastrieren war eine gern geübte Belustigung. Hätte Napoleon bei seinem Einmarsch die Bauernbefreiung proklamiert, wären solche Grausamkeiten wenn nicht verhindert, so vielleicht vermindert worden, vielleicht das archaische Land auch insgesamt vorangebracht worden.- Die endgültige Vernichtung der zurückhumpelnden Armee-Reste schien gekommen, als die Russen vor den zurückflutenden Franzosen die Brücken über die Beresina abrissen. Aber Pioniere bauten zwei Brücken über den Fluss. Neun Zehntel von ihnen hielten im Eiswasser nicht durch. Doch für die letzten 40.000 der Hauptarmee war der Weg nach Wilna und Polen offen. Am 14. Dezember 1812 geht bei Einbruch der Nacht der letzte Soldat der ehemals großen Armee mit etwa zwanzig Württembergern und ein paar Frankfurter Stadtsoldaten über die Memel. Am Morgen darauf verschaffte er sich in dem ostpreußischen Grenzstädtchen Gumbinnen Eintritt in einen Gasthof, in dem General Mathieu-Dumas gerade frühstückte. Als er ihn hinauswerfen lassen wollte, rief der vermeintliche Landstreicher, den seine zerlumpte Uniform und sein von einem struppigen Bart überwachsenes ungewaschenes Gesicht unkenntlich gemacht hatten, im Befehlston: “Erkennen Sie mich nicht? Ich bin die Nachhut der ‘Großen Armee’, ich bin Marschall Ney!” Er schrieb später, dass nicht „russische Kanonen, sondern General Hunger und General Winter die Große Armee besiegt“ hätten. Wir müssen heute den General Flecktyphus hinzufügen. Aber auch die Russen waren am Ende. Auch von ihnen war ein Großteil verhungert und der Rest zu schwach, um die französischen Überbleibsel zu verfolgen.


Wochenlang hatte General York, der Befehlshaber der 17.000 Preußen im baltischen Korps, mit den Russen korrespondiert. Sie erwarteten von ihm den Abfall von Napoleon, der das Signal zum Aufstand gegen ihn werden sollte. Der Scharnhorst -Schwiegersohn Graf Dohna, der ebenfalls aus preußischen in russische Dienste gewechselte General von Diebitsch und sein Stabschef von Clausewitz beredeten den Starrkopf in der Nähe des Örtchens Tauroggen bei Tilsit zur Neutralisierung seiner Preußen. Um ihn an seiner Seite zu halten, hatte ihm Napoleon die französische Marschallswürde zugesagt und 20.000 Frs Rente. York erkannte die Gefahr für Preußen und die Junker, wenn er jetzt an der Seite des Verlierers blieb. Sein König, den er um Zustimmung gebeten hatte, ließ nur Orakelsprüche von sich. Doch auch ohne ihn wurde die Konvention von Tauroggen das Fanal für die “Freiheitskriege”.


Napoleon hat Metternich gestanden: “Die Franzosen können sich nicht über mich beklagen. Um sie zu schonen, habe ich die Deutschen und die Polen geopfert; ich habe im Feldzug nach Moskau 300.000 Mann verloren, aber es waren nicht mehr als 30.000 Franzosen darunter.” Wie hoch die deutschen Verluste waren, läßt ausschnittsweise eine Gedenktafel in Bayrischzell ahnen: 1812 hatte das Dörfchen 337 Einwohner. Davon blieben 11 auf den Schneewüsten Russlands.

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