1814 - 1848 1817

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In diesem Bewusstsein ziehen die Jenaer Studenten am 18. Oktober 1817 auf die Wartburg, um dort den dreihundertsten Jahrestag der Reformation zu feiern. Katholiken und Juden sind ausgeschlossen. Mitgefeiert wird der Jahrestag der Leipziger Völkerschlacht. Sie entzünden ein großes Sonnwendfeuer und verbrennen in Nachahmung Luthers Werners Luther-Drama, den Code Napoleon, Kotzebues “Geschichte des deutschen Rechts” und unter “Wehe den Juden”-Rufen Saul Aschers “Germanomania”. Sie werfen auch Symbole der “Reaktion” ins Feuer: einen hessischen Zopf, einen österreichischen Korporalstock und das Schnürkorsett eines Gardeleutnants. Das alles geschieht zwar mit Wissen des Landesherrn, doch wird das “Wartburgfest” im Jahr darauf Verhandlungsgegenstand des Aachener Kongresses. Die Regierenden hatten Angst vor der Revolution, Angst vor einer Gruppe von intelligenten jungen Männern, deren radikaler Flügel Volkswahlen zur Errichtung einer zentralisierten nationalen Republik wollte, der auch Tyrannenmord nicht ausschloss.


Metternich und der Zar wollten deshalb die Universitäten beaufsichtigen lassen. Ein Jahr später sticht der Theologiestudent Sand dem deutschen Schriftsteller und russischen Staatsrat von Kotzebue, “dem Verderber und Verräter meines Volkes”, so Sand, einen Dolch in die Kehle. Kotzebue hatte die Burschenschaft verulkt, er hatte Metternich in einem seiner Stücke karikiert, jetzt schrieb er Lageberichte über die deutschen Verhältnisse nach Petersburg. Sand wurde mit dem Schwert hingerichtet, nachdem ihn der Scharfrichter nach damaligem Brauch um Verzeihung gebeten hatte. Der „baute aus dem Schafott in einem Heidelberger Weinberg ein Gartenhaus, in dem dann die geheime Burschenschaft tagte: in Sands Schafott als Gast seines Henkers.“ Nach einem weiteren Mord vermuteten die Regierenden dahinter eine Verschwörung.


Im August 1819 trafen sich deshalb die Bevollmächtigten von Österreich, Preußen, Bayern, Hannover, Württemberg, Mecklenburg, Baden und Nassau in Karlsbad in Westböhmen, dem exklusivsten deutschen Kurort der Zeit. Ein heutiger Autor hat es beschrieben: “Das Bad, obwohl damals der Treffpunkt der eleganten Welt, ist für unsere Augen unendlich bescheiden ...”  Eine hölzerne Wandelhalle wird gebaut und von Goethe als “ein kühnes, vielleicht in früherer Zeit nicht denkbares Unternehmen” bezeichnet. Diese Bewertung zeigt, wie arm man war und wie der Luxus aussah, den sich “Hohe und Höchste Herrschaften” leisteten. Goethe war nie in Paris, nie in London oder Wien. Er, der von Hause vermögend ist, sein Ministergehalt und die höchsten Tantiemen unter den deutschen Literaten bezieht, lebt zwar beschaulich in seinem Haus, das ihm der Herzog geschenkt hat, aber verglichen mit dem Bungalow eines heutigen Handwerksmeisters äußerst ärmlich. Sein einziger Luxus ist die Reise ins Bad. Dort trifft sich die "Welt", die Fürstlichkeiten und Hochmögenden. Man muss dazu nicht krank sein. Ein Fürst schrieb nach Hause: “Das Bad ist gesund, schwanger wurden Frau und Hund.”


Dort sah diese "Gesellschsft" keine Normalbürger, die damals noch "Untertanen" waren. Die hätten sich gar nicht dorthin getraut. In noch größerem Abstand davon vegetierten die schwer Arbeitenden, aber trotzdem bitter Armen, jene, die "das ganze Jahr weder Brot noch Butter noch Bier zu sehen kriegen und nur von Erdäpfeln und Ziegenmilch leben, jene (Holz)Kohlenbrenner, Holzhauer und Glasbläser," die zu den Untertanen von Goethes Herzog gehörten.

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