1814 - 1848 1832

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Das “Hambacher Fest”, das zu Pfingsten 1832 stattfand, ist als das erste und einzige Nationalfest der Deutschen gepriesen worden. Man hatte Einladungen auch in die weitere Umgebung geschickt und von weither waren Abordnungen gekommen. Die Besucherzahlen schwanken zwischen 6.000 und 30.000. Es wurden Fahnen geschwungen und die Reden der Herren Wirth und Siebenpfeiffer handelten von der Beseitigung innerer und äußerer Gewalt, dem Kampf um die gesetzliche Freiheit und um die deutsche Nationalwürde. Über allen zum erstenmal die Fahne in Schwarz-Rot-"Gold" mit der Inschrift “Deutschlands Wiedergeburt”. Auf der betulichen Provinzler-Fete sind allerdings rebellische Töne nicht zu überhören. Einige Aufmüpfige sangen:


Fürsten zum Land hinaus, jetzt kommt der Völkerschmaus!
Raus, raus, raus, raus.
Wilhelm liebt Bürgermord, mit ihm aus Preußen fort, erschlagt den Hund!
Dem Deutschen Bundestag werft faule Eier nach! Kikeriki, Kikeriki!
Dann ist im Lande Raum, pflanzet den Freiheitsbaum!
Hoch, hoch, hoch, hoch!


Die Fürsten werden nicht mehr als hehre Denkmäler betrachtet, einige sind bereits dabei, sie zu demontieren. Der radikalste von ihnen ist Georg Büchner. Er schreibt 1834 in seinem HESSISCHEN LANDBOTEN: “Der Fürst ist der Kopf des Blutegels, der über euch hinkriecht, die Minister sind seine Zähne und die Beamten sein Schwanz ... Die Töchter des Volks sind ihre Mägde und Huren, die Söhne sind ihre Lakaien und Soldaten.” Büchner nennt Fakten: Aus den 700.000 Einwohnern des Großherzogtums Hessen-Darmstadt werden 6,3 Millionen Gulden gesogen. Davon verbraucht eine Million die Justiz, 1,5 Millionen das Finanzministerium, 0,91 Millionen das Militär, 480.000 Gulden sind für Pensionen, 174.000 sind für “die größten Schurken”, das Staatsministerium und den Staatsrat, und für den Großherzog und seinen Hof sind 820.000 Gulden reserviert. Büchners Kampfruf ist “Friede den Hütten, Krieg den Palästen”, denn er weiß von den Hungerrevolten der Bauern im Odenwald und um den Vogelsberg 1819 und 1830. Er versucht mit der Gründung der “Gesellschaft der Menschenrechte” die Armen und Rechtlosen zu organisieren.


Die Hambacher Festredner fanden sich in Gefängnissen wieder, wenn sie nicht geflohen waren. Ganz unmenschlich spricht das Berliner Kammergericht “Recht”. Es verurteilt noch wie im Mittelalter zum Rädern. Unter den zum Tode verurteilten ist der Student Fritz Reuter, später der bedeutendste niederdeutsche Dichter. Auch er hatte das “Treiberlied” gesungen - wegen der ansprechenden Melodie, sagte er. Der König hatte die “Gnade”, seine Todesstrafe in 30-jährige Festungshaft umzuwandeln.


In Hannover hatte Georg IV., König von Hannover, Großbritannien und Irland, dem Land 1833 ein Grundgesetz gegeben. Als er vier Jahre später stirbt, ist die Personalunion mit England beendet. König wird dort die “Queen” Victoria. König von Hannover wird ihr Onkel, der kaum deutsch kann. Er hebt die Verfassung auf. Sieben Professoren seiner Landesuniversität sagen ihm, dass das nicht rechtens sei. Sie werden gefeuert. Professoren, Huren und Baletttänzerinnen kann man für Geld überall haben, sagt der König. Die “Göttinger Sieben”, unter ihnen die Brüder Grimm und Wilhelm Weber, der mit Gauß 1833 die erste Telegraphenanlage gebaut hatte, wurden von anderen Universitäten übernommen.

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