1814 - 1848 1840

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Neuer König von Preußen ist Friedrich Wilhelm IV. , ein “christlichdeutscher Romantiker”. Auch er sah seinen Staat “halb als Vaterhaus, halb als Kirche übertüncht”. Er erließ eine Amnestie für die Opfer der Demagogenverfolgung, er lockerte die Pressezensur. Doch die Erwartungen, die man in ihn gesetzt hatte, erfüllte er nicht.


Beinahe hätte es Krieg gegeben. Ein General des Sultans hatte Ägypten, Kreta und Syrien in seine Gewalt gebracht. Frankreich stand hinter ihm. Russland, England, Österreich und Preußen hielten zum Sultan. Vor dieser Übermacht beugte sich der Rebell. Die Franzosen werteten das als nationale Demütigung. Man meinte wohl, die Gelegenheit zum Zerreißen der Verträge von 1814 und 1815 sei günstig und schrie: “Zum Rhein!” Darauf erscholl der gleiche Ruf auch östlich des Rheins. Es war die Stunde nationaler Gesänge.

Am bekanntesten wurde “Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein, ...” Darauf antwortete es von der anderen Seite: “Wir hatten ihn schon, euren deutschen Rhein!” Schneckenburger dichtete die “Wacht am Rhein” und Hoffmann von  Fallersleben “Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt”, die mit Haydns Kaiserquartett unterlegte spätere Nationalhymne, bis 1945 noch mit dem ursprünglichen Text: “Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt, …“


Auf Preußens König erfolgt ein Anschlag. Sympathie klingt im Lied vom Attentäter Tschech an, der “diesen dicken Mann auf drei Schritt nicht treffen kann.” Der war zuvor mehrmals an das Verfassungsversprechen seines Vaters erinnert worden. Er hatte auch Streit mit dem rheinisch-westfälischen Katholizismus. Es ging um die “Mischehe”. Als solche galt beispielsweise die Ehe eines protestantischen brandenburgischen Korporals mit einem katholischen kölnischen Wäschermädchen. Preußen verordnete, dass die Kinder in der Religion des Vaters erzogen werden sollten. Nach katholischem Kirchenrecht waren sie jedoch katholisch zu erziehen. Die Preußen sperrten deshalb den Kölner Erzbischof und den Erzbischof von Gnesen-Posen ein. Gegen so brutale Religionsunterdrückung machte die öffentliche Meinung mobil. Preußen musste nachgeben.


Die öffentlichen Meinungsmacher sind sehr unterschiedlich: der streitbare Katholik Görres, Fürst Pückler-Muskau, der verkrachte Student Herwegh, der entlassene Professor Hoffmann von Fallersleben, der Buchhalter Freiligrath, der das Ehrengehalt des Preußenkönigs zurückgab, bevor er seine “Glaubensbekenntnisse” schrieb. Heinrich Heine war da nicht so pingelig. Er hatte sich an Bayerns König Ludwig I. anzubiedern versucht, weil er an der Münchener Universität einen Lehrstuhl wollte. Als er ihn nicht bekam, ging er nach Paris und ließ sich von der französischen Regierung in Sold nehmen.


Der Bayernkönig hatte im Ganzen seine Bayern, denen er das y verordnete, zufriedengestellt. Außer seiner “teutschen” hatte er noch zwei Leidenschaften; Bauen und Frauen. Er baute klassizistisch: die Residenz mit Hofkirche, die Staatsbibliothek, die Feldherrnhalle, die Bavaria, das Siegestor und anderes. Für seine Münchner war das Verschwendung. Einen Ausgleich seiner persönlichen Misere  - er war taub und stotterte - boten ihm Frauen: 38 hat er für seine “Schönheitsgalerie” malen lassen.

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