1848 - 1868 1852

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Bismarck, der stockkonservative Junker, verteidigte „Olmütz“ so energisch, weil er die Vorteile für Preußen und seinen Adel höher stellt als einen Prestigegewinn. Der König belohnt ihn: Er wird preußischer Gesandter beim Deutschen Bundestag in Frankfurt. Er wurde dorthin geschickt, weil er den “deutsch-nationalen Schwindel”, wie er die Einigungsbewegung nennt, verachtet: “Es gibt nichts Deutscheres, als gerade die Entwicklung richtig verstandener preußischer Partikularinteressen.” Und: "Es gibt kein deutsches Volk. Unsere Politik ist das Aufgehen Deutschlands in Preußen und damit die Umgestaltung Preußens zu Deutschland." Er galt dem preußischen König als Garant für einen deutschen Fürstenbund, in dem Preußen mehr, Österreich aber immer weniger zu sagen haben sollte.


Bismarck  entstammte einer alten Kleinadelsfamilie der Altmark. Er hatte - und das war in Junkerkreisen eher die Ausnahme - in Berlin das Gymnasium besucht und Jura studiert. Nach einer zweimal abgebrochenen Referendarausbildung zieht er sich auf sein hinterpommersches Gut zurück. Im Landtag war er der entschiedenste Kämpfer gegen jeden Abbau der Adelsprivilegien: “Ich bin ein Junker und will meinen Vorteil davon haben!” Das Streben nach Demokratie hat er lebenslang verachtet.


Eine Karriere hatte begonnen, die nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa verändern wird. Gleichzeitig mit dem Einiger Deutschlands tritt der Einiger Italiens an den Start: Graf Cavour wird Ministerpräsident von Sardinien-Piemont. Im gleichen Jahr wird Napoleon III. Kaiser der Franzosen.


Offiziell war Louis Napoleon als Sohn des Napoleonbruders Ludwig, König von Holland, kaiserlicher Prinz. Der Hofklatsch bezeichnete den Admiral Ver Huel als Vater. Wahrscheinlich war es aber sein Neffe Christian. Louis Bonaparte wurde Carbonaro , Putschist, Schweizer Artillerie-Hauptmann, Emigrant in Amerika und London und Präsident in Frankreich. Durch eine weitere Volksabstimmung wurde er Präsident auf zehn Jahre. Danach ließ er sich zum Kaiser ausrufen. Zum drittenmal wählten ihn die Franzosen mit überwältigender Mehrheit. Er gewann seine Wahlen mit Friedensversprechungen, doch sein Weg führte in kriegerische Abenteuer.


Zar Nikolaus I.  wollte die Türkei in ein russisches Protektorat verwandeln. Aus der künftigen Kriegsbeute bot er England Kreta und Ägypten, Österreich Bosnien und Albanien an. Aber die Angebote zogen nicht. Der französische Kaiser schob den Zank der christlichen Bekenntnisse um den Schlüssel der Grabeskirche in Jerusalem vor, um als Beschützer der Katholiken aufzutreten. Napoleon bot Österreich das heutige Rumänien an, wenn es Mailand an Italien abträte. Die gleichen Donaufürstentümer bot ihm auch die Türkei, wenn Österreich Polen verselbständigen würde. Österreich saß in der Zwickmühle. Russland hatte ihm geholfen, den ungarischen Aufstand niederzuwerfen, es hatte ihm auch in Olmütz beigestanden. Aber: Wenn Österreich Russland auf dem Balkan weiter vordringen ließ, würde es mit ihm dort rivalisieren.


Der Habsburgerstaat zog nicht mit England und Frankreich in den “Krimkrieg”gegen die Türkei, sondern es stellte Russland drei Armeen entgegen. Die hielten 300.000 bis 400.000 Russen vom Kriegsschauplatz fern. Wahrscheinlich hat Österreich dadurch den sinnlosen Krieg gegen Russland entschieden. Deshalb schlug die Freundschaft Russlands in Hass um.

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