1848 - 1868 1862

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Der König verfällt in Depressionen, doch sein Kriegsminister gibt nicht auf. Glücklicherweise war kürzlich ein Apparat eingeführt worden, mit dem man Nachrichten in unglaublich kurzer Zeit weltweit senden kann. So schickt er seinem Gesinnungsgenossen Bismarck, dem Gesandten in Paris, ein Telegramm, das ihn herbeibeordert. Der König verspricht sich nichts von “diesem Zivilisten”. Er sagt Bismarck, dass er abdanken muss, wenn sich nicht ein Minister findet, der bereit ist, mit ihm gegen die “Parlamentsherrschaft” zu kämpfen. Bismarck überrumpelt Wilhelm, indem er ihm diese Bereitschaft zusichert. Nun muss ihn der König zu seinem Regierungschef machen.


Der neue preußische Ministerpräsident sagt schon wenige Tage danach den Abgeordneten, wie er sie und Preußens Zukunft sieht: “Nicht auf Preußens Liberalismus sieht Deutschland, sondern auf seine Macht. Bayern, Württemberg, Baden mögen dem Liberalismus indulgieren, darum wird ihnen doch keiner Preußens Rolle anweisen; ...; Preußens Grenzen nach den Wiener Verträgen sind zu einem gesunden Staatsleben nicht günstig; nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden - ... -, sondern durch Eisen und Blut.”


Bismarck ignorierte das Parlament. Da der Staat ja nicht plötzlich aufhören könne zu existieren und in der Verfassung keine Regelung vorgesehen sei, könne niemand die Ansicht des Ministerpräsidenten widerlegen, dass in dieser Lage die Regierungsgewalt und mit ihr die Budgethoheit dem König und seiner Regierung zustehe.


Wieder versuchten die Polen, das russische Joch abzuschütteln. Bismarck benutzt ihren Aufstand, um sich bei den Russen beliebt zu machen. Er schließt mit ihnen ein Abkommen, das ihnen ermöglicht, polnische Rebellen noch auf preußischem Gebiet zu bekämpfen, umgekehrt den Preußen erlaubt, nach Polen vorzustoßen, wenn sie ein Übergreifen des Aufstandes auf Preußen befürchten. Bei der liberalen Parlamentsmehrheit macht ihn dieses “Menschenjagdabkommen” verhasst. Er rettet sich durch die Lüge, von dem Abkommen wisse er nichts.


Ganz bewusst steuert Bismarck den Konflikt mit Österreich an. Dem britischen Oppositionsführer erklärte er die Grundzüge seiner Außenpolitik: “Reorganisation der Armee, dann Kriegserklärung an Österreich unter dem erstbesten Vorwand, Auflösung des Deutschen Bundestages, Überwältigung der Klein- und Mittelstaaten und als Schlusseffekt: nationale Einheit Deutschlands unter Führung Preußens.”


Österreich versuchte diesem Schicksal zu entgehen. Kaiser Franz Joseph lud 1863 die deutschen Fürsten zu einem Fürstentag nach Frankfurt ein. Der Deutsche Bund sollte reformiert werden, der Kaiserstaat weiter an seiner Spitze bleiben. Als der Preußenkönig in Gastein kurte, fuhr der Kaiser zu ihm und lud ihn ein. Doch Bismarck war eigens mitgekommen, um die Zusage Wilhelms zu verhindern. Auf der Rückreise machte man in Baden-Baden halt. Bald kam der sächsische König, um die kaiserliche Einladung zu wiederholen. Aber Bismarck ließ Wilhelm nicht nach Frankfurt. Für Franz Joseph wurde die Fahrt nach Frankfurt zu einem Triumphzug; der Jubel zeigte, dass Süddeutschland noch der alten Vormacht Österreich anhing. Die zweite Vormacht ließ aber den Fürstentag platzen, um die deutsche Frage bei nächster Gelegenheit für sich zu entscheiden.


Zuvor inszenierte Bismarck ein Stück, das seine Bewunderer diplomatische Virtuosität, seine Kritiker Gaunerei nennen. Ursache war der Tod Friedrichs VII. von Dänemark, der auch Herzog von Schleswig und Holstein war. Die Herzogtümer hatten ihre eigenen Rechte. Schon die Regierung des Paulskirchenparlaments hatte deswegen gegen Dänemark Krieg geführt. Dänemark war verpflichtet worden, die Autonomie der Herzogtümer zu respektieren. Unter dem Druck der nationalistischen “Eiderdänen” hatte König Friedrich vor seinem Tode Schleswig in Dänemark eingegliedert. Jetzt machten sowohl der neue Dänenkönig wie auch der Prinz von Holstein-Augustenburg Erbansprüche geltend, obwohl sein Vater den Erbanspruch verkauft hatte. Englands Premier Palmerston hat später gesagt: “Die schleswigholsteinische Frage haben nur drei Männer verstanden. Der eine war Prinz Albert, der ist gestorben; der zweite war ein deutscher Professor, der ist darüber verrückt geworden; der dritte bin ich, aber ich habe alles vergessen.“

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