1848 - 1868 1867

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Bismarck wird Kanzler des “Norddeutschen Bundes” mit dem Titel “Reichskanzler”. Der Bund hatte auch einen “Reichstag“. Die Verfassung hatte er sich “auf den Leib zugeschnitten”.

Er kann sogar gegen den König regieren mit der Begründung, dass er die verfassungsmäßige Verantwortung für diese oder jene Maßnahme nicht übernehmen könne. Der König von Preußen ist nur Präsident und Oberfeldherr.


In diesem Reichstag sitzt erstmals ein Sozialdemokrat: August Bebel . Schon seine Rede bei der Konstitution zeigt Überzeugungstreue und Mut. Er sagt, dass es Preußen bei der Gründung dieses Norddeutschen Bundes keineswegs um die Einigung Deutschlands gegangen sei, „im Gegenteil, ich behaupte, dass mit der Gründung ein spezifisch preußisches Interesse, dass die Stärkung der Hohenzollerschen Hausmacht damit bezweckt worden ist. ... Ich muss entschieden dagegen protestieren, dass man eine solche Politik eine deutsche nennt; ich muss entschieden protestieren gegen einen Bund, der nicht die Einheit, sondern die Zerreißung Deutschlands proklamiert, einen Bund, der dazu bestimmt ist, Deutschland zu einer großen Kaserne zu machen, um den letzten Rest von Freiheit und Volksrecht zu vernichten.”


Die Dominanz Preußens über die 22 Mitglieder verglich ein hessischer Minister mit dem Zusammenleben eines Hundes mit seinen Flöhen: Wo er hingeht, müssen sie mit. Preußen hat nach seinen Annexionen 24 Millionen Staatsbürger, alle anderen 22 Mitglieder zusammen nur 6. Preußen ist um ein Drittel größer geworden, fast zwei Drittel Deutschlands sind preußisch. Flensburg und Kiel, Hannover, Kassel, Frankfurt und Wiesbaden sind jetzt preußische Städte. Bayern, Baden und Württemberg gehören noch nicht offiziell zu diesem “Reich”. Frei sind sie aber nicht mehr. Durch zunächst geheime Militärbündnisse, die ihre Armeen dem preußischen Oberbefehl unterstellen, sind sie militärisch “angeschlossen”. Wirtschaftlich sind sie es ebenfalls.

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