1848 - 1868 1868

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Preußen gründet nämlich einen Zoll-Bundesstaat, dem bereits alle im späteren Deutschen Reich vereinigten Staaten angehören. Er hat schon einen Zoll-Bundesrat, dem der König von Preußen präsidiert. Er hat auch ein Zoll-Parlament. Bezeichnend ist, dass von allen Mitgliedstaaten nur Preußens Veto alle Beschlüsse annullieren kann. Dieser Zollbund ist der Vorläufer des künftigen Reiches. Seine Eröffnung ist infolge der rasch zunehmenden Bedeutung der Wirtschaft die eigentliche Geburtsstunde des neuen Deutschen Reiches.


Noch ist jedoch die Mainlinie für den Protestanten Bismarck eine psychologische Hemmschwelle, “... weil ich es, wenn die nötige Konsolidierung des Bundes gewonnen werden soll für unmöglich halte, das süddeutsch-katholisch-bayerische Element hinzuzuziehen. Letzteres wird sich von Berlin aus noch für lange Zeit nicht gutwillig regieren lassen.”


Über den nationalen Einigungserfolgen vergisst man oft die sozialen Fortschritte. Erst durch Gesetze des Norddeutschen Bundes war es jedem Deutschen möglich geworden, sich in allen Bundesstaaten niederzulassen, dort Arbeit anzunehmen oder eine selbständige Existenz zu gründen. Im Juni 1869 kam eine umfassende Gewerbeordnung zustande. Die Vorrechte der Zünfte fielen weg, jeder konnte ein Gewerbe ausüben. Die Arbeiter konnten sich zur Erlangung günstigerer Arbeitsbedingungen in Gewerkschaften vereinigen und auch streiken. Nur den Landarbeitern blieben diese Rechte verwehrt.

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